Ballettunterricht ist für Svetlana Herzog weit mehr als eine Förderung der Beweglichkeit, es ist auch eine Schulung des Charakters. «Die Kinder können durch Ballettunterricht ihre Haltung verbessern und haben das ganze Leben etwas davon», ist sie überzeugt. 

«Ein Training ist eine geistige und körperliche Herausforderung und führt zu intensiverem Körperbewusstsein und zu fliessenden Bewegungsabläufen», sagt die Pädagogin. Wer klassisches Ballett gelernt hat, könne auf dieser Grundlage ohne grosse Schwierigkeiten verschiedene weitere Tanzformen erlernen, weiss Herzog aus Erfahrung.

Mehr als 28 Nationen vereint 

Die ausgebildete Ballerina tanzte ursprünglich auf den Bühnen verschiedener Länder. Der Liebe wegen kam sie nach Ende ihrer internationalen Karriere in die Schweiz. Vor sieben Jahren gründete sie in Wil ihre eigene Ballettschule. Damals fing sie mit fünf Mädchen an. Während sie anfänglich noch Werbung für ihren Unterricht machen musste, kommen die Mädchen nun durch Mund-zu-Mund-Empfehlung. 

Post inside
Svetlana Herzog sieht im Ballettunterricht auch eine Lebensschulung.  

Mittlerweile besuchen insgesamt rund 110 Mädchen ihren Unterricht; einige Interessentinnen sind auf der Warteliste registriert. Ausserdem trainieren auch Erwachsene in ihrem Studio. Mädchen aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern besuchen ihren Unterricht. «Bei 28 Nationen habe ich aufgehört zu zählen», sagt sie schmunzelnd.

Unterricht ist der Schweiz ist anders

Allmählich sei ihre Kapazitätsgrenze erreicht, meint die Ballettlehrerin mit einem Diplomabschluss in Pädagogik und Choreografie der Universität Kiew. Ihr Unterricht ist sehr fordernd. «Ich muss die Schritte und die richtige Körperhaltungen oft selber vorzeigen», sagt die 52-Jährige. Sie hält deshalb derzeit die Augen nach einer Ballettlehrerin offen, die einzelne Lektionen übernehmen kann.

Post inside
Kinder aus über 28 Nationen besuchen den Ballettunterricht. Das Foto ist vor der Coronazeit entstanden. 

Die Ballettschulung ist in der Schweiz anders, als Svetlana Herzog ihn selber in der Ukraine erfahren hat, dort wird er drillmässig nach den mündlichen Anweisungen geführt. Die Lehrerinnen zeigen kaum etwas vor.

Sieben Jahre Balletttraining

Svetlana Herzog betont, dass es ihr wichtig sei in kleinen Gruppen arbeiten. «Nur so ist es möglich, die Mädchen ausreichend zu korrigieren, damit sie Fortschritte machen können. Das Balletttraining ist ein langer Entwicklungsprozess.» Einige Schülerinnen sind schon sieben Jahre bei ihr.

Märchen mit Schweizer Note

Auf Weihnachten 2020 wollte sie mit Ballettschülerinnen ein Märchen einstudieren, das sie selber geschrieben hat. Sein Titel: «Lisabeth tanzt sich in die Herzen». Von der Autorin Bernadette Sutter liess sie den Text in eine schweizerische Form bringen. Der in Jonschwil ansässige Komponist aus den USA Dr. Slava Timokhin schrieb die Musik dazu.

Post inside
Nach einer eigenen Bühnenkarriere bringt Svetlana Herzog heute Nachwuchstalenten Ballett bei. 

«Um eine Aufführung mit Kindern auf die Bühne bringen, braucht es mindestens ein Jahr», sagt Svetlana Herzog. «Leider hat uns der erste und zweite Lockdown Zeit geraubt. Wir konnten nicht alles einstudieren, deshalb sind wir auf die Idee gekommen, eine Videoaufführung einzelner Szenen zu machen.»

Eingefügte Bühnenbilder

Die Kinder tanzten ihre einzelnen Sequenzen in kleinen Gruppen vor der Kamera. Anschliessend ergänzte der Komponist, der zugleich auch ein versierter Videopraktiker ist, die Tanzszenen mit digitalen Bühnenbildern.

Post inside
Szenenbild aus dem Ballettmärchen Lisabeth tanzt sich in die Herzen 

Irgendwann soll das Märchenballett doch noch vor Publikum getanzt werden, allerdings ist die entsprechende Planung coronabedingt nicht ganz einfach. 

Hier ein Ausschnitt aus dem Tanzmärchen: