«Vom Sitzen, Reden und Denken alleine kommt man nicht weiter», sagt David Montoya in den ehemaligen Geschäftsräumen des Finnshop, während draussen Schnee mit Regen gemischt vom Himmel fällt. Der 44-Jährige will handeln, statt reden.

Umgenutzter Laden 

Im ehemaligen Ladenlokal stehen vereinzelte Esstische mit Stühlen, Lampen sowie Kajütenbetten als Ausstellungstücke. 

Wenn es nach den Plänen des Grafik-Designers geht, werden ab dem Spätsommer 2021 hinter den Schaufenstern keine verkäuflichen, sondern benutzte Möbel stehen: Es soll eine Art Gemeinschaftsbüro entstehen.

Ungebunden dank Digitalisierung

In den letzten Jahren hat sich für Gruppenbüros mit Mietarbeitsplätzen der Begriff Coworking-Space eingebürgert. Die fortschreitende Digitalisierung macht viele Berufstätige beim Arbeiten ortsunabhängiger.

Post inside
Wo jetzt noch Möbel auf Käufer warten, sollen Ende Sommer Fachleute gemeinschaftlich arbeiten. 

Wer sich im Homeoffice einsam oder von den Kleinkindern gestört fühlt, mietet vorübergehend einen Arbeitsplatz in einem Grossraumbüro. Montoya bekennt sich als grosser Fan dieser Einrichtungen, die er selber in verschiedenen Ländern genutzt hat.

Langzeitmieter gesucht

Sein in Wil geplantes Projekt unterscheidet sich allerdings von den typischen Coworking-Einrichtungen. Der gebürtige Kolumbianer möchte weniger temporäre Mietarbeitsplätze anbieten, sondern Langzeitnutzer ansprechen. Er denkt dabei primär aus Fachpersonen der Kommunikationsbranche, in der er selber verwurzelt ist.

«Es sollen dabei auch Synergien entstehen», betont er. Damit will er hervorheben, dass sein Vorhaben nicht reine Arbeitsplätze mit zugehöriger Infrastruktur beinhaltet, es soll sich zusätzlich auch eine dauerhafte gemeinschaftliche Atmosphäre entwickeln und etwa Know-how ausgetauscht werden. Der Unternehmer geht von einer Idealbesetzung von acht Personen aus.

Ruhige Arbeitsatmosphäre

Gemäss seinen Angaben wird Wert auf Rücksichtnahme und respektvollen Umgang gelegt. Für Menschen die etwa aus beruflichen Gründen viel telefonieren müssen ist das Gemeinschaftsbüro weniger geeignet. Trotz Einrichtungselementen zur Schalldämpfung können Vieltelefonierer die übrigen Anwesenden bei ihrer Arbeit beeinträchtigen

Funktionelle Optimierung

Bis zur Betriebsaufnahme im Spätsommer wird das Lokal funktional angepasst. Konkret: Es werden stehende und hängende Panels angebracht, die die Raumakustik optimieren. Es wird auch eine kleine Teeküche mit Kaffeemaschine und Mikrowelle eingerichtet werden. 

Zum weiteren Angebot zählen auch ein eigenes Schliessfach sowie ein für alle nutzbarer Drucker. Im Weiteren ist im Untergeschoss ein Sitzungszimmer geplant. «Es soll multifunktional nutzbar sein, daher achten wir auf eine Einrichtung, die leicht für verschiedene Zwecke umgestaltet werden kann», sagt Montoya.

Keine Goldgrube

Zu seinen Motiven sagt der Familienvater im Gespräch mit hallowil: «Es geht mir nicht um das grosse Geschäft.» Um reich zu werden, müsste er weit mehr Arbeitsplätze vermieten können, fügt er schmunzelnd an. 

Er will vielmehr einen Beitrag zu Belebung der Altstadt leisten. Er hat für sich selber einen Popup-Arbeitsplatz in einem rückwärtigen Raum des ehemaligen Landegeschäfts eingerichtet. Doch im Ein-Mann-Betrieb fühlt er sich isoliert, daher möchte er die Räume mit Kolleginnen und Kollegen teilen.

Alternative zu Laden

Da die Liegenschaft seinen Schwiegereltern gehört, hat sich eine gute Gelegenheit für dieses Projekt in Zentrumslage ergeben. Seit der Auflösung des Finnshop wartet das Lokal seit Monaten auf einen Mieter. «Es ist schwierig, in diesen Zeiten jemanden zu finden», sagt Montoya. So wurde die Idee zum Kommuna-Projekt geboren.

Post inside
Die leichte Erreichbarkeit dank Zentrumslage sieht Kommuna-Gründer David Montoya als einen der grossen Pluspunkte. 

Ein Vorbehalt besteht bei der Realisierung: Falls das Lokal unverhofft anderweitig vermietet werden können, würde das Büroprojekt zurückgestellt.