Was jahrelang ein Ding der Unmöglichkeit war, ist salonfähig geworden: Nämlich das Know-How und die Erfahrung ehemaliger Nationalspielerinnen im Frauenhockey zu konservieren. Die Verantwortlichen der Frauen-Nationalteams – A über U18 und U16 bis zur U14 – lesen sich wie ein „Who is Who“ ehemaliger National- oder Ligaspielerinnen. Auch in der Swiss Women’s Hockey League ist „Frau“ am Werk.

Die Zuger Nationaltrainerin Daniela Diaz rockte einst als gefürchtete Stürmerin und Topskorerin die Liga mit Zug, Reinach und Küssnacht, führte als Headcoach die ZSC Lions zu sechs Meistertiteln, ehe sie die A-Nationalmannschaft übernahm, als erste vollamtliche Nationaltrainerin der Frauen notabene. Ihr zur Seite steht mit Melanie Häfliger ebenfalls eine ehemalige Nationalspielerin und ein Urgestein des Frauen-Teams des SC Reinach, dem sie mittlerweile als Headcoach vorsteht. Das Aushängeschild des Schweizer Frauenhockeys schlechthin, Weltklasse-Torhüterin Florence Schelling, die erst vor ein paar Monaten ihren Rücktritt erklärt hatte, assistiert seit August im U18-Nationalteam und will sich zur Trainerin ausbilden lassen. Die Verantwortung für die Stufen U16 und U14 liegt bei einer weiteren ehemaligen Spielerin, Tatjana Diener, die in einem Halbpensum ebenso verantwortlich für die Off-Ice-Ausbildung aller Nationalteams ist. Auch ihre Assistentin ist keine Unbekannte und ehemalige Internationale und Ligaspielerin: Die Tessinerin Iris Müller, die letzte Saison dem Ladies-Team von Lugano vorstand.

Neue Entwicklung

Neben Häfliger ist in der SWHL A (höchste Schweizer Liga) mit Andrea Kröni, drei Jahre lang U18-Nationaltrainerin, in Weinfelden ein weiterer weiblicher Headcoach im Amt. Kröni wird im kommenden Jahr zudem das Schweizer Frauen-Team an die Universiade führen. In der SWHL B leitet die 226-fache ex-Internationale Monika Leuenberger die GCK Lions, das Farmteam des amtierenden Meisters ZSC Lions. An ihrer Seite steht Angela Frautschi, 112-fache ex-Internationale und zwei Jahre lang auch Assistentin von Daniela Diaz im Nationalteam.

Diese Entwicklung ist zwar relativ neu für die Schweiz, nicht aber in anderen Ländern, vor allem nicht in Kanada und den USA. Kanada bekannte sich als erstes Land zu einem weiblichen Headcoach des Nationalteams und setzte diese Tradition jahrelang fort, verpasste es aber irgendwann, den Nachwuchs nachzuziehen. Dieses „Missgeschick“ ist mittlerweile behoben, denn Kanada „exportiert“ auch weibliche Headcoaches nach Europa, genauer gesagt nach Schweden.

Anja Stiefel baut eigene Firma auf

Nicht alle Koryphäen des Schweizer Nationalteams sind dem Frauenhockey als Coach verbunden geblieben. Kathrin „Ka“ Lehmann, mit 242 Länderspiele Rekord-Nationalspielerin, Meisterin in Schweden und der Schweiz, ehemalige Fussball-Nati-Torhüterin und heutige Uni-Dozentin und TV-Expertin, führt zwar nach wie vor Ausbildungscamps für Mädchen durch. Doch den Schritt an die Bande hat sie nie getan. Auch die Zugerin Ruth Künzle (214 Länderspiele) ist dem Eishockey „halbwegs“ verbunden geblieben. Die diplomierte Berufsmasseurin arbeitet Teilzeit beim Internationalen Eishockey-Verband in Zürich und massiert bisweilen „Eishockey-Muskeln“.

Und was macht die Wilerin Anja Stiefel, die Ende letzter Saison nach dem Gewinn der schwedischen Meisterschaft mit Lulea und 180 Länderspielen zurückgetreten ist? Sie absolviert den zweiten Teil ihrer Ausbildung zur Naturheilkunde-Praktikerin und baut eine eigene Firma auf.

Daniel Monnin*

* = Daniel Monnin beobachtet seit vielen Jahren das Geschehen im Schweizer Frauen-Eishockey. Für www.hallowil.ch berichtet er in loser Folge über das Geschehen bei den EC Wil Ladies – aber auch über eine Sportart, die im Schatten ihrer männlichen Kollegen steht.