96 Bäuerinnen- und Landfrauenvereinigungen gibt es im Kanton St.Gallen. Jede hat zwei Delegiertenstimmen. 151 Mitglieder waren an der DV vertreten. Petra Artho aus Walde, seit zwei Jahren Präsidentin des Verbandes, rief dazu auf, wieder vermehrt direkt mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Die Bäuerinnentagungen landauf und landab dienen genau diesem Gedanken. Sich verbinden und Kontakte pflegen – ganz konkret.Die Bäuerinnen- und Landfrauenvereinigung Niederbüren war die Gastgeberin für die DV des Kantonalen Bäuerinnenverbandes St.Gallen. Unter ihrer Präsidentin Beata Müller, die den Verein kurz vorstellte, hatte sie den Saal und die Tische frisch und einladend geschmückt. An solchen Anlässen kommen die Kreativität und die Schaffensfreude der Frauen zum Ausdruck. Gäste aus verschiedenen Organisationen verfolgten die Geschäfte, die erahnen liessen, dass die Bäuerinnen über den Tellerrand hinausblicken, sich weiterbilden und die Gelegenheiten gerne wahrnehmen, sich auszutauschen und gemeinsam etwas zu unternehmen.

Vernetzt durchs Jahr
Petra Artho ging in ihrem Jahresbericht auf die Anlässe im vergangenen Jahr ein. Zum Einstieg lobte sie den Einsatz zugunsten von «interessanten und vergnüglichen» Bäuerinnentagungen. «Mit viel Engagement, Fantasie und Herz werden die Nachmittage von den jeweiligen Vereinen organisiert.» Der Vorstand erhielt auf Einladung der vormaligen Präsidentin Barbara Dürr einen Einblick in die Arbeit des Kantonsrates. An einer Klausurtagung war die Weiterbildung ein zentraler Punkt. Für den Abstand vom Arbeitsalltag standen Velo- und Wandertage im Angebot und die Bäuerinnenferien in Scuol sind jährlich fest terminiert. Die Vorstandsfrauen der regionalen Vereine waren zu einem Kurs «Konflikt als Chance» eingeladen. Einen immensen Einsatz leisten die Bäuerinnen jeweils an der Olma. An der vergangenen stand die Kartoffel im Zentrum. Dazu wurden verschiedene Gerichte gekocht und zum Degustieren abgegeben. Am Backstand wurden 250 Kilo Mehl zu verschiedenen Gebäcken verarbeitet und verkauft.

Diskussion um Pausenmilch
Seit Jahren beteiligen sich die Bäuerinnen und Landfrauen bei den Pausenmilchtagen an den Schulen. Im vergangenen Jahr gab es plötzlich Diskussionen. Kritisiert wurden vor allem die der Milch zugefügten Shakepulver wegen ihres hohen Zuckergehaltes. In einigen Kantonen sei sogar über die Streichung des Pausenmilchtages diskutiert worden. Darauf habe Swissmilk in Absprache mit dem Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband beschlossen, dieses Jahr nur noch reine Milch auszuschenken. «Dies stiess jedoch in der Ostschweiz auf heftige Gegenwehr», informierte Petra Artho. Der Kompromiss geht dahin, dass es in Absprache mit der Schulleitung weiterhin möglich ist, Shakepulver zu beziehen. «Der Bäuerinnenverband begrüsst die intensive Diskussion über den Tag der Pausenmilch. So wird das grosse Engagement der Bäuerinnen und Landfrauen zugunsten dieser Aktion wieder einmal hervorgehoben», meinte die Präsidentin.

Vorstandsmitglied Aurelia Looser, Degersheim, berichtete vom Einsatz der zehn bäuerlichen Familienhelferinnen, die an insgesamt 270 Tagen Familien bei Krankheit, nach Unfall oder Geburten unterstützten. Franziska Brülisauer, St.Gallen, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, machte auf die Website www.baeuerinnen.ch aufmerksam, auf der man sich über alle Kurse und sonstigen Angebote informieren kann. Nebst anderen Informationen gibt es eine Ideenbörse und neu ist unter der Rubrik Börsen die Trachtenbörse zu finden. Trachten und Zubehör können gekauft und verkauft werden.

