Pro Senectute kann sich auch hundertjährig nicht zur Ruhe setzen. Steigende Zahlen bei der Altersbetreuung fordern Mitarbeitende und Freiwillige in ihrem Einsatz. Als Anlaufstelle im Alter ist Pro Senectute zunehmend auch für die Beratung von Angehörigen und Gemeinden gefordert. Für den steigenden Ausbau der Angebote sucht Pro Senectute Wil schon länger grössere Räumlichkeiten.An der Medieninformation vom Montagmittag stellten Jean-Pierre Sutter, Präsident des Regionalkomitees, und Peter Baumgartner, Vorsitzender der Stellenleitung, am Standort Zürcherstrasse 1 in Wil den Jahresbericht 2017 der Pro Senectute Regionalstelle Wil & Toggenburg vor. Die Zahlen des letzten Jahres sprechen eine deutliche Sprache wie die Altersarbeit immer höhere Anforderungen stellt.

Endlich alt genug!
Im 2017 hat Pro Senectute das 100-Jahre Jubiläum gefeiert. Im Kanton St. Gallen stand das Jubiläum unter dem Motto „endlich alt genug“. Dies löste teilweise Erstaunen aus, ermöglichte gleichzeitig aber einen verheissungsvollen, positiv besetzten Zugang zum Thema Älterwerden und Alter.

Bei den Feierlichkeiten der Regionalstelle standen jene Menschen im Vordergrund, die im Rahmen eines „Sozialzeit-Engagements“ tätig sind. Bekanntlich baut die Pro Senectute in allen Bereichen auf Freiwillige, die ergänzend zum festangestellten Fachpersonal Aufgaben übernehmen und so ihre Fähigkeiten und Ressourcen einbringen können.

Die Dienstleistungen
Die Nachfrage nach den Angeboten der Pro Senectute Wil & Toggenburg ist ungebrochen, wie die Zahlen und Statistiken im Jahresbericht 2017 belegen.

Im Bereich „Hilfe und Betreuung“ wurden über 28‘000 Std. hauswirtschaftliche Leistungen (8,5% Steigerung im Vergleich zum Vorjahr) durch über 100 Haushelferinnen und Haushelfer geleistet. Auf Grundlage entsprechender Leistungsvereinbarungen organisieren die Fachmitarbeiterinnen diese Dienstleistungen seit Jahren in der Stadt Wil und der Gemeinde Uzwil; seit Herbst 2017 besteht auch eine Leistungsvereinbarung mit der Gemeinde Kirchberg. Diese beeindruckenden Zahlen sind eine Folge der sehr guten Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, wie Spitex-Dienste, Ärzte, Spital usw.

Im Bereich „Information und Beratung“ konnten die Sozialarbeitenden 766 Personen (9,4% Zunahme zum Vorjahr) und deren Angehörige beraten und bei deren Fragestellungen unterstützen. Die Anzahl der Dossiers ist im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen.

Auch die Angebote im Bereich „Begegnung und Austausch“ sind gefragt: es wurden 231 Kurse an den drei Standorten Wil, Wattwil und Uzwil mit 1‘570 Teilnehmenden durchgeführt. Es fanden zudem über 1‘000 Lektionen in Bewegungs- und Sportangeboten statt; dazu kamen noch unzählige regelmässige Treffen zu bestimmten Themen und besondere Angebote wie z.B. zu Sturzprävention.

Finanzen: Über 50% von Kunden beigesteuert
Die Jahresrechnung schliesst bei einem Umsatz von 2‘,668 Mio. Franken mit einem kleinen Überschuss von 2‘489 Franken ab. Über die Hälfte des Gesamtaufwands wird dabei von den Kundinnen und Kunden selber beigesteuert.

Die Beiträge des Bundes sind gleichbleibend, weshalb die Beiträge der Gemeinden von zunehmender Bedeutung sind: über entsprechende Leistungsvereinbarungen finanzieren diese einzelne Dienstleistungen mit und sind somit wichtige Partner für Pro Senectute Wil & Toggenburg.

Von grosser Bedeutung ist auch die Unterstützung unzähliger Spenderinnen und Spender: erneut brachten über 2000 Personen aus der Region mit grösseren oder kleineren Beiträgen ihre Solidarität mit Menschen im Alter zum Ausdruck.

Ausblick: Immer älter, gerne länger zu Hause
Die Herausforderungen im Altersbereich nehmen zu. Die demografische Entwicklung sowie die Zunahme von Erkrankungen wie Demenz usw. fordern Gemeinden und alle im Altersbereich tätigen Organisationen: in einzelnen Gemeinden ist der Anteil der AHV-Bevölkerung im Schnitt knapp 20%, im oberen Toggenburg schon heute bei 25% angelangt. Dies verlangt nach verstärkter Vernetzung, Zusammenarbeit und Kooperation mit Gemeinden und Partnerorganisationen, damit eine bezahlbare Grundversorgung auch in Zukunft gewährleistet werden kann.

Zahlen und Fakten
19 Gemeinden gehören zum Zuständigkeitsgebiet der Regionalstelle, mit über 104‘000 Einwohnerinnen und Einwohnern; von diesen sind erstmals über 20'000 Personen im AHV-Alter, genau 19,4%, Tendenz steigend! Je nach Gemeinde beträgt deren Anteil an der Bevölkerung zwischen 15,0% bis 25,9%.

3 Standorte: um möglichst nahe bei den Betroffenen zu sein, verfügt die Regionalstelle über Büro- und Kursräume in Wil, Uzwil und Wattwil.

