In der Stadtbibliothek Wil erfolgte am Dienstag der Auftakt zu den „IDA-Wochen“ (Interreligiöse Dialog- und Aktionswochen“). Die auf das Thema abgestimmte Ausstellung in der Stadtbibliothek in Form von Bildern und Skulpturen, aber auch einer aufgelegten Bücherreihe sollte auch auf die vielfältigen Veranstaltungen im Wiler Buchhaus hinweisen. Die Verantwortlichen von Stadt und Kanton, wie auch die Vertreter der Psychiatrie St. Gallen Nord gaben Hinweise, was es zu erreichen gilt, um Ausgrenzungen entgegen zu wirken.Das Thema der IDA-Wochen ist in der Öffentlichkeit eigentlich schon einige Tage präsent mit den von Patienten der Psychiatrie St.Gallen Nord hergestellten Türen, welche an verschiedenen Orten in der Stadt aufgestellt sind. Sie sollen das gewählte Thema „Drinnen oder draussen“, „integriert oder ausgegrenzt“ hinweisen. Musikschüler der Musikschule Wil sorgten für die Umrahmung des Startanlasses.

Türen aufmachen, zuschlagen, offene Türen einrennen...
Stadtpräsidentin Susanne Hartmann nahm in ihrer Eröffnungsrede das Thema der aufgestellten Türen in der Stadt auf. Türen seien im Alltag allgegenwärtig. Darüber gebe es auch eine Reihe von Redewendungen, welche dem gewählten Thema „Drinnen oder draussen“ nahe kämen. Eine Türe vor der Nase zuschlagen – Tür und Tor öffnen – ein Hintertürchen offen lassen usw. Dahinter stehe letztlich auch die Möglichkeit des Abgrenzens.

Verbinden oder abgrenzen, dieser Gegensätzlichkeit spüre auch die IDA-Woche nach. Angesprochen sei allerdings nicht allein die räumliche Frage, sondern das Drinnen oder draussen im gesellschaftlichen Aspekt, wann Menschen in einer sozialen Gruppe aufgenommen oder eben ausgeschlossen werden. Für das Zusammenleben in der Stadtgemeinschaft sei die Beantwortung solcher Fragen wichtig. Von den 23'500 Bewohnern der Stadt Wil seien gut 17'200 Schweizer, alle anderen kämen aus verschiedensten Ländern. Mit den 40 bis 50 anwesenden Nationen decke die Stadt rund einen Fünftel der weltweiten Nationen ab.

Eigenarten, die Verbinden und auch trennen
Die Stadtpräsidentin anerkannte, dass die vielen verschiedenen Kulturen, Religionen, Nationalitäten in der Stadt zwar verbinden, aber gleichzeitig auch trennen. Die Frage stelle sich, wie wir als Angehörige einer anderen Gruppe diesen unterschiedlichen Gruppen begegnen. Es können kühle Ablehnung, oft auch Angst, fremd und ungewohnt dahinter stehen, dass wir im Extremfall mit Desinteresse und Ignoranz diese Gegenüber gar nicht wahrnehmen wollen.

Für eine gutes Zusammenleben in einer Stadt könne das keine Lösung sein. Es müsse zu offenen transparenten Austausch und Begegnungen kommen. Die IDA-Woche wolle Denkanstösse liefern, um die oftmals nicht einfache Situation dieses Gruppendenkens zu überwinden und Türen aufzubrechen.

Auftakt zur kantonalen Interreligiösen Dialog und Aktionswoche (IDA)
Unter den Gästen befand sich auch Marlen Rutz, Projektleiterin im Kompetenzzentrum Integration und Gleichstellung im Departement des Kantons St. Gallen. In ihren Worten erinnerte sie an die erfreuliche Situation anlässlich der Eröffnung der Wiler Moschee, wo rund 500 Personen die St. Galler Erklärung unterzeichnet hätten. Dies zeige die grossartige Offenheit der Wiler Bevölkerung.

