Einer der drei Schutzpatrone der Stadt Wil ist neben Agatha und Pankratius der Heilige Nikolaus von Myra. Seit den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts sorgt die von der damaligen Jungmannschaft gegründete St. Nikolaus-Gruppe Wil für die Pflege einer schönen Tradition. Die besondere Bedeutung des St. Nikolaus-Auszugs aus der Stadtkirche wird mit dem Geläute aller neun Glocken unterstrichen. In den Genuss des melodiösen Klangs, zu dem auch die ältesten Glocken unter dem kleinen Turm zum Einsatz kommen, gelangen die Wiler sonst nur am Jahresende und Jahresbeginn. Der Auszug findet jeweils an jenem Samstag statt, der dem 6. Dezember am nächsten liegt.

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Schon vor 15 Uhr füllte sich die Stadtkirche St. Nikolaus.


St. Nikolaus als Kinderfreund

Der starke Wind und einzelne Regengüsse trieben in diesem Jahr viele der wartenden Menschen ins Innere der Stadtkirche. Um 15.10 Uhr war es soweit: 14 St. Nikolause im roten Bischofsgewand und mit dem Bischofsstab in der Hand schritten in Begleitung ihrer Schmutzli würdevoll durch das Kirchenschiff. Draussen wurden sie von einer grossen Menschenmenge erwartet. Weil der St. Nikolaus ein Kinderfreund ist, brauchen die Kinder keine Angst zu haben. Auch wenn den kleinsten unter ihnen die Begegnung mit dem fremden Mann im langen weissen Bart nicht ganz geheuer war, wurden emsig Verslein und Sprüchlein aufgesagt, die mit einem feinen Biberli aus der Hand von Knecht Ruprecht im schwarzen Gewand belohnt wurden.

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Trotz kühler Temperaturen und starkem Wind herrschte vor der Stadtkirche ein grosses Gedränge.


Samichlaus geht in die Knie

„In meiner Kindheit fürchtete ich mich vor dem Samichlaus. Heute scheint das Verhältnis der Kinder zum St. Nikolaus entspannter zu sein. Früher gingen wir Kinder vor ihm in die Knie. Heute ist es umgekehrt“, zog ein älterer Herr einen Vergleich zu längst vergangenen Zeiten. Roman Dürr von der St. Nikolaus-Gruppe bestätigt, dass sich die Kinder, wie wir alle, in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben. Dürr zieht aber ein durchaus positives Fazit: „Der Focus wird in den von uns besuchten Familien heute wieder vermehrt auf den St. Nikolaus gerichtet. Das gemütliche Zusammensein steht im Vordergrund. Laufende Fernsehgeräte und Videokameras während unseren Besuchen sind selten geworden, was wir sehr zu schätzen wissen“.


230 Besuche

Die wichtigsten Tage für die Wiler St. Nikolaus-Gruppe sind der 6. bis 8. Dezember. Noch stehen bis Ende Woche einzelne Termine auf dem Programm. Rund 230 Besuche in Familien, Schulen und Vereinen absolvieren die 14 Paare, wobei sich der Aktionsradius bis in die Thurgauer Nachbargemeinden erstreckt. Nachwuchssorgen hat die St. Nikolaus-Gruppe keine. Diese besteht aus derzeit 38 Mitgliedern, die dafür sorgen, dass sie auch in Zukunft viele leuchtende Kinderaugen schaffen können. Ja, dieser Brauch lebt und wird gelebt!

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Für die  36 aktiven Mitglieder der St. Nikolaus-Gruppe und die Ehrenmitglieder beginnt der Anlass jeweils mit einem Apéro im Restaurant Falkenburg.