Nicht nur in Flawil wird Ende Jahr die SBB-Drittverkaufsstelle im «Migrolino»-Shop aufgehoben, sondern auch im «Avec»-Shop in Eschlikon. Darüber informiert die Hinterthurgauer Gemeinde in der aktuellen Ausgabe ihrer «Eschliker Nachrichten». So habe Felix Gemperle, Leiter Personenverkehr des Vertriebsgebietes Ostschweiz der SBB, in einem Schreiben die Gemeinde am 7. August über die Schliessung der Drittverkaufsstelle im «Avec» per 1. Januar 2021 informiert. Gemperle habe «etwas beschönigend» Folgendes geschrieben: «Wir informieren Sie hiermit schriftlich über eine Anpassung am Bahnhof in Eschlikon». Die SBB begründen den Schritt einerseits mit sinkender Rentabilität: Der Absatz aller Drittverkaufsstellen am Gesamtabsatz der SBB betrage weniger als 0,3 Prozent und sei weiter rückläufig. Ausserdem habe sich das Kundenverhalten verändert und Verkäufe über die digitalen Kanäle nehmen stark zu: Per Ende 2019 wurden über 50 Prozent aller Billette der SBB digital verkauft. 

«Im Brief erwähnt Felix Gemperle die vielfältigen Unterstützungsangebote der SBB beim Kauf von Fahrscheinen. Beispielsweise über den 'Rail Service', der unter 0848 44 66 88 erreichbar ist», informiert die Gemeinde Eschlikon weiter. Um den Billettkauf am Automaten zu vereinfachen, bieten die SBB ausserdem eine Hilfestellung durch das Contact Center. Und schliesslich bieten die SBB Schulungen zum Kauf eines Produktes über die digitalen Kanäle: Entweder im Schul- und Erlebniszug oder in einem Reisezentrum der SBB. «Sollte der Schulungsbedarf in Eschlikon durch die Schliessung der Drittverkaufsstelle ausreichend gross sein, dies versicherte Felix Gemperle mündlich, so könnte auch eine Schulung vor Ort angeboten werden», so die Gemeinde. Der Eschliker Gemeinderat nehme die Entwicklung mit grösstem Bedauern zur Kenntnis. (pd)

_______________________________________________________________________________

Ab 2021 werden im Flawiler «Migrolino» keine SBB-Billette mehr verkauft (16.10.20):

Eigentlich wäre der Schlussstrich bereits vor drei Jahren gezogen werden müssen – wäre es nach der SBB gegangen: Denn diese wollte per Ende 2017 die 52 Schweizer Drittverkaufsstellen schliessen lassen. Zu diesen hätte auch die SBB-Drittverkaufsstelle im «Migrolino»-Shop in Flawil gehört. Der Flawiler Gemeinderat Flawil hat dies damals als einen völlig überstürzten Entscheid bezeichnet und die Bevölkerung dazu eingeladen, die vom VCS gestartete Petition gegen den Serviceabbau beim Billettverkauf zu unterzeichnen. Auch dank den vielen Unterschriften aus Flawil haben National- und Ständerat der SBB für die Schliessung von Drittverkaufsstellen ein Moratorium bis Ende 2020 auferlegt. «Das Moratorium hat Zeit geschaffen, um sich mit den elektronischen Angeboten der SBB auseinanderzusetzen», berichtet die Gemeinde Flawil im aktuellen Gemeindeblatt «Flade». 

Nun hat sich gemäss der SBB das Kundenverhalten in den vergangenen drei Jahren nochmals stark hin zum selbstbedienten Billettkauf verlagert. Aktuell werden schweizweit über 90 Prozent aller Billette über selbstbediente Kanäle bezogen, wobei die digitalen Möglichkeiten – SBB Mobile und sbb.ch – eine starke Zunahme von aktuell über 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. Im Gegenzug ist die Anzahl der am Schalter verkauften Billette weiter gesunken.

Optionen geprüft

«Der Gemeinderat ist sich bewusst, dass das dreijährige Moratorium Ende Jahr ausläuft», wird im aktuellen Gemeindeblatt betont, «Er vertritt nach wie vor die Meinung, dass eine Billett-Verkaufsstelle in Flawil angebracht wäre». Auch weil der Rat der Bevölkerung einen möglichst umfassenden Service public bereitstellen wolle, habe er nochmals verschiedene Optionen geprüft. «Doch weder die SBB, noch die 'Migrolino'-Gruppe sind an einer Weiterführung der Drittverkaufsstelle interessiert», bedauert der Flawiler Gemeinderat. Dies auch deshalb, weil die Drittverkaufsstellen ab 1. Januar 2021 für den Billettverkauf keine Provisionen mehr erhalten. «Schliesslich lehnt es die SBB auch ab, das bisherige Verkaufssystem den Drittverkaufsstellen gegen Entschädigung zur Verfügung zu stellen, selbst wenn die Gemeinde die Kosten übernehmen würde», heisst es weiter. 

Kostenlose Helpline an Billettautomaten

In den vergangenen Jahren hat die SBB die Bedienung der Billettautomaten laufend weiterentwickelt und vereinfacht. Beim Bahnhof Flawil gibt es zwei Billettautomaten: einen beim Eingang zum Migrolino-Shop und einen auf dem Perron. Für den Billettkauf am Automaten steht bei Fragen, Problemen oder technischen Störungen die kostenlose Helpline der SBB (0800 11 44 77; während 24 Stunden, an sieben Tagen pro Woche) zur Verfügung. Die Nummer steht auf jedem Billettautomaten. Im Bedarfsfall kann ein Mitarbeiter der Helpline am Telefon direkt auf den Automaten zugreifen und beim Kauf eines Billetts behilflich sein.

«Der Gemeinderat plant zusammen mit der SBB und der Pro Senectute zweistündige Kurse für Menschen, die sich beim Bedienen der Billettautomaten oder mit der Anwendung der elektronischen Angebote schwer tun», erklärt der Flawiler Gemeinderat. So werden Ende November und Anfang Dezember Kurse angeboten, an welchen die Teilnehmer sowohl beim Bedienen des Billettautomaten, als auch bei der Anwendung der digitalen Kanäle geschult werden. Die Kursdaten stehen aber noch nicht fest. 

Unterstützung in Notfällen

Der Gemeinderat hat ausserdem mit den Verantwortlichen des «Migrolino»-Shops Flawil nach weiteren Möglichkeiten zur Unterstützung von Personen gesucht, welche ihr Billett am Automaten der SBB kaufen wollen, sich jedoch mit dem Gerät nicht zurechtfinden. «Es wurde vereinbart, dass die Mitarbeiter des Migrolino-Shops in dringenden Notfällen die Bahnreisenden am Billettautomaten der SBB unterstützen können», verspricht der Gemeinderat. Die Gemeinde entschädige den Migrolino-Shop Flawil für diese Dienstleistung teilweise. Diese Unterstützung sei auf das erste Quartal 2021 beschränkt. (pd)