Kommen Kinder ins Spiel, so wird manch einer nachlässig. Auch der Balterswiler Gastronom Alfred «Freddy» Weibel, Inhaber des bekannten Heaven Music Club und Besitzer der angrenzenden Immobilienwohnungen, erging es nicht anders. Als Mitte Januar 2021 ein Paar mit seinen drei Kindern, im Alter von fünf, sieben und neun Jahren bei ihm aufkreuzte und fragte, ob es die 4,5-Maisonette-Wohnung im Dorfzentrum mieten könne, sagte er schnell ja, denn «wenn es um das Wohl von Kindern geht, dann ist man ja schnell bereit, Hilfe anzubieten», so Weibel, der selbst fünf Kinder hat. Heute weiss der Wirt: hätte er nicht allzu sehr den unschuldigen Kinderaugen geglaubt, sondern vielmehr ein Strafregisterauszug der mehrfach vorbestraften Eltern verlangt, dann wäre ihm sehr viel Ärger und ein grosser finanzieller Schaden erspart geblieben.

Die Polizei rückte 55mal aus

Denn unmittelbar nach dem Einzug des Paares gab es schon die ersten Probleme. «Bereits am ersten Tag kam es zu so einem so heftigen Streit des Paares, dass die Polizei gerufen werden musste», erinnert sich Weibel. Wäre es dabeigeblieben, dann hätte man wohl nur von einer unangenehmen Episode reden können. Doch im Verlauf des nächsten halben Jahres rückte die Polizei nicht weniger als 55mal wegen des mehrfach vorbestraften Paares aus. Als die Miete ausblieb, die nur anfangs im geringen Umfang bezahlt worden war, ersuchte Alfred «Freddy» Weibel am 14. April beim Bezirksgericht Münchwilen nach Ablauf der Kündigungsfrist um Mieterausweisung, welcher das Gericht am 7. Juli entsprach. Die Mieter mussten die Wohnung innert 20 Tagen räumen und Weibel übergeben. Was sie jedoch nicht taten. Stattdessen wurde auch von aussen her immer mehr ersichtlich, dass das Paar die Wohnung verlottern liessen, waren doch in der Zwischenzeit mehrere Scheiben zu Bruch gegangen, ohne dass diese ersetzt oder die Löcher zumindest repariert wurden.

Post inside
Ein kaputtes Terrassenfenster von aussen. (Bild: Christof Lampart)


Langjähriger Mieter kündigte wegen Chaos-Paar

Doch der Schaden, den das Paar anrichtete, war noch viel grösser. Denn aufgrund ihres rücksichtslosen Verhaltens kündigte der Wohnungsnachbar seine Wohnung – nachdem er zuvor 27 Jahre lang dort zufrieden gewohnt hatte. Als die Polizei am 28. Juli zu viert anrückte, um die Wohnung zwangs zu räumen, verbarrikadierte sich das Paar und – die Beamten brachen die Übung ab, da sie nicht sicher sein konnten, ob das Paar Gewalt anwenden würde. Am Montagmorgen kam es nun zum zweiten Anlauf. Acht Polizisten umstellten zuerst das Gebäude und drangen anschliessend, unterstützt von einem Schlüsseldienst, in die Wohnung ein. Dabei mussten sie die Türe im wahrsten Sinne des Wortes aufbrechen, denn das Paar hatte diese von innen her zugeschraubt. «Sie konnten somit nur noch durch den Balkon hinaus», schüttelte Weibel den Kopf.

Post inside
Wohnungsbesitzer Alfred Weibel war «erleichtert und erschüttert» zugleich. Erleichtert, weil die renitenten Mieter nun weg sind, erschüttert, weil die Maisonette-Wohnung sich «komplett zerstört» präsentierte. (Bild: Christof Lampart)


Wohnung ist komplett zerstört

Was ihn aber noch viel schockierter zurückliess, war die Vermüllung und der Zerstörungsgrad der Wohnung. Denn überall lagen Müll, Essensreste und Scherben herum. In der Küche stapelte sich ungewaschenes Geschirr, im Bad war kaum ein Gerät mit brauchbar. Ein sichtlich geschockter Alfred Weibel erklärte, dass er zwar «mit einem Chaos gerechnet hat und ein paar kaputten Scheiben, aber ganz sicher nicht mit so was. Diese Wohnung ist komplett zerstört». Wie gross der Schaden ist, zeigt ein weiteres Detail: Gute eine halbe Stunde nach der Zwangsöffnung brachte ein Lastwagen eine Entsorgungsmulde vorbei: sie fasste nicht weniger als 28 Kubikmeter…