Die IDA-Woche werde nun bereits seit 12 Jahren kantonsweit durchgeführt, alle zwei Jahre mit 20 bis 30 unterschiedlichen Veranstaltungen. Mit dem Wiler Thema „Ein- und Ausschluss“ werde direkt die St. Galler Erklärung für das Zusammenleben der Religionen und deren Austausch angesprochen. Die Forderung nach Offenheit gehe in der St. Galler Erklärung über die Einzelperson hinaus und richte sich auch an Institutionen, religiöse und säkulare, Gemeinschaften, Vereine.

Felix Baumgartner, Integrationsbeauftragter der Stadt Wil betonte, dass die Aktionen der Stärkung des Zusammenhalts gelten, dem Erleichtern der Frage, wann wir dazu gehören. Es seien beispielsweise gerade die Religionen, welche Schwache stark machen. Religionen seien wichtig im gelungenen Zusammenleben.

Büchertische laden ein
Barbara Sager, Co-Leiterin der Stadtbibliothek, wies auf die aufgelegte Bücherreihe hin, welche spezifisch auf das Thema eingehen. Auch eine Reihe Bilder und Skulpturen sprechen die Thematik an. Von der Stadtbibliothek könne sie sagen, dass hier immer offene Türen herrschten. Hier sei nicht nur ein Bücherort, sondern auch Ort für Veranstaltungen. Im Wissen, dass jede 6. Person Mühe habe mit Lesen, sei ihre aktive Leseförderung wichtig.

Berndt Vogel und Rose Ehemann von der Psychiatrie St.Gallen Nord wiesen auf die Entstehung der Idee von Türen hin. Sie seien täglich im Kontakt mit Menschen mit Problemen. Mit der Gestaltung von Türen könne deutlich werden, dass diese Menschen durch verschiedene Türen gehen müssen, teils dürfen. Die Türen, aktuell in der Stadt aufgestellt, seien in ihren Ateliers entstanden und werden später im Naturpark der Klinik ihren definitiven Standort erhalten.

Anschliessend waren die Besucher zum Rundgang in der Ausstellung der Bibliothek eingeladen. Die Schülerin und die Schüler der Musikschule sorgten für musikalische Ergänzung zum Angebotenen Apéro-Imbiss.

Das IDA-Programm
Interreligiöse Dialog- und Aktionswoche 2017 «nichts ist drinnen - nichts ist draussen». Eine Veranstaltungsreihe zu gesellschaftlichen Ein- und Ausschliessungsprozessen

22. Aug. bis 9. Sept. – Ausstellung in der Stadtbibliothek Wil zu den Themen: «Muss Integration nützlich sein?», «Umgang mit Armut», Bilder von Künstlerinnen und Künstlern aus dem «Living Museum» zu Ein- und Ausschluss.

Mittwoch, 30. August, 20.00 Uhr – Begleitabend in der Stadtbibliothek Wil: «Wenn man vor dem Abgrund steht, dann ist der Rückschritt ein Fortschritt.» Ein Erfahrungsbericht über Geschäfte in Algerien, soziale Mobilität und Burnout. Ein persönliches Gespräch, musikalisch umrahmt von der Living Session Band.

Donnerstag, 7. Sept., 20.00 Uhr - Begleitabend im katholischen Pfarreizentrum Wil: Armut. Wir reden darüber. Der Film von Fabian Kaiser und Luca Ribler zur Sozialhilfe mit dem sperrigen Titel: «Redemer drüber: Sozialhilfebezüger können nicht River-Raften» steht im Zentrum dieses Abends. Es diskutieren: Marianne Albrecht-Fisch, Sozialarbeiterin, Wil; Robin Bannwart, Soziale Dienste, Wil; Fabian Kaiser, Regisseur, St. Gallen; Albert Baumgartner, Pro Senectute Stadt St. Gallen.

20. Okt. «Weg der Religionen»: Gemeinsamer Weg und interreligiöses Gebet beginnend um 19.00 in der katholischen St. Peter Kirche, 19.30 evangelische Kreuzkirche, 20.00 Moschee an der Rosenstrasse, anschliessend Apéro in der Moschee.

Veranstalter: Fachstelle Integration der Stadt Wil, Katholische Pfarr- und Kirchgemeinde Wil, Evangelische Kirchgemeinde Wil, Islamische Gemeinschaft Wil