Gasballonkörbe am Strassenrand, ein Kunstflieger über der Gemeinde, ein Alphorntrio, eine Fotoshow, unzählige Gratulanten und ein sympathisches Weltmeisterteam, das sich äusserst geehrt zeigt, ob dem ganzen Rummel um ihre Personen und ihrem grossartigen Erfolg. Es ist bereits der vierte Weltmeistertitel in der Langdistanz, den Kurt Frieden (Hohentannen) und Pascal Witprächtiger (Schlatt) errungen haben. «Und das mit unserem Ballon, den wir seit 2008 fahren und der ausgestattet ist, mit Stoff aus dem Toggenburg», sagt Pascal Witprächtiger. Swissness also in ganz hohem Masse und beste Werbung für Hohentannen, Schlatt, den Kanton Thurgau und überhaupt der ganzen Schweiz. Man ist sich jedoch bewusst, dass sich die Ballonfahrer in einer Randsportart bewegen, umso grösser darf der Respekt denen gegenüber sein, die das trotzdem mit viel Herzblut und Leidenschaft ausüben.

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Nicht nur Hohentannens Gemeindepräsident Lukas Kauffmann ist stolz auf die zwei Gasballon-Weltmeisterpiloten Kurt Frieden und Pascal Witprächtiger (von links). Der ganze Kanton Thurgau, die ganze Schweiz, darf den Hut vor den beiden, mitsamt ihrem Team, nehmen.


Gold für die wilden Hunde

Das Schweizer Siegerteam startete, an der 64. Coupe Aéronautique Gordon Bennett, im polnischen Torun. Während rund 85 Stunden befand sich das Duo in der Luft, während das Bodenteam hoch konzentriert über Wetterlage informierten und sich das Begleitauto den Weg über zahlreiche Grenzübergänge gesucht hat. 15 Teams wollten indes eine möglichst weite Route zurücklegen, doch an die 1560 Kilometer, der zwei Thurgauer Piloten, kamen die Gegner nicht heran. «Wer an diesem härtesten Gasballonrennen mitmacht, muss definitiv belastbar, technisch versiert, wetterfest, clever, geduldig und noch vieles mehr sein», sagt Gemeindepräsident Lukas Hoffmann. Er weiss auch, dass dieser Sport äusserst gefährlich sein kann, «darum darf ich getrost von zwei «wilden Hunden» sprechen, die uns einmal mehr dermassen stolz machen.» Für Kauffmann ist klar, dieser Weltmeistertitel ist schlicht und einfach eine Sensation.

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Gasballonfreunde stehen mit ihren Körben Spalier für die beiden Weltmeister in der Langdistanz, Pascal Witprächtiger und Kurt Frieden (zweiter und dritter von links).

Höher, schneller, weiter

Höhenangst ist selbstredend kein Thema bei diesen zwei erfolgreichen Sportlern. Ehe sie nahe der Atlantikküste, südöstlich von Nantes in Frankreich, landeten, fuhren sie auf bis zu 3700 Meter über Meer; nichts für Angsthasen. Geduldig beantworteten die beiden auf dem Festplatz, dem Dorfplatz und der Hirschenschüür, Fragen, welche aufgetaucht sind. Wie denn das so mit der Blasenentleerung und dem Stuhlgang sei, wenn man sich mehrere Tage in dieser Höhe und auf engstem Raum befindet. Gelächter breitet sich aus, doch die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. «Wir verfügen über verrottbare Säcke, da machen wir unser Geschäft rein, hängen den Sack aus dem Korb und lassen ihn, bei geeignetem Boden fallen, so quasi von Natur zu Natur», sagen die Piloten augenzwinkernd. Viele weitere interessante Begebenheiten wissen die Weltmeister zu erzählen, während sich der Dorfverein um das leibliche Wohl der Besucher kümmert. Es wird in den Abend hinein gefeiert und wiederkehrend angestossen, es werden Ballonfahrer-Freundschaften gepflegt und man lässt das Weltmeisterteam hochleben; Ehre, wem Ehre gebührt.

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Ehre, wem Ehre gebührt: Pascal Witprächtiger (vorne) und Kurt Frieden.