Was für bewegende Stunden für Marc Flückiger. Ausgerechnet am Tag seiner Wahl zum Parlamentspräsidenten schneite es stark und nahezu ununterbrochen. Da er sich mit seinem Unternehmen auch auf das Pfaden von Strassen spezialisiert hat, gab es jede Menge zu tun – und das mehr oder weniger den ganzen Tag lang. Im Parlament war dann der Weg frei ins Präsidium. Dies geschah wie erwartet ohne Opposition. Auf 34 der 35 ausgefüllten Stimmzettel stand der Name Flückiger. Es gelte, gemeinsam für die schöne Stadt Wil einzustehen und dafür zu sorgen, dass dies so bleibe. Er wolle vorleben, pragmatisch und zielorientiert vorzugehen. Flückiger wünsche sich, dass man vorwärtskomme und das Parlament Entscheidungen fälle. Er äusserte aber auch Kritik, als er von einem «Null-Toleranz-Parlament» sprach.

Die ersten kniffligen Aufgaben galt es dann an der Parlamentsfeier zu lösen. Diese hatte Flückiger im Sportpark Bergholz organisiert – und wurde prompt aufs Glatteis geführt. Gegen einen Eishockey-Goalie des EC Wil musste er mittels Penalty treffen. Er tat es im dritten Versuch auf souveräne Art und Weise. Seine Hockey-Vergangenheit drückte durch. Kaum brenzlig wurde es bei einigen von SVP-Fraktionspräsident Benjamin Büsser gestellten Fragen zum Thurgau, wo Flückiger aufgewachsen ist. Einzig beim Übernamen des Kantons – Mostindien – musste er überlegen.

 
  Hier die Impressionen von der Parlamentsfeier für Marc Flückiger.

Nicht immer speditiv

Im Parlament werden Flückiger dieses Jahr einige heisse Eisen erwarten – allen voran die Zukunft der Mädchen-Sekundarschule Kathi. Bereits im Vorfeld der Parlamentssitzung hatte Flückiger wiederholt zu Protokoll gegeben, dass er dieses Amt mit viel Demut angeht und auch Respekt hat.

Post inside
An der Parlamentsfeier gab es für den neuen Parlamentspräsidenten Marc Flückiger (links) jede Menge Geschenke - auch von FDP-Parteikollege Mario Breu. (Bild: Simon Dudle)

Es war aber auch der Zeitpunkt für den scheidenden Parlamentspräsidenten Luc Kauf (Grüne Prowil), auf sein Jahr zurückzublicken. Es sei ihm mal besser und mal schlechter gelungen, sein Vorhaben «speditive Sitzungsführung» umzusetzen. Dies bestätigte Stadtpräsidentin Susanne Hartmann, als sie an der Parlamentsfeier Kaufs Wirken mit Zahlen unterlegte. So sei die erste Sitzung mit 50 Minuten rekordverdächtig kurz gewesen, die letzte mit 6 Stunden und 59 Minuten dafür rekordverdächtig lange. Kauf wird als jener Parlamentspräsident in die Geschichte eingehen, der die erste Wiler Bundesrätin empfangen durfte. Kaum abgetreten, hatte der Politiker der Grünen Prowil schon das nächste wichtige Amt inne. Er wurde zum Präsidenten der Geschäftsprüfungs-Kommission des Parlaments gewählt.

Roland Bosshart dürfte Nachfolger werden

Nach Flückigers Amtsjahr wird dann aller Voraussicht nach Roland Bosshart (CVP) das Präsidium übernehmen. Er wurde mit einem nahezu identischen Ergebnis wie Flückiger und 33 gültigen Stimmen zum Vizepräsidenten gewählt. Bosshart politisiert seit 2010 im Stadtparlament und ist Mitglieder der Bildungskommission.

_______________________________________________________________________________

Der Parlamentsticker zum Nachlesen:

Nun verschiebt sich der Tross Richtung Bergholz, wo die Parlamentsfeier stattfindet. Wir beenden an dieser Stelle zwar den Parlamentsticker, melden uns dann aber spät abends - oder sagen wir doch lieber früh morgens - mit dem Bericht von der Feier im Bergholz wieder. Mal schauen, was sich die Fraktionen ausgeheckt haben. Meistens ist das eine spassige Sache. Vorerst mal ein "Auf Wiederschauen" aus der Tonhalle.

