Hohe Wellen hätten die Berichterstattungen über die Erhöhung der Strompreise geschlagen, wird der Gemeindepräsident Peter Zuberbühler im aktuellen Mitteilungsblatt zitiert. Der Strompreis für einen durchschnittlichen Haushalt verdreifacht sich, was einer effektiven Zunahme von rund 211 Prozent entspricht. «Wir verstehen den Unmut über die markante Strompreiserhöhung und bedauern diese zutiefst.» Im aktuellen Mitteilungsblatt werden deshalb die häufigsten Fragen der Bevölkerung aufgegriffen. Nachfolgend ein Auszug davon, beantwortet von Gemeindepräsident Peter Zuberbühler.

«Haben der Gemeinderat und die beratenden Fachleute die allgemeine Lage unterschätzt?»

Aus heutiger Sicht und mit heutigem Wissen würden wir vermutlich anders handeln. Dass die geltenden, sehr attraktiven Stromlieferverträge zum Jahresende 2022 auslaufen, ist eine Tatsache. Somit mussten wir im Sinne der Versorgungssicherheit, in diesen turbulenten Zeiten, neue Lieferverträge zu deutlich schlechteren Konditionen eingehen.

«Weshalb sind wir in Niederhelfenschwil für 2023 stärker betroffen als andere Gemeinden?»

Die Strompreiserhöhung für den Endverbraucher kommt ausschliesslich durch die deutlich höheren Einstandspreise vom Strom durch die Produzenten und den erhöhten Gebühren für die Netznutzung durch den Bund zu Stande. Die Gemeindeabgaben verändern sich nicht. Weiter «verdient» die Gemeinde am hohen Strompreis explizit nicht mit ― es gibt auf den Energiepreisen keine Marge für unser EWN. Niederhelfenschwil hatte in den vergangenen Jahren sehr günstige Strompreise. Die Versorgung in der Gemeinde zählte zu den attraktiveren im Kanton St.Gallen. Diese Position wollten wir auch im Jahr 2023 erreichen. Wir verfolgten die Preisentwicklung bereits im Jahr 2021 genau. Da wir die Einkaufspreise als zu hoch einstuften, verzichteten wir auf einen frühzeitigen Kauf. Mit dem unerwarteten Ausbruch des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 und der sich abzeichnenden Strommangellage explodierten die Preise sprichwörtlich. Eine Entspannung der Beschaffungssituation zeichnete sich im Frühjahr 2022 nicht ab. Schlussendlich mussten wir im Sinne der Versorgungssicherheit dennoch Strom beschaffen. Unglücklicherweise wurden per 2023 auch die externen Netzkosten sowie die gesetzlichen Abgaben erhöht, die wir nicht beeinflussen können. Viele andere Gemeinden in der Schweiz hat es weniger stark getroffen. Entweder haben sie sich mit einem Teil der Energie für das Jahr 2023 vor der Preisexplosion eingedeckt oder ihre Verträge aus der Vergangenheit gelten noch. Allenfalls besitzen sie sogar eigene Produktionsanlagen, die günstiger Energie produzieren können.

«Weshalb hat Niederhelfenschwil nicht rechtzeitig ― vor der Preisexplosion ― Strom gekauft?»

Im Nachhinein wissen wir, es wäre vorteilhafter gewesen, wenn wir bereits im Jahr 2021 für mehrere Jahre Strom beschafft hätten. Da der Strompreis bereits damals drei- bis vierfach höher war wie bisher, gingen wir und unsere beratenden Fachleute davon aus, dass sich der überhitzte Markt in absehbarer Zeit, spätestens im Sommer 2022, wieder beruhigen wird. Aufgrund der bekannten Faktoren und der Warnmeldungen des Bundes betreffend einer möglichen Strommangellage hat sich der Markt aber weiter erhitzt anstelle beruhigt.

Unser zweijähriger Stromliefervertrag läuft per Ende 2022 aus – somit war ein Kauf unverzichtbar. Wir wollten es angesichts der drohenden Strommangellage nicht riskieren, für unsere Kunden «keinen Strom» zu beschaffen. Weiter wollten wir uns 2023 auch nicht portionenweise dem hochspekulativen Tagesmarkt aussetzen. Die Gemeinde Niederhelfenschwil hat die mengenmässige Beschaffung zu 100 Prozent abgeschlossen und ist so für die angeschlossenen Haushaltungen und Betriebe vertraglich abgesichert.

«Wie geht es nun mit dem Strom weiter?»

Für 2023 haben wir die üblichen Strommengen eingekauft. Diese sind vertraglich zugesichert und werden, sofern keine weiteren Marktstörungen auftreten, geliefert werden. Für das Jahr 2024 wurde bereits eine Teilmenge von ca. 25 Prozent eingekauft ― dies zu deutlich tieferen Preisen als diese derzeit bezahlt wer- den müssen. Gleiches gilt für das Jahr 2025. Auch hier haben wir bereits eine Teilmenge von ca. 20 Prozent beschafft.

«Wie will Niederhelfenschwil Haushalte und Wirtschaft entlasten?»

Wir sind bestrebt, sowohl die Haushalte als auch die Unternehmen mit einer «Abfederung» zu entlasten. Zu diesem Zweck hat der Gemeinderat eine «Arbeitsgruppe Energie» eingesetzt, die entsprechende Massnahmen prüft. Dazu gehört auch eine Härtefallregelung. Der Gemeinderat wird über diese beraten und beschliessen. Bund und Kanton werden unter Umständen auch Massnahmen ergreifen. Bis zum 31. Dezember 2022 gelten nach wie vor die bisherigen Strompreise. Bis zum Informationsanlass vom 27. Oktober 2022 werden wir in der Lage sein, konkrete Aussagen zu machen.

«Was tut die Gemeinde 2023, um Strom zu sparen?»

Auch zu diesem Sachverhalt gibt es eine kleine Arbeitsgruppe. Massnahmen könnten sein, die Beleuchtung im öffentlichen Raum teilweise abzuschalten, Raumtemperaturen anzupassen, Stromfresser zu identifizieren und zu ersetzen. Die verschiedenen Massnahmen werden geprüft, aufbereitet und zur Beschlussfassung dem Gemeinderat unterbreitet.