Die Weichen für die Zukunft müsse man jetzt stellen, sagte Stadtpräsident Hans Mäder und leitete damit die Konferenz ein. Mit den Investitionen in die verschiedenen Projekte würde Raum geschaffen für «unser Wil der Zukunft», etwa für eine zukunftstaugliche und barrierefreie Mobilität. Der Bahnhof sei schliesslich die «Visitenkarte der Stadt», bekräftigte Ursula Egli, Stadträtin und Vorsteherin des Departements für Bau, Umwelt und Verkehr.

Ein Bahnhof verbindet seinen Ort im Grunde mit der ganzen Welt. Auch der Wiler Bahnhof tut das. Passagiere erreichen von hier viele Städte ohne Umsteigen, St. Gallen, Frauenfeld, Zürich oder Lausanne etwa. Auch der Flughafen Zürich liegt direkt an den Gleisen. Gerade diese Gleise aber zerschneiden die Stadt. Das sei eine Herausforderung, die angegangen werden wolle. So wurden am Morgen des 15. Februar verschiedene Teilprojekte vorgestellt, die alle auch unabhängig voneinander realisiert werden könnten.

«Mit allen Varianten leben können»

Dies sei wichtig, damit man auch dann weiter arbeiten könne, wenn ein Projekt abgelehnt würde. Denn: Noch seien die politischen Entscheide nicht gefällt. Wichtig sei, dass man mit allen Varianten und Entscheiden leben könne, so Hans Mäder. Was das Sicherheitsgefühl der Passagiere anginge, gäbe es eine langfristige und kurzfristige Perspektive, so der Stadtpräsident. Langfristig werde die Personensicherheit mitgedacht und mitgeplant, kurzfristig gäbe es keinen Handlungsbedarf, es gäbe derzeit keine entsprechenden Meldungen.

Eines der vorgestellten Projekte ist die Velo-Abstellanlage an der «unteren Bahnhofstrasse 1 - 11». Die bestehende Anlage auf dem Landhausareal mit Platz für 433 Velos und 21 Töfflis resp. Motorräder müsse abgebrochen werden, auf das Areal sollen Neubauten kommen. Als «Realersatz» ist eine Anlage geplant, die unterirdisch Platz für etwa 600 Velos sowie im Einfahrtsbereich für 21 Motorräder bieten soll. Geplant sei, das Baugesuch noch im März 2021 einzureichen und mit dem Rückbau der Bestandsbauten im vierten Quartal des Jahres zu beginnen.

Reaktivierung Posttunnel

Weiter wurde die Reaktivierung des stillgelegten Posttunnels präsentiert. Der Tunnel verbindet seit 1981 die Hauptpost mit den Gleisen, damit Briefe, Pakete & Co. einfach verladen werden konnten. Stadtplanerin Beatrice Aebi sagte, es sei ein Glück für Wil, dass ein solcher Tunnel existiere, andere Städte müssten ihn erst für viel Geld realisieren. Mit der Reaktivierung soll die sichere Fuss- und Veloverbindung im Stadtzentrum gewährleistet sein. Die SBB wird noch in diesem Jahr eigenständig verschiedene bauliche Massnahmen angehen, mit Baubeginn werde die Unterführung unter dem Avec für Velofahrer gesperrt. Man könne sein Velo natürlich noch «wie früher» durch die Unterführung schieben, versicherte Hans Mäder, aber fahren dürfe man vorerst nicht mehr.

«Einzige und wichtigste Verbindung»

Auch ein Neubau der Unterführung Hubstrasse wurde besprochen. Der Stadtrat schreibt dazu in seinem Antrag: «Die Unterführung Hubstrasse (Baujahr 1932) mit dem seitlichen Fussgängertunnel (Baujahr 1981) zwischen dem Ilgenkreisel und dem Kreisel Hubstrasse/Glärnischstrasse bildet die einzige und damit wichtigste Verkehrsverbindung vom Südquartier unter dem SBB-Gleiskörper hindurch ins übrige Gemeindegebiet auf Wiler Boden.» Diese Unterführung entspräche nicht mehr geltenden Normen und auch nicht den Ansprüchen an die Sicherheit der verschiedenen Verkehrsteilnehmer. So sei auch hier Handlungsbedarf angezeigt. Ferner wurde die Aufwertung und Neugestaltung des Bahnhofplatzes und seiner Nachbarschaft vorgestellt, so soll die Allee etwa eine zusätzliche, dritte Baumreihe erhalten.

Der drittgrösste im Kanton

Der Wiler Bahnhof ist gemessen an der Passagierfrequenz der drittgrösste Bahnhof im Kanton St. Gallen. 2018 zählte die SBB durchschnittlich 17‘800 Personen an einem Tag, gezählt wurde von Montag bis Sonntag. Mehr Passagiere frequentierten nur die Bahnhöfe St. Gallen (43‘000 Personen) und Rapperswil (21‘200 Personen).

Die Projekte sind Teil des «Agglomerationsprogramms 4. Generation» des Bundes und werden von Bund und Kanton mitfinanziert. Die Anträge und Berichte zu den Projekten sind auch auf der Website der Stadt Wil aufgeschaltet.