Die zukünftige Entwicklung des Marktplatzes von Flawil wird in der Gemeinde seit Jahrzehnten diskutiert. Nun soll der «charakterlose Parkplatz» endlich seinem klingenden Namen gerecht werden, schreibt der Flawiler Gemeinderat in einer Mitteilung. Schon vor rund 40 Jahren wurde ein Projektwettbewerb zur Marktplatzgestaltung durchgeführt. Bis heute verliefen jedoch alle Anstrengungen, der Ortsmitte ein neues Gesicht zu geben, im Sand. Dies soll sich nun ändern. Wie der Gemeinderat mitteilt, liegt nun für das Dorfzentrum ein abstimmungsreifes Projekt vor. Es sieht den Bau eines Kulturhauses mit Markthalle und eine Tiefgarage vor. Hervorgegangen ist das Bauprojekt aus einem Studienauftrag, den der Rat im Jahre 2017 ausgab. Die Flawiler Bevölkerung wird voraussichtlich am 7. März 2021 über den Baukredit für das Projekt abstimmen.

Bevölkerung konnte mitwirken

Das Architektenteam Schmid Landschaftsarchitekten und Esch Sintzel Architekten aus Zürich hat das Siegerprojekt des Wettbewerbs weiterentwickelt. Entstanden sei ein Projekt entstand, «welches die Bedürfnisse und Eigenheiten von Flawil berücksichtigt», so der Gemeinderat. Dies auch, weil die Bevölkerung daran mitwirken konnte. Direkt Betroffene und Anspruchsgruppen aus der Bevölkerung wurden zu Informationsanlässen und Workshops eingeladen, wo sie konkrete Informationen zum Projekt erhielten und «ihre Anliegen, Ideen und konkreten Vorschläge einbringen konnten», wie es in der Mitteilung heisst. Das Kulturhaus soll dereinst rund 100 bis 150 Besucherinnen und Besuchern Platz bieten. Ein offenes Dach, unter dem Märkte aller Art durchgeführt werden könnten, komplettiert das Ensemble mit Tiefgarage und Platz.

Erstes Vorprojekt zu teuer

Ein erstes Vorprojekt des Architektenteams scheiterte noch. Dies, weil die Kosten für Kulturhaus, Markthalle und Tiefgarage die Vorstellungen des Gemeinderats deutlich überstiegen. Grund dafür seien unter anderem die geologischen Verhältnisse des Bodens unter dem Marktplatz. Zudem sei das Raumprogramm dadurch aufgebläht worden, dass «zu viele Wünsche aus dem Mitwirkungsverfahren berücksichtigt wurden». Für das nun vorliegende Projekt mussten deshalb unter anderem die Holzträger des Hochbaus neu dimensioniert werden. Auch höhere Anforderungen an den Schallschutz von Fassade und Fenster sowie Massnahmen zur Verbesserung der Raumakustik hätten das Vorprojekt teuer gemacht.

Einsparungen bei der Tiefgarage

Im Vergleich zum Vorprojekt konnten die Kosten nun deutlich gesenkt werden. Mit knapp 8,3 Millionen für Kulturhaus, Markthalle und Tiefgarage erreichen sie nun das vom Gemeinderat geforderte Niveau. Die Kostengenauigkeit liegt gemäss Mitteilung der Behörde bei plus/minus 15 Prozent. Die Beteiligten sind sich einig, «dass das Projekt durch die Überarbeitung an Charakter gewonnen hat und nun dem Siegerprojekt des ursprünglichen Studienauftrags sehr nahe kommt.» Die grössten Einsparungen konnten bei der Tiefgarage gemacht werden – jedoch unter Beibehaltung der von Anfang an vorgesehenen 60 Plätze. 

Zwischennutzungen im «Alten Feuerwehrdepot» möglich  

Die IG Kulturhaus hätte bis zur Realisierung des Projekts gerne das alte Feuerwehrdepot zwischengenutzt. Sie gelangte im Frühjahr 2020 mit einem entsprechenden Prüfungsantrag an den Gemeinderat. Wie der Gemeinderat nun mitteilt, betrachtet er das alte Feuerwehrdepot als Abbruchobjekt.

Um die von der IG Kulturhaus angestrebte Zwischennutzung des alten Feuerwehrdepots als Kulturhaus zu ermöglichen, bedarf es umfangreicher Investitionen. Wie stets betont, betrachtet der Rat das alte Feuerwehrdepot am Marktplatz als Abbruchobjekt. Deshalb lehnt er eine Mitfinanzierung von baulichen Massnahmen am alten Feuerwehrdepot durch die Gemeinde ab. Der Rat sei jedoch bereit, das Abbruchobjekt für kleinere Zwischennutzungen zur Verfügung zu stellen. (pd/red)