Die Anzeige im Gastro-Journal kommt wohl selbst für die Stammgäste im Restaurant «Zum Bären» überraschend. Per 1. April 2019 wird für das «liebevoll renovierte Altstadt-Restaurant» ein neuer Pächter gesucht. Das Wirte-Ehepaar Sandra und Remo Güntensperger hat Ende September die Kündigung eingereicht und macht sich nach Ablauf der sechsmonatigen Kündigungsfrist auf zu neuen Ufern. Ob man sie wieder in einem Restaurant der Region Wil als Wirt antreffen wird, steht noch nicht fest. «Wir haben einiges offen, aber noch nicht entschieden, ob wir wieder ein Restaurant übernehmen», sagt Remo Güntensperger.

Die Hauptfrage, die sich stellt: Warum der Weggang? «Wir hören nicht aus finanziellen Gründen auf, haben erfolgreich gewirtet und sind sehr zufrieden mit den Wiler Gästen. Für uns stimmt es aber nicht mehr. Mehr will und darf ich nicht sagen», so Remo Güntensperger.

Fastnacht: Fischstäbli statt Stockfisch

Somit wird das Kapitel «Zum Bären» für Güntenspergers ziemlich genau 38 Monate lang werden. Denn nach der Fastnacht im März 2019 ist Schluss. So bleibt noch Zeit, um das Restaurant bis Ende Monat aufzuräumen und abzugeben. Im Januar 2016 hatten die beiden den «Bären» wiedereröffnet, nachdem er zuvor ein halbes Jahr geschlossen geblieben war. Beim Rückblick bleiben vor allem die Fastnachts-Anlässe in Erinnerung. Dann ist der «Bären» jeweils dekoriert. Beim ersten Mal war «der Wurm drin». So lautete nämlich das Motto. Mit Zeichnungen an der Wand wurde auf Mängel der Stadt Wil hingewiesen. Und dies mit Erfolg. Die Wiler Fastnächtler haben die Bären-Dekoration in einem SMS-Voting zur schönsten der Stadt gewählt. Ein Jahr später reichte es in dieser Abstimmung zu Platz zwei, als der Umzug der Feuerwehr von Standort direkt neben dem «Bären» ins neue Gebäude an der Bronschhoferstrasse zum Thema gemacht wurde. «Wenn wir es im 2019 wieder aufs Podest schaffen, wäre es eine schöne Sache», sagt Remo Güntensperger. Was für eine Dekoration es sein wird, gibt er noch nicht preis. Es sei aber etwas «ganz Aktuelles».

Auch sonst war die Fastnacht im Jahreszyklus des «Bären» wichtig. So wurde im Restaurant, welches offiziell 50 Leuten Platz bietet, der kleinste Maskenball der Stadt Wil durchgeführt. Als Gegenveranstaltung zum traditionellen Wiler Stockfischessen wurde ein Fischstäbli-Verzehr ins Leben gerufen. «Es ist schon noch speziell, wenn 40 Leute aufs Mal am Fastnachts-Dienstagabend Fischstäbli essen», sagt Remo Güntensperger.

Einbrecher in Socken verfolgt

In Erinnerung geblieben ist aber auch der 30. Dezember 2016. An jenem Abend wollte ein Mann «wärmer schlafen», um es in den Worten von Remo Güntensperger zu formulieren. Der ungebetene Gast schlug mitten in der Nacht mit seiner Hand beim Hintereingang des «Bären» gegen eine Scheibe der Türe. Da dort Sicherheitsglas angebracht ist, scheiterte das Vorhaben trotz teilweise geborstener Scheibe und nahm ein blutiges Ende. Remo Güntensperger verfolgte den ungebetenen Gast in Socken und mit nacktem Oberkörper, da er von diesem aus dem Schlaf gerissen worden war. Jedoch vorerst ohne Erfolg. Dank den DNA-Spuren, welche der Einbrecher auf dem Arm von Güntensperger hinterlassen hatte, wurde der Mann schliesslich gefunden und sitzt nun im Strafvollzug.

Wie es mit dem Bären weitergeht, wird die Zukunft zeigen. Fakt ist, dass das Ehepaar Güntensperger aus der Wohnung oberhalb des Restaurants auszieht und sich etwas Neues sucht. Die bewegte Geschichte der rustikalen Traditions-Beiz wird ab 2019 um ein weiteres Kapitel reicher.