Es kam einiges zusammen beim 31-jährigen Italiener. Wiederholt in Geldnot, brach er an seinem Wohnort in Wil in verschiedene Kellerabteile ein, um so manches zu stehlen von Lebensmitteln über Hundespielzeug bis zu Skiern. Zudem ist er in eine Pizzeria unweit seines Wohnortes eingedrungen und hat Bargeld entwendet. Ferner konsumierte er Drogen und hatte auch Marihuanapflanzen daheim. Am schwersten wog aber jene Tat, welche er am Morgen des 11. August 2018 begangen hatte. Mit dem Velo fuhr er um 5 Uhr an den Bahnhof Wil, stellte dieses beim Avec zwischen die Schiebetür, bedrohte mit einem langen, spitzigen Gegenstand sowie aufgesetzter Sturmhaube die Verkäuferin und forderte Bargeld. Als ihm dieses ausgehängt worden war, flüchtete der Mann via Bahnhofunterführung Richtung Südquartier.

Am Dienstag musste sich der Wiederholungstäter, der 2014 in die Schweiz gekommen war, vor dem Kreisgericht Wil in Flawil verantworten. Viel hatte er dem Richter nicht zu sagen. Denn an das meiste wollte oder konnte er sich nicht mehr erinnern. «Ich war betrunken und hatte Drogen genommen. Ich weiss nicht mehr, was genau passiert ist», sagte er zur Tat im Avec. Immerhin hatte er sich im Vorfeld zu einem Geständnis durchringen können. Bis zu diesem hatte es allerdings ganze sechs Einvernahmen gebraucht.

Verkäuferin kann nicht mehr ruhig schlafen

Der Italiener, der von der Schweizer Sozialhilfe lebt, Drogen konsumierte, kaum integriert ist und vor Gericht wegen Nicht-Beherrschens der deutschen Sprache eine Dolmetscherin brauchte, verblüffte aber doch mit einer Aussage: «Ich bin froh, dass ich festgenommen worden bin. So konnte eine Reinigung in mir stattfinden.» Dies kann nun fortgesetzt werden. Denn der Richter sprach am Dienstag eine unbedingte Freiheitsstrafe von 28 Monaten aus. Will heissen, dass der Italiener auch die nächsten Monate hinter Gittern verbringen wird. Allein 20 Monate gab es für den Überfall im Avec in Wil. Zudem muss er die Schweiz für sechs Jahre verlassen. Dies war unbestritten, und der Angeklagte hatte diese von der Staatsanwaltschaft angedrohte Strafe nicht bekämpft. Nicht erhört wurde allerdings der Antrag des Verteidigers, gesamthaft eine teilbedingte Strafe von 20 Monaten auszusprechen.

Für die Verkäuferin im Avec ist seit dem Vorfall nichts mehr, wie es mal war. Sie hat Angst, fühlt sich nicht mehr sicher und kann nicht mehr ruhig schlafen. Zu einer Entschuldigung konnte sich der Italiener nicht durchringen, auch im letzten Wort nicht.

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So hat hallowil.ch am 12. August 2018 berichtet:

Es war ein Schock für die Kassierin, die am frühen Samstagmorgen Dienst hatte. Um 5.10 Uhr betrat ein unbekannter Mann mit verdecktem Gesicht den Shop. Mit einem Messer bewaffnet ging er zum Kassenbereich und forderte Bargeld. Die Verkäuferin musste die Kasse öffnen und der Mann nahm das Notengeld an sich. Schliesslich verliess der Täter den Shop mit mehreren hundert Franken Bargeld. Nach dem Überfall flüchtete der Mann via Bahnunterführung in Richtung Wiler Südquartier. Für die Fahndung stand die Kantonspolizei St. Gallen mit mehreren Patrouillen sowie einem Diensthund im Einsatz. Später wurde auch das Fahndungsfoto einer Überwachungskamera in der Bahnhofunterführung veröffentlicht. Trotz eines Zeugenaufrufes der Polizei konnte der Täter bis am frühen Sonntagabend noch nicht gefasst werden. Er ist somit weiter flüchtig.

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Dieser Mann hat den Avec am Bahnhof Wil überfallen und flüchtet hier Richtung Südquartier. Die Polizei sucht Zeugen. (Bild: pd)


Die Kantonspolizei St. Gallen sucht deshalb weiterhin Zeugen. Der Beschuldigte trug ein weisses Oberteil und Jeans. Er ist ca. 175 cm gross, schlank und hat einen Schnurrbart. Personen, die Angaben zum Täter oder dessen Fluchtweg machen können, werden gebeten, sich beim Polizeistützpunkt Oberbüren, 058 229 81 00, zu melden. (kapo/sdu)