Sechs bis sieben Millionen Fahrzeuge pro Jahr queren die Augartenkreuzung. Zu Spitzenzeiten gibts regelmässig Stau. Nicht nur für die Menschen aus Uzwil, sondern auch für alle, die aus Oberuzwil, Flawil und Jonschwil Richtung Autobahn wollen. Der Knoten Augarten hätte markant leistungsfähiger werden sollen. Mit einem Sanierungsprojekt wären die maximalen Staulängen auf etwa 150 Meter und die Wartezeiten auf zwei bis drei Minuten reduziert worden. Wären. Eine unheilige Allianz im Kantonsrat hat die Vorlage versenkt und sich damit die Möglichkeit genommen, das Projekt zu modifizieren oder zusätzliche Fragen zu prüfen.

Nein sagen reicht nicht

Der Gemeinderat und die Uzwiler Bevölkerung erwarten, dass das Parlament seine Aufgabe wahrnimmt. Der Sanierungsbedarf bleibt. Die Gefahr von Rückstau auf der Autobahn wird zunehmen. Die Wartezeiten werden steigen. Ob eine Unterführung alle Probleme lösen würde, wie Kantonsräte behaupten? Spielt alles keine Rolle. Aktuell geht es nur darum, einen Neustart für das Projekt Augarten zu erreichen. Ob ein Neustart überhaupt gelingt, ist noch nicht klar. Ebenso unklar ist nach wie vor, wie die Totengräber des abgelehnten Sanierungsprojekts einen solchen Neustart bewerkstelligen wollen. Schliesslich ist bekanntlich ein wesentlicher Teil der Ablehnerinnen und Ablehner nicht an einer verkehrsorientierten Lösung interessiert. Unheilige Allianzen sind sich meist nur in ihrer Ablehnung einig, nicht in der «richtigen» Lösung.

Von der anderen Seite denken

Der Gemeinderat Uzwil sieht als einen Lösungsansatz, dass man das Thema Augarten von der anderen Seite her denkt und damit von der Gupfenstrasse her statt von der Autobahn. Der Gemeinderat hatte für das regionale Agglomerationsprogramm vor längerem Bedarf für ein sogenanntes Betriebs- und Gestaltungskonzept für die Gupfenstrasse angemeldet. Hat doch die Gupfenstrasse das Querprofil einer Autobahn ohne Pannenstreifen. Wie dieser Raum in Zukunft besser genutzt werden kann, ist Inhalt eines Projektauftrags. Diese Projektorganisation steht, hätte ihre Ergebnisse mit der Sanierung der Augartenkreuzung liefern sollen. Ansatz des Gemeinderats ist es, diese Arbeiten nun zu beschleunigen. Vorteil dieses Ansatzes ist, dass die Projektorganisation bereits steht und dass damit Fragen gelöst werden können, die teilweise auch im Kantonsrat debattiert wurden. Dazu gehören beispielsweise die Lärmschutzwand, die einmündenden Quartierstrassen, der öffentliche Verkehr auf der Gupfenstrasse, neue Lösungen für den Fuss- und Radwegverkehr oder die Fortsetzung der Baumallee entlang der Gupfenstrasse.

Viele Akteure bestimmen mit

Ob der Lösungsansatz des Gemeinderats aufgegriffen und umgesetzt werden kann, hängt von vielen Parametern ab. Beispielsweise von der Frage, ob das Bundesamt für Strassen (Astra) seine geplanten Massnahmen an den Autobahnausfahrten trotz des Nichteintretensentscheides des Kantonsrats umsetzt. Denn die Rückstaugefahr auf der Autobahn besteht fort. Auch die Frage, ob die erheblichen Umweltbelastungen, die von der Strassenentwässerung ausgehen, noch geduldet werden können, ist beispielsweise offen. Jedenfalls hat der Gemeinderat Uzwil vor zwei Wochen der Geschäftsstelle der Regio Wil, die für das Agglomerationsprogramm verantwortlich ist, den Antrag gestellt, das Betriebs- und Gestaltungskonzept Gupfenstrasse höher zu priorisieren und in den A-Horizont mit dem Umsetzungszeitraum bis Ende 2028 zeitlich vorzuziehen. Es gibt die Chance, die Situation von der Gupfenstrasse her statt von der Autobahn zu denken.

Geduld ist gefordert

Darauf vertrauen, dass die Parlamentarier bis am 20. April 2024 – wie von ihnen in Aussicht gestellt – eine Lösung haben, will der Gemeinderat nicht. Er wertet es als positives Zeichen, dass das kantonale Baudepartement die Gemeinden Oberbüren und Uzwil zu einer Auslegeordnung vor den Sommerferien eingeladen hat. Das bestätigt, dass die zuständige Regierungsrätin Susanne Hartmann eine Lösung suchen will. Das müsste sie nicht.

Sie könnte auch abwarten, ob der Kantonsrat im Jahr 2023 auf seinen Nichteintretensentscheid zurückkommt und die Augartenkreuzung wieder ins nächste Strassenbauprogramm aufnimmt. Bis 2024 liefe dann nichts. Das wäre nicht im Sinn der Sache und jedenfalls nicht im Sinn der Gemeinde Uzwil.

Chancen suchen

Nun brauchts den Willen, ein neues Projekt zu starten. Und es braucht die finanziellen und organisatorischen Mittel dafür. Hier ist die Gemeinde Uzwil voll und ganz von den Plänen und Absichten des Kantons als Strasseneigentümer abhängig. Der Kanton ist und bleibt im Lead. Die Regierung muss auch den Weg mit dem Parlament wieder finden. Trotz allem: Für Uzwil bietet der Neustart auch Chancen – auf diese konzentriert sich der Gemeinderat. (gk/red)