So, das war's. Für die weiteren Traktanden bleibt keine Zeit mehr.

Flückiger gibt schon mal Gas, wie er es angekündigt hatte. Die verschiedenen Kommissionen und deren Präsidien werden im Schnellzugstempo gewählt. Keine Opposition weit und breit. Man sehnt sich Richtung Apéro.

Nun noch einige Wahlen. Auffallend: Der ehemalige Parlaments-Präsident Luc Kauf (Grüne Prowil) wird zum GPK-Präsidenten gewählt.

Und hier ist die Glocke: Wiederum ist es eine klare Sache. Bei erneut 5 leeren Stimmen erhält Bosshart 33 Stimmen und ist somit neuer "Zweithöchster Wiler".

Auch diese Wahl findet geheim statt.

Nun ergreift Christoph Hürsch (CVP) das Wort. Er schlägt Roland Bosshart als künftigen Vize-Präsidenten vor. Er ist seit 2004 wieder in Wil wohnhaft. Er ist Mitglied der Bildungskommission.

Und dann das Wichtigste: "Ich erkläre die Annahme", sagt Flückiger. Applaus.

"Wir haben oft eine Null-Toleranz im Parlament", übt Flückiger Kritik. Er nennt keine konkreten Ziele. Aber man müsse mit dem arbeiten, was man habe.

Es gelte, für "unsere schöne Stadt einzustehen und dafür zu sorgen, dass dies so bleibt".

Flückiger spricht. "Ich habe Schwein gehabt", scherzt der neue Parlaments-Präsident. Er dankt seinen Mitarbeitern der Sygma AG, die Strassen vom Schnee befreien - und schon den ganzen Tag am Werk sind.

Das Resultat ist da: 5 leere Stimmen sind eingegangen. Mit 34 von 35 Stimmen ist Marc Flückiger gewählt.

Die Sitzung ist nun für zehn Minuten unterbrochen, bis die Stimmen ausgezählt sind. Die Spannung hält sich allerdings in engen Grenzen.

Es kommen keine weiteren Kandidaturen. Darum geht es bereits zur Wahl. Diese erfolgt geheim und im guten alten Modus mit Papierzetteln.

"Wir können und wollen Ihnen mit Marc Flückiger einen überaus engagierten Präsidenten empfehlen", sagt Breu.

Flückiger sei ein sehr guter Eishockey-Spieler. Ob das eine Andeutung an die danach folgende Parlamentsfeier ist? Sie erfahren es auf hallowil.ch.

Nun also der Höhepunkt: Der neue Parlamentspräsident ist zu wählen. Es geht um Marc Flückiger (FDP). FDP-Fraktionspräsident Mario Breu ergreift das Wort. Er stellt nun Flückiger vor. Für ihn ein Einfaches, sind die beiden doch gute Freunde. "Marc setzt sich sachlich und beharrlich für liberale Werte ein. Er scheut Konfrontationen nicht und sucht diese manchmal sogar", sagt Breu.

Als nächstes geht es um den Schlüssel der Sitzverteilung. Da es einige Verschiebungen gegeben hat, muss dieses Geschäft auch unter der Legislatur vorgenommen werden.

Zum Schluss seiner Rede lässt Kauf eine Empfehlung einfliessen. Wenig überraschend empfiehlt er, den Weg rund um Wil unter die Füsse zu nehmen. Grenzen setzen, spüren und gegen Innen schauen, das könne wichtig sein.

"Unser Parlament hat einen überdurchschnittlich grossen Zuschauerzuspruch", so Kauf weiter.

"Wir müssen pragmatisch und lösungsoffen an die Geschäfte herangehen und die Zukunft der nächsten Generationen im Fokus haben", sagt Kauf.

Wil dürfe zurecht stolz sein auf so vieles, sagt Kauf. Und weiter: "Wil lebt."

Sein Aufruf: Sich selber weniger wichtig nehmen und die Sache in den Vordergrund zu stellen.

Luc Kauf blickt nun auf sein Jahr als Parlamentspräsident zurück. Es seien nicht nur die Sitzungen gewesen, welche es interessant gemacht hätten. Sein Motto, speditiv durch die Sitzungen zu führen, habe er versucht umzusetzen. Manchmal habe es geklappt, manchmal nicht.

