Auf ein sehr grosses Interesse stiess die Frühsommer-Kulturfahrt der Wiler Museumsfreunde nach Salem und Meersburg am deutschen Bodensee-Ufer. Trotz Einsatz eines Doppelstöcker-Reisecars konnten mehrere Vereinsmitglieder nicht berücksichtigt werden. Die 71 Teilnehmenden wurden an einem traumhaften Frühsommer-Tag mit einer spannenden Reise in die Vergangenheit des Bodensee-Raums mit Verbindungen in die Schweiz belohnt.Vom Kloster zum Schloss Salem
Nach der kurzen Fahrt auf der Autofähre von Konstanz nach Meersburg wurde als erstes Ziel das 1134 gegründete ehemalige Zisterzienser-Kloster Salem angesteuert. Vereinspräsident Hans Vollmar hatte die Reisegruppe bereits im Bus über den durch Reformen in der Tradition der Benediktiner entstandenen Orden informiert. Waren es in der Schweiz bis zur Reformation lediglich sieben Zisterzienser-Abteien für Männer, wurden in Deutschland rund 100 dieser Klöster gegründet.

Aus dem Kloster Salem, das nicht nur eines der grossen geistlichen Zentren im deutschsprachigem Raum war, sondern auch ein wirtschaftlich höchst erfolgreiches Unternehmen, entstand 1802 im Zuge der Säkularisierung ein prunkvolles Schloss, das den Markgrafen von Baden als Wohnsitz und Weingut diente.

Einzigartige Kunstwerke im Münster-Innenraum
Auf einer grossen Führung mit zwei Gruppen wurden die Reiseteilnehmenden mit einem Stück spannender Kirchengeschichte vertraut gemacht. Das Kloster Salem war einst eine Reichsabtei mit riesigem Landbesitz, die lediglich dem Papst und dem Kaiser verpflichtet war. In den Bauwerken sind alle Stile von der Gotik bis zum Klassizismus enthalten.

Ein besonderes Prunkstück ist das Münster, das aussen streng und schlicht gotisch ist, innen aber mit einem einzigartigen Alabaster-Schmuck im frühklassizistischen Stil, aber auch mit Kunstwerken von der Gotik bis zur Renaissance das Herz jedes Kunstfreundes höher schlagen lässt.

Kloster-Gründung in Wettingen
Während rund sieben Jahrhunderten lebten die Zisterzienser-Mönche in Salem ganz nach der Ordensregel „Beten und Arbeiten“ und mehrten dabei laufend ihren Wohlstand. Verbindungen gab es überdies in die Schweiz. So gründeten die Patres unter anderem das bedeutende Zisterzienser-Kloster Wettingen im Aargau, und auch zum Kloster St. Gallen wurden rege Kontakte gepflegt.

Gelebte Ökumene
Die Säkularisierung bedeutete das Ende der Abtei, die am 23. November 1804 für immer geschlossen wurde. Die 61 Konventsmitglieder mussten das Kloster verlassen und liessen sich zumeist als Pfarrer in den umliegenden Ortschaften nieder. 1808 entstand aus dem Münster eine katholische Pfarrkirche. Im gleichen Bauwerk wird heute die Ökumene gelebt, feiert doch die in der Region Salem-Heiligenberg wohnhafte evangelische Minderheit ihre Gottesdienste im ehemaligen Refektorium, in dem ein 1733 gefertigter Ofen mit 30 bemalten Kacheln mit biblischen Szenen steht, ein Meisterwerk des Steckborner Ofenbauers Daniel Meyer.

Einst riesiges Wirtschaftsgebäude, heute Internat
Aus dem vom einstigen Reichtum zeugenden Wirtschaftsgebäude entstand im Jahr 1920 ein international renommiertes Internat mit 250 bis 300 Schülern. Seit dem Jahr 2009 zählt die weitläufige Anlage von Salem als eines der berühmtesten Kulturdenkmäler im Bodenseeraum zur grossen Familie der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg.

Fürstbischöfe von Konstanz im Exil in Meersburg
Nach einem feinen Dreigänger im markgräflichen Restaurant Schwanen mit süffigen Weinen des Markgrafen stand am Nachmittag eine Führung durch das Neue Schloss Meersburg auf dem Programm. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts hatten die Fürstbischöfe von Konstanz ihre Residenz aus der vorübergehend protestantisch gewordenen Bischofsstadt nach Meersburg verlegt. Im Jahr 1710 nahm Fürstbischof Johann Franz Schenk von Stauffenberg östlich des Alten Schlosses einen über der Altstadt und dem Bodensee thronenden Neubau in Angriff.

Panorama-Blick über den Bodensee
Noch heute beeindruckt die ehemalige Residenz der Fürstbischöfe die Besucher mit ihrem monumentalen Treppenhaus und dem überwältigenden Panorama-Blick über den Bodensee. In deren Räumlichkeiten werden 300 Jahre Geschichte lebendig. Interessanterweise ist in der ehemaligen Kapelle des Neuen Schlosses seit 1864 die protestantische Stadtkirche des vorwiegend katholischen Städtchens Meersburg untergebracht. Diese besticht durch ihre prächtige Rokoko-Ausstattung.

Nach der rund einstündigen Führung blieb den Kunst- und Museumsfreunden noch etwas Zeit zur Verfügung, um sich vor der Rückfahrt nach Wil in einem der vielen Restaurants zu erfrischen oder einen kleinen Bummel durch das attraktive Bodensee-Städtchen zu machen.