Anfang August, im Rahmen eines Sondlertreffs ist Daniela Wiesli südlich von Wilen unterwegs und sucht mit Metalldetektoren den Boden ab.(Wikipedia: Der Sondengänger ist eine Person, die mit einem Metalldetektor gezielt nach Gegenständen im Boden sucht. Dieser Vorgang wird im Fachjargon unter Sondengängern als sondeln bezeichnet.)

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Vorderseite des keltischen Quinars
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Rückseite des keltischen Quinars

23 kg Alt- oder Abfallmetall, davon sind über 2 kg historische Fundstücke
Nicht jedermann darf selbständig mit Metalldetektoren in der Weltgeschichte umhersuchen. Es braucht dazu nebst einer Bewilligung vom Amt für Archäologie auch die Erlaubnis vom jeweiligen Grundstückbesitzer. Daniela Wiesli als Projektleiterin hat genügend Kontakte zu diesen Sondengängern. In ca 20 – 30 cm Tiefe werden Metallgegenstände von den Detektoren erkannt.

Der grösste Anteil der gefundenen Sachen sind Patronenhülsen, Knöpfe, Hufeisen, Werkzeuge, Schnallen, Musketenkugeln und dergleichen. All diese Teile sind aus verschiedenen Jahrhunderten und zum Teil über 2000 Jahre alt. Es wird daher vermutet, dass sich Militärtruppen während mehreren Jahrhunderten in diesem Gebiet aufgehalten haben.

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Daniela Wiesli begutachtet die Fundstücke.

Waren Römer und Kelten im Hinterthurgau angesiedelt?
Die spektakulärsten Funde der letzten Tage sind eine römische Münze, ein Silber-Denar, der ca 1800 Jahre alt ist. Weiter wurde eine keltische Münze gefunden, die aus der Zeit vor Christus stammt, und dies ist eine kleine Sensation. Etwas ganz Spezielles ist ein geflügelter Skarabäus. Er ist aus Bronze, und war für die Agypter eine grosse Bedeutung. Dieser Fund gibt Rätsel auf: waren Ägypter in unserer Gegend? Oder ist das Fundstück mit seinen «modernen» Mustern eher neueren Datums? Diese und andere Fragen werden beim Amt für Archäologie nun untersucht und hoffentlich Antworten ergeben.

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Der geflügelte Skarabäus gibt Rätsel auf.

Der Vogelhärd – ein keltisches Grab?
In Anbetracht des Fundes der keltischen Münze besteht die vage Vermutung, dass der Vogelhärd mit seiner speziellen Form auch ein keltisches Grab sein könnte. Aber das ist vorläufig nur ein Gerücht. Macht es aber in dem speziellen Fall interessant für all jene, die auf dem Vogelhärd einst das Skifahren erlernt hatten oder mit ihren Schlitten heruntergesaust sind. Nicht viele können von sich behaupten, auf einem historischen Hügel Wintersport betrieben zu haben, ausser eben Wilener und Rickenbacher.
Laut Daniela Wiesli sind auch der Hummelberg und Busswil/Littenheid mit dem Egelsee sehr interessante Gebiete für weitere Untersuchungen. Fanden sich doch unter den Metallstücken auch «Netzsenker» welche darauf hindeuten können, dass das Riedgebiet zwischen Wilen und Littenheid vielleicht wirklich einmal ein See war und Fischer dort ihr Einkommen fanden.

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Die Sondler während ihrer Suchaktionen.

Fortzsetzung folgt...
In den nächsten Tagen werden die Fundstücke dem Amt für Achäologie übergeben. Daniela Wiesli ist gelernte Übersetzerin, besuchte eine Weiterbildung in Geschichte und hat Unterwasserarchäologie abgeschlossen. Sie sagt selber sie sei keine Fachfrau auf dem Gebiet der Archäologie aber mittlerweile könne sie auf viele Fachleute zurückgreifen, die ihre Arbeit mit viel Wissen unterstützen. Mit ihren ehrenamtlichen Helfern wird sie in naher Zukunft weiter die Umgebung von Wilen erkunden und unseren Lesern vielleicht weitere spektakuläre Funde präsentieren.