48 Ortvertreterinnen sind in den Gemeinden bzw. Ortschaften für Pro Senectute Wil & Toggenburg tätig; diese haben 841 persönliche Kontakt- und Informationsbesuche bei älteren Menschen gemacht.

337 Personen waren 2017 im Rahmen eines Sozialzeitengagements für die Regionalstelle tätig, rund die Hälfte dieser Personen ist selber im AHV-Alter.

766 Dossiers (Einzelpersonen, Paare oder Familien) wurden in der Sozialberatung geführt; durchschnittlich wurde für deren Beratung 3,6 Stunden aufgewendet.

511 Steuererklärungen wurden mit Unterstützung von Pro Senectute-Mitarbeitenden für Rentnerinnen und Rentner ausgefüllt.

Fr. 76‘945.-- wurden auf Gesuch hin bedürftigen Rentnerinnen und –Rentnern im Rahmen von individuellen Leistungen für besondere Auslagen (Beiträge an neue Brille, Hörgerät, Umzüge etc.) aus dem AHV-Fond („Finanzhilfe“) ausgerichtet.

28‘400 Stunden wurden durch die über 100 Sozialzeitengagierte im Rahmen der „Hilfe und Betreuung zu Hause“ geleistet, vor allem in der Stadt Wil, der Gemeinde Uzwil und neu auch in der Gemeinde Kirchberg.

2 Männer: unter den 101 Sozialzeitengagierten, die in der „Hilfe und Betreuung“ tätig sind, sind auch zwei Männer. Auch sie übernehmen hauswirtschaftliche und betreuerische Aufgaben.

1‘570 Personen nutzten die 231 verschiedenen Kursangebote in Wil, Uzwil und Wattwil.

788 Personen nehmen regelmässig an einer sportlichen Betätigung teil z.B. Turnen, Wassergymnastik, Tanzen, Wandern etc.

Über 2‘000 Personen haben letztes Jahr die Regionalstelle mit einem grösseren oder kleineren Spendenbeitrag unterstützt.

Pro Senectute Wil & Toggenburg?
- Pro Senectute ist eine unabhängige Sozialorganisation und setzt sich für die Rechte, das Wohl und die Würde des Menschen im Alter ein.
- Pro Senectute Wil & Toggenburg ist eine der sechs Regionalstellen der kantonalen Stiftung und ist für die 19 Gemeinden der Regionen Wil, Uzwil und Toggenburg zuständig. Von den rund 104‘000 Einwohner und Einwohnerinnen sind über 20‘000 im AHV-Alter.
- Pro Senectute versteht sich als Anlaufstelle für Altersfragen. An den drei Standorten Wil, Wattwil und Uzwil berät sie Seniorinnen und Senioren, sowie deren Angehörige in allen Fragen rund um das Alter (Fachbereich „Information und Beratung“). Sie bietet umfassende Hilfe und Betreuung beim Wohnen zu Hause (Fachbereich „Hilfe und Betreuung“). Mit vielfältigen Kurs- und Gruppenangeboten aus den Bereichen Bildung, Sport und Unterhaltung, bietet sie eine Plattform für die Weiterbildung und für Begegnungen mit Gleichgesinnten (Fachbereich „Begegnung und Austausch“).

Wie finanziert Pro Senectute ihre Dienstleistungen?
- Pro Senectute finanziert sich mehrheitlich über Beiträge von Kundinnen und Kunden. Mit dem Bund und mit den Gemeinden bestehen Vereinbarungen, die bestimmte Leistungen der Pro Senectute mitfinanzieren.
- Spenden und Legate ermöglichen Pro Senectute die Tarife so zu gestalten, dass auch finan-ziell schwächere von den Dienstleistungen profitieren können.

Was kostet eine Beratung bei Pro Senectute?
- Beratungen sind unentgeltlich. Kosten fallen erst an, wenn aus der Beratung Dienstleistun-gen hervorgehen, wie z.B. beim Steuererklärungsdienst, beim Administrativen Dienst oder bei der Haushilfe.

Sozialzeitengagement bei Pro Senectute?
- Sozialzeit-Engagement ist eine Form von Freiwilligenarbeit.
- Pro Senectute legt hohen Wert auf die Mitwirkung der Zivilbevölkerung. Seniorinnen und Senioren verfügen über wertvolle Fertigkeiten und Erfahrungen, auf die unsere Gesellschaft angewiesen ist. Allen, die für das gemeinschaftliche Leben Mitverantwortung tragen wollen, stellt Pro Senectute attraktive Rollen und Aufgaben zur Verfügung und hilft, gute Rahmenbedingungen für soziale Einsätze zu schaffen.
- Als Sozialzeit-Engagierte können Interessierte in der Hilfe und Betreuung, beim Steuererklärungsdienst, in der Administrativen Hilfe, bei Senioren im Schulunterricht mitarbeiten, oder beispielsweise als Kursleiterin oder als Kursleiter ihr Wissen an andere weitergeben. Bei Pro Senectute Wil & Toggenburg sind über 300 Personen im Rahmen eines solchen En-gagements tätig.
- Das Sozialzeit-Engagement ist ehrenamtlich oder wird je nach die Tätigkeit in einem bescheidenen Rahmen entschädigt (überall dort, wo den Kundinnen und Kunden die Dienstleistungen in Rechnung gestellt werden). Sozialzeit-Engagement eignet sich nicht als Haupt- oder Teilerwerbsarbeit.