Der Noch-Präsident Luc Kauf ergreift das Wort - und gratuliert zuerst Geburtstagskind Christoph Gehrig (CVP). Ein Happy Birthday auch von der hallowil.ch-Redaktion.

So, es geht los in der Tonhalle.

Schon fix ist, dass es einen neuen Fraktionspräsidenten gibt. Und zwar bei der CVP. Christoph Gehrig macht Platz für Christoph Hürsch. Dieser ist schon seit 2003 im Parlament.

Gefeiert wird dann mit allergrösster Wahrscheinlichkeit Marc Flückiger (FDP), der zum 35. Wiler Parlamentspräsidenten gewählt wird. Alles andere wäre eine Sensation – und würde die ganze Planung der Parlamentsfeier über den Haufen werfen. Aber man weiss ja nie. Als Vizepräsident ist Roland Bosshart (CVP) vorgeschlagen. Er wird aller Voraussicht nach in einem Jahr das Präsidium übernehmen.

Wer hält dagegen? Wetten, dass die heutige Sitzung weniger lang dauert als die letzte? Zugegeben, diese Wette kann eigentlich nur gewonnen werden. Einerseits zog sich die Budget-Debatte im Dezember während sieben Stunden bis um Mitternacht in die Länge, andererseits ist heute auf 18.30 Uhr bereits der Apéro für die danach Parlamentsfeier anberaumt – in der Eishalle Bergholz.

Herzlich willkommen aus der Tonhalle zur ersten Parlamentssitzung des Jahres 2019. Somit gehen wir in die zweite Hälfte der Legislatur 2017-2020. Simon Dudle tickert für Sie durch den Abend.

_______________________________________________________________________________

Vorschau auf die Parlamentssitzung:

Seit dem Jahr 1985 hat Wil ein Stadtparlament. Seither wechselt jedes Jahr das Präsidium. Der 35. «Höchste Wiler» wird aller Voraussicht nach Marc Flückiger von der FDP. Somit fällt diese Ehre zum neunten Mal einem Vertreter des Freisinns zu. Im Jahr 1997 war eine gewisse Karin Keller-Sutter höchste Wilerin. Nun ist sie Bundesrätin.

Wie viele Parlamentspräsidenten könnten Sie aufzählen? Machen Sie den Test und kontrollieren Sie das Ergebnis auf der untenstehenden Liste:

2018: Luc Kauf (Grüne Prowil)
2017: Ursula Egli (SVP)
2016: Christa Grämiger (CVP)
2015: Adrian Bachmann (FDP)
2014: Silvia Ammann (SP)
2013: Michael Sarbach (Grüne Prowil)
2012: Erwin Schweizer (CVP)
2011: Mario Schmitt (SVP)
2010: Christof Gämperle (FDP)
2009: Dario Sulzer (SP)
2008: Marcus Zunzer (CVP)
2007: Esther Spinas-Hensch (Grüne Prowil)
2006: Dorothee Zumstein (SVP)
2005: Norbert Hodel (FDP)
2004: Marianne Mettler Nick (SP)
2003: Susanne Hartmann (CVP)
2002: Alfred Rüegg (CVP)
2001: Roland Brütsch (FDP)
2000: Heiner Graf (CVP)
1999: Monika Paminger Müller (SP)
1998: Armin Eugster (CVP)
1997: Karin Keller-Sutter (FDP)
1996: Anton Spirig (CVP)
1995: Fritz Locher (AP)
1994: Albert Kohler (CVP)
1993: Walter Hadorn (FDP)
1992: Tarzis Meyerhans (CVP)
1991: Christian Schmid (SP)
1990: Karl Josuran (FDP)
1989: Josef Hartmann (CVP)
1988: Hans Schück (SP)
1987: Albin Böhi (CVP)
1986: Elisabeth Roth (FDP)
1985: Peter Summermatter (CVP)

Nun ist also Marc Flückiger vorgeschlagen. Wieso er sein Amt mit sehr viel Respekt angeht, lesen Sie hier. Zum Vizepräsidenten dürfte der langjährige Parlamentarier Roland Bosshart (CVP) gewählt werden und somit das Präsidium in einem Jahr übernehmen.