Mit Leuchtweste, Handschuhen, Handschaufel und Metalldetektor ausgerüstet durchforsteten letzthin drei Männer einen Wilener Acker im Ägelseegebiet. Manch ein vorbeikommender Fussgänger fragte sich wohl, was das zu bedeuten habe, so auch der Herr auf seinem E-Bike, der kurz innehielt und gespannt beobachtete, was die auffallend gekleideten Personen da tun. Die Sonne heizte kräftig auf an diesem Vormittag und immer wieder waren Piepgeräusche zu vernehmen. Die Wilenerin Daniela Wiesli war mit drei ehrenamtlichen Helfern des Amts für Archäologie Thurgau auf einem Feld unterwegs und durchsuchte dieses auf metallene Gegenstände. Bis zu 15 Zentimeter tief im Boden dürfen kleine Teilchen liegen, damit sie der Detektor noch orten kann. Bei grösseren Metallstücken ist die Suchtiefe beträchtlich grösser.

Post inside
Daniela Wiesli und Stefan Di Staso suchten nach Fundstücken aus der Vergangenheit. Auf dem Wilener Acker und im alten Wohnhaus an der Ringstrasse wurden sie fündig.

Piep, Piep, wieder eine Münze
Daniela Wiesli freut sich an allem, was gefunden wird. «Hat das Fundstück keinen archäologischen Wert, bleibt immerhin die gute Tat, ein metallenes und womöglich gar bleihaltiges Stück aus dem Boden entfernt zu haben», sagt sie. An diesem Morgen piept es unaufhörlich. Hier ein verrosteter Nagel, da ein Flaschendeckel; viel Müll also und trotzdem interessant. Es zeige, wie man einst mit der Natur umgegangen sei – und manchmal leider auch heute noch umgehe. «Früher war es selbstverständlich, den Abfall im Freien zu entsorgen. Allerdings wurde damals nicht nur Unrat vergraben – wir finden auf Feldern und Wiesen auch immer wieder Kreuze und Heiligenanhänger, die wohl niedergelegt wurden, um Missernten entgegenzuwirken», sagt Stefan Di Staso. Der Hemishofener, hauptberuflich im Aussendienst tätig, macht sich häufig auf die Suche nach Fundstücken. «Hierbei verdienen wir nichts, es ist indes ein wichtiger Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit und an Spannung manchmal kaum zu überbieten», sagte er, bückte sich und gräbt eine alte Münze aus. Sein Metalldetektor piept pausenlos, umso mehr muss geschaufelt werden.

Post inside
Genaustens wird der Kellerboden im Wohnhaus an der Ringstrasse untersucht. Gefunden werden oft alte Münzen und Werkzeug.

Private Suche ist verboten
Das archäologische Erbe gehört der Allgemeinheit und zur wissenschaftlichen Suche braucht es Fachwissen. «Aus diesen Gründen dürfen Privatpersonen nicht auf eigene Faust Fundstellen ausgraben oder gar mit Metalldetektoren nach alten Münzen oder anderen archäologisch wertvollen Objekten suchen», sagt Daniela Wiesli. Der Schutz von Kulturgütern ist in der Bundesgesetzgebung geregelt und Zuwiderhandlungen werden strafrechtlich verfolgt. «Privates Suchen kann zur Zerstörung von Fundstellen und somit zum Verlust von wichtigen Informationen über die Vergangenheit führen», sagt die Wilenerin.

Post inside
Systematisches Absuchen des Wilener Ackers nach historisch wertvollem Gut. Daniela Wiesli mit ihrem „Suchtrupp“.

Zeitungen, Wurstklammern und Beil
Auch im alten, giebelbetonten Doppelhaus an der Ringstrasse, welches schon seit längerer Zeit leersteht und von der Denkmalpflege das Prädikat „wertvoll“ erhielt, macht sich die Suchmannschaft auf, Verborgenes zu eruieren. Im Kellergeschoss, dunkel und feucht, werden Wände und Boden abgesucht. Metalldichtungen, Ohrringe, Beile ohne Schaft oder Münzen sind auch hierbei schnell ausfindig gemacht. Daniela Wiesli sammelt und dokumentiert alles, egal ob archäologisch wertvoll oder nicht. Manchmal stösst man auch auf alte Zeitungen, wie hier an der Ringstrasse; dabei handelt es sich um eine Ausgabe des Tages-Anzeigers aus dem Jahr 1956.

Post inside
Gefunden im Keller des alten Wohnhauses an der Ringstrasse. Die Zeitung aus dem Jahr 1956.

Historisch wertvolle Fronarbeit
Daniela Wiesli und ihre „Suchpartner“ engagieren sich in Fronarbeit für diese Tätigkeit. In enger Zusammenarbeit mit dem Thurgauer Amt für Archäologie werden sie in Zukunft noch öfter in Wilen unterwegs sein. «Unser Ziel ist es, ein möglichst grosses Areal abzusuchen, denn wer weiss, auf welche Zeugnisse der Vergangenheit wir noch stossen», sagt die studierte Übersetzerin und Mitarbeiterin vom Historischen Seminar der Universität Zürich.

Das Gesetz sagt
Wer sich Grabungsfunde im Sinne von Artikel 724 des Zivilgesetzbuches widerrechtlich aneignet, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr oder Busse bis zu 100'000 Franken bestraft. Herrenlose Naturkörper oder Altertümer von wissenschaftlichem Wert sind Eigentum des Kantons, in dessen Gebiet sie gefunden werden.

Das Wesentliche ist auf Bundesebene geregelt. Dazu kommen die gesetzlichen Grundlagen des jeweiligen Kantons.

Die Suche von und mit Daniela Wiesli ist offiziell bewilligt. Alle archäologisch wertvollen Fundstücke gehen an das Amt für Archäologie Thurgau.