In der Schule wird das Schreiben von Hand zwar noch gelernt. Aber die Bedeutung ist am Schwinden. In vielen Berufen hat es dem digitalen Schreiben Platz gemacht. Selbst im Schulunterricht wird immer häufiger auf der Tastatur eines PCs, eines Tablets oder eines Smartphones getippt. Analoge Schreibgeräte dokumentieren eine zu Ende gehende Epoche der Kulturgeschichte, selbst wenn sie nur wenige Jahrzehnte alt sind.

Verkaufsgeschäfte mit verschiedenen Angeboten sind in den vergangenen Jahren verschwunden. Mit der Pensionierung des Inhabers Hanspeter Schaffner hat Uzwil auch seine Papeterie verloren. Während Jahrzehnten hatte Schaffner sie geführt, gleichzeitig aber auch historische Schreibgeräte gesammelt. Statt die Sammlung zu veräussern, hat er wesentliche Teile davon der Gemeinde übergeben. Verwaltungsleiter Thomas Stricker, Kurator der wertvollen Sammlungen im Archiv der Gemeinde, ist bestrebt, auch die Öffentlichkeit in den Genuss der «Schätze im Keller» kommen zu lassen. Museale Schreibgeräte sind in den nächsten Wochen in der Gemeindebibliothek an der Bahnhofstrasse 83a in Uzwil in zwei Schaukästen in den Schaufenstern und sechs Vitrinen im Innern der Bibliothek zu sehen.


Mit Leidenschaft und Herzblut

Gemeindepräsident Lucas Keel charakterisierte an der Vernissage den anwesenden Hanspeter Schaffner als markante Figur mit Ecken und Kanten. Aber auch als sehr interessierten und informierten Bürger, den seine Tätigkeit als Papeterist auch zum leidenschaftlichen Sammler von Geräten aus dem beruflichen Umfeld gemacht habe. Nach der Geschäftsaufgabe habe er sich mit dem Gedanken getragen, das mit Herzblut Zusammengetragene zu veräussern. Schliesslich aber habe er sich überzeugen lassen, dass die Sammlung als Ganzes zusammenbleiben müsse. Die Gemeinde habe ihm ein Angebot gemacht und dafür den wesentlichen Teil der Sammlung bekommen.


80 von 1100 Objekten

Der Historiker Mario Gähwiler, der die Inventarisierung der Sammlung vorgenommen hatte, zeigte an der Vernissage deren Bedeutung auf. Für die erste Ausstellung seien von den insgesamt 1100 Objekten 80 ausgewählt worden. Man sei darauf bedacht gewesen, damit einen möglichst grossen Bereich der Geschichte des Schreibens abzudecken. Gezeigt werden Schreibtischobjekte, Bleistifte, Farbstifte inklusive Verpackungen und Werbeplakate, Radiergummis, Spitzmaschinen und Gerätschaften für das technische Zeichnen.

Der historische Wert der Sammlung liegt nach Mario Gähwiler einerseits in ihrer Vollständigkeit und im Gemeindebezug. Ausserdem liessen sich an ihr die Veränderungen beim Schreiben nachvollziehen. In den Plakaten und Verpackungen transportiere sie den jeweiligen Zeitgeist. Schliesslich würden die meisten Betrachter vom Gezeigten an eigene Erfahrungen und Erlebnisse erinnert.