Stets im Gespräch bleiben
In ihrer Begrüssung machte Petra Artho bewusst, dass das Leben voller Gegensätze ist und nannte dazu ein paar Beispiele. «Es geht nicht ohne Gegensätze und das macht es ja auch so interessant und lebenswert. Wie langweilig wäre es doch, wenn immer alles nach demselben Muster ablaufen würde. Gegensätze können auch eine Chance sein. Wir müssen einfach in der Lage sein, Gegensätze, die uns belasten, zu überwinden», philosophierte sie. Ein Weg dazu könne das Gespräch sein. Für sich einstehen, ansprechen, wenn etwas nicht stimmt und dabei auf den Ton achten, schlug sie als Vorgehensweise vor. Auch wenn es nicht auf Anhieb gelingen könne, ein Versuch, miteinander ins Gespräch zu kommen, lohne sich. Überall wo man lebe und arbeite. Dabei dürfe auch ein Fehler eingestanden werden und – ganz wichtig bei der Sache: Zuhören. Das Loben und die Anerkennung mögen auch dazu gehören. Niklaus Hollenstein, Gemeindepräsident von Niederbüren, lobte auf jeden Fall die Arbeit der Bäuerinnen und ihr Engagement. «Sie dürfen sich selber auf die Schulter klopfen.»

Neue Vorstandsmitglieder
Franziska Brülisauer, St.Gallen, und Vreni Senn, Mühlrüti, traten nach zehn Jahren aus dem Kantonalvorstand zurück. Sie wurden durch Vizepräsidentin Helen Zehnder, Niederbüren, für ihr Engagement, für ihre Kreativität und die Förderung von anderen Frauen gelobt. Nachgerückt sind Agnes Gmünder, Necker und Petra Fäh, St.Gallen. Letztere ist Präsidentin der Christlichen Bauernbundes St.Gallen und Umgebung und Agnes Gmünder ist Präsidentin der Bäuerinnenvereinigung Oberhelfenschwil. «Guets git Guets», verriet sie ihre Einstellung.
Andrea Bärtschi, Nassen, wurde als Revisorin anstelle von Ursi Schubiger gewählt, die nach zwölf Jahren aufgrund der Amtszeitbeschränkung zurücktreten musste. Seline Heim von der Fachstelle Bäuerliche Hauswirtschaft und Ernährung des Landwirtschaftlichen Zentrums St.Gallen, informierte über Weiterbildungsangebote und Ursi Egli, als Vorstandsmitglied des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband, von den aktuellen Themen des Verbandes. Der Andrang bei der Bäuerinnenschule sei sehr gut. Landwirtschaftliche Organisationen seien bestrebt, mehr Frauen für Aufgaben zu gewinnen.

Bronze-Gewinnerin Swiss Skills
Anita Rüdisüli aus Amden gewann an den Swiss Skills 2016 als jüngste Teilnehmerin Bronze im Bereich Hauswirtschaft. Die heute 20-Jährige erzählte in Niederbüren frisch und gut strukturiert von ihrem Werdegang, ihrer Motivation zur Teilnahme an den Schweizer Berufsmeisterschaften und ihrem persönlichen Profit daraus. Die Neugier und ihre Unbekümmertheit, etwas zu versuchen, ebneten ihr den Weg dazu. Ihr Fazit: «Türen haben sich geöffnet, ich habe gelernt, mit Stress umzugehen, habe neue Bekanntschaften gemacht und unbezahlbare Erfahrungen gewonnen. Ich bin mit Wille ans Ziel gekommen und es haben sich mir berufliche Chancen eröffnet», fasste sie zusammen. Ihr nächstes Ziel ist die Ausbildung zur Ausbildnerin in ihrem Fachbereich Hauswirtschaft. Und zur Bedeutung der Berufsmeisterschaften meinte sie: «Das ist die beste Werbung für unser duales Bildungssystem.»