So beschreibt sich das Kathi auf der Homepage: «Seit über 200 Jahren gelingt es der Mädchensekundarschule St. Katharina, sich der Zeit anzupassen ohne Bewährtes aufzugeben. Eine Schule, in der sich die Schülerinnen und das Lehrerteam wohl fühlen.» Von Gegnern des Kathi wird aber in Abrede gestellt, dass die Schule in der Lage sei, sich der Zeit anzupassen. Als nicht mehr zeitgemäss betrachten sie die geschlechtergetrennte Beschulung. Ausserdem verlangt der Kanton St. Gallen seit Jahrzehnten Oberstufenzentren, welche Real- und Sekundarklassen gemeinsam führen. Den Spezialfall Kathi wollen die einen unbedingt weiterführen, für andere ist er zum Stein des Anstosses geworden, den es zu beseitigen gilt.

Aufgrund der bereits jahrelang teils verbittert geführten Diskussion um die Kathi-Zukunft, ist die Stellung zum Kathi in Wil zu einer eigentlichen Gretchenfrage geworden: «Wie hältst du’s mit dem Kathi?» Das Konzept Schule 2020 Wil sieht diesbezüglich fünf Modelle vor, zwei davon ohne Kathi. Zur Diskussion am Abend standen Modell B mit zwei öffentlichen Oberstufen und eine Mädchen- und Knabenschule St. Katharina sowie das Modell D mit drei öffentlichen Oberstufen ohne das Kathi. Wie auch die anschliessende rege benützte Diskussion zeigte, scheint die Stellung der Präsidiumskandidaten zum Kathi für manche Wiler ein entscheidendes Kriterium für deren Wählbarkeit zu sein. Am Podium bekamen sie Klarheit.

Viel Lob fürs Kathi

In der Vorstellungsrunde wiesen Daniel Meili, interimistischer Stadtpräsident von Wil, Hans Mäder, Gemeindepräsident von Eschlikon, und Stadtrat Dario Sulzer auf ihre berufliche und politische Laufbahn und ihre Verbundenheit mit Wil hin. Rasch führte Ruben Schönenberger, Redaktionsleiter Wiler Zeitung, die Diskussion auf das Thema Schule. Auch wenn er noch nicht explizit angesprochen war, schlugen die Kandidaten den Bogen zum «Spezialfall Kathi». Unverkennbar war das Bemühen, es - sozusagen «in der Höhle des Löwen» - mit dem Gastgeber nicht zu verderben. Der Satz «das Kathi ist eine gute Schule» wurde von allen Kandidaten mehrfach wiederholt. Viel weiter ging der Vorrat an Gemeinsamkeiten in dieser Frage jedoch nicht.


Finanzierung ohne Mitsprache

Sowohl Dario Sulzer als auch Daniel Meili kritisierten, dass die Stadt Wil ans Kathi jährlich 2,5 Millionen Franken ohne Mitspracherecht bezahle. Hans Mäder begründete seine Zustimmung zu diesem Aufwand mit einem Vergleich aus der Wirtschaft. Dort werde ein Auftrag vergeben und ein Globalbudget gewährt. Bei der Ausführung werde nicht dreingeredet, sondern einfach ein gutes Resultat verlangt.

Ein häufig angeführtes Stichwort war Chancengleichheit. Beziehungsweise die bemängelte Gleichbehandlung der Wiler Oberstufenschüler. Mädchen könnten wählen und sich für die gute Schule Kathi entscheiden. Knaben müssten dann in reine Knabenklassen eingeteilt werden. Hierin sieht Sulzer aus eigener Erfahrung eine Benachteiligung. Meili fehlt für die Knaben der Ansporn, vor den Mädchen nicht versagen zu wollen. Geschlechtergetrennte Beschulung ist für Sulzer unzeitgemäss und läuft der Schulgesetzgebung zuwider. Mäder dagegen würde den im Modell B vorgesehenen sechsjährigen Versuch mit einer Bubenklasse am Kathi eine Chance geben. Chancengerechtigkeit verlange keine Gleichmacherei. Statt etwas, was gut funktioniere, zu zerschlagen, müsse man versuchen, das Kathi in die städtischen Schulen zu integrieren. Mäder wehrte sich gegen den Vorwurf, wer für das Kathi sei, stelle sich gegen die anderen Oberstufenschulen. Auch diese leisteten sehr gute Arbeit.


Schwierige Durchmischung

Neben Chancengleichheit verlangt Sulzer auch soziale Durchmischung. Die Schule müsse den Durchschnitt der Bevölkerung abbilden. Der heutigen Realität gelte es Rechnung zu tragen. Der Erfolg eines Schülers misst sich nach Ansicht von Mäder nicht an der Zusammensetzung der Klasse. Idealerweise müsste jeder Schüler einen Bildungsgutschein erhalten und dann selber oder zusammen mit den Eltern seine Wahl treffen können. Meili würde diesen Vorschlag unterstützen, hält ihn aber für utopisch. Entscheidend ist für ihn das Profil einer Schule. Wil biete diesbezüglich eine Vielfalt. Sulzer bezweifelt, dass sich genügend Knaben für den Besuch einer Klasse am Kathi entscheiden würden. Mäder dagegen drängt endlich auf einen Entscheid und fordert von der öffentlichen Verwaltung mehr Mut. Sulzer führte die Schulraumplanung an, welche Aufwendungen von 140 Millionen Franken erfordere. Für Mäder müssen vorgängig die richtigen strategischen Entscheide gefällt werden. Meili setzt auf die Experten, welche an der Ausarbeitung eines neuen Modells seien. Nur ein gemeinsamer Kompromiss könne die bestehenden Gräben zuschütten.