Frau Rüdiger, Sie engagieren sich als Leiterin der Regiogruppen Deutschschweiz in der Organisation Verfassungsfreunde, wie kam es dazu?

Seit dem Frühjahr 2020 versuchte ich mir ein umfassendes Bild über die Geschehnisse rund um das Corona-Virus zu verschaffen und bin bei diesen Recherchen auch auf die «Freunde der Verfassung» gestossen. Die politische Stossrichtung dieses Vereins hat mir sofort sehr zugesagt, und so habe ich mich als Mitglied angemeldet. Seit dem Sommer 2020 bin ich nun pensioniert und frei, mir meine Zeit einzuteilen. Ich bot den «Verfassungsfreunden» meine Hilfe an und wurde mit der Aufgabe betraut, Regiogruppen zu gründen, weil der Verein sehr grossen Zulauf hatte. Inzwischen haben wir nur in der Deutschschweiz bereits 72 solche Gruppen.

Welches sind Ihre Anliegen bzw. Befürchtungen?

Mein primäres Anliegen ist ein offener Diskurs. Ich möchte, dass über alle Fragen – in medizinischer, politischer, gesellschaftlicher und psychologischer Hinsicht – breit diskutiert werden kann. Was wir aber stattdessen in unserer Gesellschaft erleben, ist die Ausgrenzung Andersdenkender. Menschen, die zögern, sich eine Spritze verabreichen zu lassen, weil der Impfstoff nicht gründlich erforscht ist, werden als unsolidarisch diffamiert. Wenn man Fragen zu den doch recht drakonischen Massnahmen stellt und sich ihnen nicht einfach unterwirft, ist man schnell mal ein Verschwörungstheoretiker. Solche Ausgrenzungspraktiken sind einer Demokratie unwürdig.

Was motiviert Sie für Ihren Einsatz?

Ich möchte, dass die Verfassung wieder eingehalten wird. Im Moment werden sehr viele wichtige Grundsätze missachtet. Ich denke da an die Versammlungsfreiheit, die Meinungsfreiheit, das Recht auf körperliche Unversehrtheit, um nur einige Artikel zu nennen. Das alles erfolgt im Namen des Gesundheitsschutzes, aber aus meiner Sicht bleiben der Bundesrat, das BAG und die Taskforce Erklärungen dafür schuldig, dass all diese Massnahmen auch evidenzbasiert sind. Der Bundesrat müsste eigentlich wissen, dass asymptomatische Ansteckungen nachweislich nicht möglich sind und damit der Maskenzwang bei gesunden Menschen obsolet ist. Auch Lockdowns sind zur Eindämmung einer Pandemie unwirksam, wie Vergleichsstudien zwischen verschiedenen Ländern gezeigt haben.

Gibt es weitere Gründe?

Die erschreckenden Begleitumstände der schwerwiegenden Massnahmen wie zunehmende Suizidraten bei Jugendlichen und Kindern, überlaufende Psychiatriestationen, Gastronomen, die ihr Lebenswerk zerstört sehen, Künstler, die vergeblich auf «Hilfsgelder» des Bundes warten und nicht arbeiten dürfen, alte Menschen, die vor Einsamkeit verzweifeln, weil sie ihre Kinder und Enkel nicht empfangen dürfen, all dies wird kaum thematisiert, ja, einfach billigend in Kauf genommen.

Die Verfassungsfreunde setzen sich auch für eine Verhinderung einer Covid-Impfpflicht ein. Von den Behörden hiess es bisher, diese stehe nicht im Raum, sind Sie skeptisch gegenüber diesen Aussagen?

Ich bin keine Impfgegnerin. Das möchte ich betonen. Impfen halte ich für eine Errungenschaft der modernen Medizin. Ich bin gegen tödliche Krankheiten und solche, die schwere irreparable Schäden verursachen, geimpft. Ich respektiere aber jeden, der sich lieber auf sein Immunsystem verlässt. Dies vorab grundsätzlich zur Impfung. Die Covid-Impfung, die nun vom Bundesrat sehr stark forciert wird, ist allerdings noch sehr wenig erforscht. Wir wissen nicht, wie sie sich in 5 – 10 Jahren auf den Organismus auswirkt. Zudem soll sie eingesetzt werden gegen eine Krankheit, die 99.75 % aller Infizierten überleben, so eine neue Studie von John Joannidis, Professor an der Stanford-University, aus dem März dieses Jahres. Ferner ist jetzt schon klar, dass man nach der Impfung nicht immun ist, also weiter Masken tragen und Abstand halten muss. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass manche Menschen noch warten möchten mit dieser Impfung. Gleichzeitig wird nun immer häufiger verlautbart, dass geimpften Menschen eine gewisse Rückkehr zur Normalität gewährt werden soll; sie sollen in Konzerte gehen dürfen beispielsweise oder nicht in Quarantäne gehen müssen. Ungeimpften sollen die Lockerungen verwehrt bleiben. Das halte ich für einen indirekten Impfzwang.

Wie zufrieden oder unzufrieden sind Sie mit der Arbeit des Bundesrates und der Kantonsregierung bei der Bewältigung der Pandemie? 

Vieles von dem, was ich oben ausgeführt habe, zeigt, dass ich mit der Arbeit des Bundesrates sehr unzufrieden bin, ja, dass ich sein Vorgehen als Totalversagen bezeichnen würde. Ich bin eine mündige, vollsinnige Bürgerin und möchte eigenverantwortlich für meine Gesundheit einstehen können. Der Bundesrat bevormundet die Menschen allerdings, fährt mit seinen Erklärungen einen Zickzackkurs, dass man nur noch den Kopf schütteln kann. Auf Kantonsebene erleben wir Demonstrationsverbote, die zum Teil mit brachialen Polizeieinsätzen durchgesetzt werden. Die Bilder von den Tränengaseinsätzen gegen Trychler vor dem Tell-Denkmal in Altdorf gehen mir nicht mehr aus dem Kopf. Passiert so etwas in Weissrussland, wird es hierzulande angeprangert. Diese Doppelmoral stört mich sehr. Ferner gibt der Bundesrat mit vollen Händen unser Geld aus und bürdet damit den nachfolgenden Generationen eine Schuldenlast auf, die jahrzehntelang nicht abgetragen werden kann. Unsere Kantonsregierung in St. Gallen steht da allerdings wesentlich vernünftiger in der Krise. So wehrt sie die unsinnigen Massenspucktests in den Schulen bis jetzt erfolgreich ab.