Normalerweise findet die HV des Frauenvereins Uzwil im ersten Quartal des Jahres statt. Doch dies war wegen der Corona-Einschränkungen auch dieses Jahr nicht möglich. Eigentlich war ein Seniorennachmittag mit dem Seniorenorchester St. Gallen geplant gewesen. Die Kirchgemeinde hätte auch die Kosten dafür übernommen. Doch auch hier: abgesagter Nachmittag. Da der Frauenverein gerade einen grösseren Betrag des verstorbenen Mitglieds Rösli Brunner erhalten hatte, reifte die Idee, damit den Vereinsmitgliedern eine besondere Freude zu bieten.

Eindrückliche Zahlen

Ein Frauenverein wirkt oft eher im Stillen. Der Gesellschaft würde allerdings viel fehlen, wenn es keine solchen Vereine gäbe. Das ist auch in der Gemeinde Uzwil nicht anders. Willkommen sind Frauen aller Konfessionen. Verschiedene Frauen – aus dem Vorstand, aber auch aus der Mitte des Vereins – haben im Advent 70 Frauen besucht. 22 Mal wurde Frauen über 80 Jahre mit einem Besuch überrascht, im Gesamten gar 89 Geburtstagsbesuche gemacht. Und es war immerhin möglich, zwei Apéros auszurichten. Doch nach dem Weltgebetstag anfangs März 2020 war Schluss, es mussten alle geplanten Anlässe abgesagt werden.

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All diese Anlässe konnten 2020 nicht angeboten werden. 

Seniorenorchester St. Gallen

Männer und Frauen zwischen 65 und 90 Jahren proben alle 14 Tage am Mittwochnachmittag im katholischen Pfarreisaal Bruggen SG. Sie alle wissen um die Strahlkraft der Musik, sind gewillt, zuhause zu üben und sich in ein Ensemble einzugeben, getreu dem Motto, welches auf der Homepage des Orchesters zu lesen ist: «Man hört nicht auf Musik zu machen, weil man älter wird, sondern man wird älter, wenn man aufhört Musik zu machen!»

Streicher-Ensemble

Wie alle Kulturschaffenden waren auch die Mitglieder des Seniorenorchesters von den Massnahmen direkt betroffen. Nach einer längeren Durststrecke wagten sich die Mitglieder aber wieder ans Proben, den Vorgaben entsprechend in kleineren Formationen. So bildeten sich zwei Unterorchester, ein Streich- und ein Blasorchester. Das Orchester hat mit Markus Schai aus Gais AR in seinen Reihen einen versierten Arrangeur, der die Partituren auf die Bedürfnisse und Besetzung der einzelnen Stimmen einrichtet und damit die Mitglieder zwar fordert, aber nicht überfordert. Schai dirigierte viele Jahre lang – von 1968–2010 – äusserst erfolgreich die dortige Dorfmusik, welche er zu einer tollen Brassband formte. Sein musikalisches Können hatte er im Militärspiel weiterentwickeln dürfen. 2010 erhielt er für sein unermüdliches Wirken den Gaiser Kulturpreis.

Hochkarätiger Dirigent

Das Seniorenorchester St. Gallen ist zwar ein Laienorchester, seine Ausdruckskraft und Emotionalität steht aber einem professionellen Orchester in nichts nach. Wäre es anders, hätte sich der aus Argentinien stammende Dirigent und Komponist Francisco Obieta bestimmt nicht als Dirigent einstellen lassen. Für sein Wirken hatte Obieta 2019 den mit Fr. 15‘000 Franken dotieren Anerkennungspreis der St. Galler Kulturstiftung bekommen. Sein Credo lautet: «Menschen bilden bedeutet nicht, ein Gefäss zu füllen, sondern ein Feuer zu entfachen.» Genauso ist es mit der Musik.

Der Dirigent hatte ein vielfarbiges Programm vorbereitet. Zu Beginn durften die Frauen die allererste von 104 Sinfonien von Franz Josef Haydn geniessen, welche laut Obieta als Übergang vom Barockstil hin zur Klassik angesehen wird. Bei Beethovens Counterdances klatschten die Frauen vor lauter Begeisterung bereits nach dem ersten Stück, was den Dirigenten zur humorvollen Aussage bewegte: «Es ist wie beim Essen, der Koch wird erst nach dem ganzen Menü gerühmt.» Der temperamentvolle Ungarische Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms riss die Frauen fast von den Stühlen. Mit dem schottischen Stück «The Bonnie Banks of Loch Lomond» – als Dudelsackstück sehr bekannt – wurden die Gemüter wieder etwas beruhigt, damit der Vorstand für die Traktandenliste auf Ruhe im Saal zählen konnte.

Geschäftlicher Teil

Marianne Pessina führte durch den geschäftlichen Teil. So kurz war die Abwicklung der Traktandenliste vermutlich noch nie wie diesmal. Was gab es denn auch über Anlässe zu berichten? Dennoch war der Vorstand nicht untätig gewesen, hat bereits wieder für das nächste Jahr sein Programm vorbereitet, aber auch versucht, immer wieder trotz Einschränkungen etwas Geplantes durchführen zu können. Vereinsmitglied Edith Höhener wurde für ihre mit viel Liebe gestrickten Finkli beklatscht, welche Familien nach einer Geburt bekommen, was immer sehr gut ankommt. Im vergangenen Jahr waren dies 27 Stück.

Aktuarin Jolanda Würth verlas die lange, lange Liste von verstorbenen Mitgliedern im vergangenen Vereinsjahr. Mit einer Schweigeminute wurden all diese Frauen noch einmal geehrt.

Auch die Kasse, mustergültig betreut von Doris Decurtins, gab zu keinen Diskussionen Anlass. Es gab einen kleinen Gewinn. Nicole Frick, Revisorin, hob die angenehme Zusammenarbeit hervor und bedankte sich beim Vorstand für die umsichtige Vereinsführung.

Vreni Frei, bekannt als langjährige «gute Seele» des Uzwiler Schulsekretariats, hat bereits dieses Jahr im Vorstand mitgewirkt. Mit grossen Applaus wurde sie offiziell in den Kreis der Vorstandsfrauen gewählt.

Verbleibende Angebote 2021

Am 16. September wird eine Führung durch das Naturmuseum St. Gallen durchgeführt werden. Auch ein Filmabend ist wieder geplant, der Titel aber noch unbekannt. Der beliebte Spaghettiplausch und der Frauen-Advent stehen noch auf dem Programm, ebenso ein «Kinderzmorge». Im von Käthi Immoos mit viel Liebe gestalteten Jahresprogramm oder auf der Homepage können die einzelnen Anlässe nachgelesen werden.

Bläsergruppe

Nach den Traktanden durften die Frauen nochmals einen musikalischen Hochgenuss erleben. Unter Leitung von Markus Schai spielte die kleine Formation speziell auf diese Besetzung passende Stücke. Die kleine Formation erlaubte es, die einzelnen Instrumente viel einfacher aus dem Ensemble herauszuhören. Er moderierte diesen Block auf humorvolle Weise. Franz Josef Haydn sei ein Lieblingskomponist des Orchesters, erfuhren die Frauen. Seine «Feldparthien» in C-Dur erinnerten an höfisches Leben draussen.

Johann Strauss Sohn schrieb 1862 eine «Demolirpolka» als eine Art «Protestsong» gegen den von Kaiser Franz Josef  dem Ersten verfügten Abriss der alten Stadtmauer. «Mackie Messer» aus der Dreigroschenoper und die Heirassa-Polka, letztere mit dem einen oder anderen absichtlich etwas schrägen Akzent versehen, begeisterten ebenfalls. Besonders bekannt war die Sechseläuten-Marsch-Melodie, welche aber ursprünglich als kriegerischer Marsch der freiwilligen Jäger 1813 – 1815 komponiert worden sei, wie Markus Schai ausführte. Am Schluss wurde stürmisch nach einer Zugabe verlangt, welche mit der bekannten Robert Stolz-Melodie «Adieu, mein kleiner Garde- Offizier» aus der Operette «Das Lied ist aus» gerne gewährt wurde.

Geselliges Beisammensein

Wie immer gab es nach dem Programmteil noch Zeit, sich an den Tischen auszutauschen, diesmal bei einer feinen, mit Käse gefüllten Brezel und einem Rouladenstück zu Tee oder Kaffee. Der Vorstand, verstärkt durch die im Hintergrund mitwirkenden Katharina Honegger und Prisca Haag, hatte den feinen Imbiss organisiert, die Tische hübsch dekoriert, nach dem Anlass alles wieder abgeräumt und abgewaschen und natürlich auch versorgt und damit den Frauen einen unvergesslichen Nachmittag geschenkt.