Der Blues hat ein ganz eigenes Gefühlsleben. Sein Rhythmus ist oft schleppend, wie wenn der Sänger oder Instrumentalist einen schweren Baumwollsack nachziehen müsste. Schliesslich hat diese Musikrichtung ihren Ursprung auch in den Baumwollfeldern im Süden der Vereinigten Staaten, handelt von den „Underdogs“, den weniger Privilegierten. Nicht umsonst haben die meisten Titel auch einen persönlichen Bezug. „My Dog and Me“ oder „I Fall So Easy“ oder auch „Every Day I Have The Blues“ erzählen vom Leben des Songschreibers. Auch wer kein Englisch versteht, kann sich in die Gefühlslage eines Stücks versetzen. Die Musik wechselt oft von tranceartigem, langsamem Grundrhythmus, um plötzlich in stampfende, wilde Tonkaskaden auszubrechen – genau so, wie der Lebensrhythmus oft ist. Grosse Trauer wechselt mit überschäumender Lebensfreude ab, eine ewige Pendelbewegung.

Philipp Fankhauser

Schon früh lernt der Berner Philipp Fankhauser Gitarre spielen. 1983 hört er am Jazz Festival Montreux zum ersten Mal einen Bluessong, dargeboten von Johnny Copeland. Von da an ist er dieser Musikrichtung verfallen, sie hat seinen Lebensnerv getroffen. Die Begegnung mit der schwarzen Blues-Sängerin Margie Evans „veränderte sein Leben über Nacht“, wie es in seiner Vita heisst. Er lebt jahrelang in den USA, erst in Harlem, New York, später an der Westküste und musiziert dort mit Musikgrössen als Gastsänger. 


1999 kehrte er in die Schweiz zurück, trat aber auch immer wieder in den USA auf. Seine unzähligen Auszeichnungen sprengen den Rahmen dieses Artikels. Immer wieder spielte er Musikalben ein, die meisten mit dem amerikanischen Produzenten Dennis Walker. Unterdessen sind es 14. In der Schweiz kennt man ihn auch als kundigen Juror und Coach bei „The Voice of Switzerland“ 2013/2014. Fankhausers Musik ist eine einzige Erzählung seines eigenen Lebens, eine Art musikalische Memoiren. Man spürt daraus Selbstzweifel, Trauer, aber auch eine tiefe Liebe zum Leben als solches heraus. 

Seine Mitmusiker

Fankhauser ist berühmt für seine Band. In Oberuzwil waren es „nur“ vier Männer, die seinen Gesang und sein virtuoses Gitarrenspiel verstärkten. Der Titel des Oberuzwiler Konzerts hiess „I’ll Be Arround – Unplugged“. Dennoch waren alle Instrumente elektrisch verstärkt, aber natürlich jeder Ton live gespielt. Im hinteren Teil der Gerbi-Halle stand denn auch ein riesiges Mischpult, dort wachte Beat Leu über die Klangverteilung im Raum. Nörbs Locher richtete vor dem Konzert alle Gitarren spielbereit ein und entstöpselte und polierte sie am Ende wieder. Er ist Fankhausers „Stage Manager“ und unverzichtbar. 

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So ein zuverlässiger Mann wie Nörbs Locher ist für einen Bandleader Gold wert, weiss er doch, dass alle Instrumente absolut spielbereit sind.  

Am Keyboard tobte sich Arden Hart auf effektvolle Weise aus. Marco Jencarelli zupfte die Gitarre, Richard Spooner bediente einfühlsam die Schlagwerke. Den Bass spielte ein blonder junger Mann namens Andy Tolman, anstelle des auf dem Programm erwähnten langjährige Bassisten Angus Thomas. Das Zusammenspiel begeisterte, Fankhauser brachte seine Kollegen – und natürlich das Publikum – immer wieder zum Lachen. Man spürte bei jedem Ton: Ihnen machte Musizieren – und das Geplauder ihres „Chefs“ - Spass, was sich auch auf die Zuhörerschaft übertrug.


Atmosphäre

Man spürte es im Gerbi-Saal sofort: Da waren viele eingefleischte Fans dabei, die manchen Song bereits verinnerlicht hatten. Philipp Fankhauser hatte das Publikum denn auch bereits mit den ersten Gitarrenriffen und seinen launigen Zwischenbemerkungen im Sack. Bis dicht vor die Bühne standen die Männer und Frauen – ganz junge Leute sah man wenige. Die Menge wogte immer wieder sachte hin und her, fast wie ein reifendes Weizenfeld. Und so war es auch ein Leichtes für ihn, die „Ladies“ und „Gentlemen“ zu Yea-Ausrufen zu verführen, wenn ihm und seinem Blues danach war.

Bewährtes Konzept

Gleich an mehreren Bartischen konnten Getränke – angekündigt war „feine Wii“ – und kleine Brötchen erworben werden. Viele prosteten sich auch mit Bierflaschen zu. Die Alte Gerbi soll als Kulturlokal und Begegnungsort erhalten bleiben, dies der Wunsch des Stiftungsrates und vieler Besucher.