Braucht die Stadt Wil für die am 1. Januar 2021 beginnende nächste Legislatur einen neuen Stadtpräsidenten oder eine neue Stadtpräsidentin? Das ist durchaus möglich. Denn das Wiler Stadtoberhaupt Susanne Hartmann wird von der kantonalen CVP für den Regierungstrat vorgeschlagen. Hat sie nach zwei Legislaturen an der Spitze der Äbtestadt genug? «Für ein Weiterwirken in der Stadt Wil fehlt es mir weder an Freude noch an innerem Feuer. Und schon gar nicht an spannenden Projekten. Im Gegenteil: Ich liebe mein Amt als Stadtpräsidentin und als CVP-typische Brückenbauerin in Wil. Aber ich bin überzeugt: Man soll die Chancen packen, wenn sie da sind», sagt Susanne Hartmann gegenüber hallowil.ch.

Nach dem Rücktritt von Benedikt Würth – er wurde am Sonntag im Ständerat bestätigt – will die CVP den zweiten Sitz neben jenem Bruno Damanns verteidigen. Eine Frau soll es sein. Aber in trockenen Tüchern ist Hartmanns Wahl noch lange nicht. Denn es kommt aus dem Rheintal die Kandidatur Thomas Ammanns, der von der Rheintaler CVP-Kreispartei unterstützt wird. «Ich finde es gut, dass die Delegiertenversammlung auswählen kann», sagt Susanne Hartmann.

Zweifache Nomination nötig

Es gibt aber auch den Einwand, dass das Fürstenland im Falle eine Wahl Hartmanns übervertreten wäre. Stefan Kölliker (Bronschhofen), Marc Mächler (Zuzwil) und Bruno Damann (Gossau) würden zusammen mit Hartmann dafür sorgen, dass mehr als die Hälfte aller Regierungsräte aus dem Fürstenland käme – und das Rheintal womöglich nicht vertreten wäre. «Ein Regierungsmitglied stellt sich in den Dienst des ganzen Kantons. Im Fokus muss stehen, dass man die geforderten Fähigkeiten mitbringt. Es gibt zudem Kandidierende aus anderen Parteien, die aus dem Rheintal respektive dem Werdenberg stammen», sagt Susanne Hartmann. Sie verweist zudem darauf, dass bei anderen Parteien Kandidaten aus dem Rheintal oder dem Werdenberg dabei seien. Gemeint sind Laura Bucher von der SP und Beat Tinner von der FDP.

Und so sieht der Fahrplan von Susanne Hartmann in die Regierung aus: Diesen Donnerstagabend (21. November) steht zuerst die Nominationsversammlung der CVP Regionalpartei Wil-Untertoggenburg an. Im Hof zu Wil wird Hartmann zuhanden der kantonalen Partei nominiert werden. Schon einen Abend später findet am Freitag (22. November) im Kantonsratssaal des St. Galler Regierungsratsgebäudes die effektive Nominationsversammlung statt. Dann wird sich entscheiden, ob Hartmann oder Ammann ins Rennen geschickt wird. Die Regierungsratswahl steht dann am 8. März 2020 an.

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Zwei CVP-Kandidaturen (erschienen am 17.11.)

Lange hatten die kantonale CVP und auch Susanne Hartmann geschwiegen. Doch nun ist die Katze aus dem Sack. Gut sieben Jahre nach der Wahl zur Wiler Stadtpräsidentin im Jahr 2012 soll der nächste Schritt erfolgen. Und dieser heisst: Regierungsrat des Kantons St. Gallen. Das geht aus einer Medienmitteilung der CVP vom Sonntag hervor. So werde der Delegiertenversammlung der Vorschlag für ihre Kandidatur unterbreitet. Bei den Regierungsratswahlen geht es für die CVP darum, den frei werdenden Sitz von Benedikt Würth zu verteidigen. Dieser wurde am Sonntag im zweiten Wahlgang im Ständerat bestätigt und wird sein Mandat als Regierungsrat niederlegen.

Die kantonale Parteileitung habe sich auf diese Situation vorbereitet und sei schon vor einiger Zeit auf die Suche nach geeigneten Kandidaten gegangen. Innerhalb der Partei ist man überzeugt, dass der zweite CVP-Sitz - Bruno Damann scheint gesetzt - in der Regierung mit einer Frau zu besetzen sei. Darum habe man auf eine Mehrfachkandidatur von Frauen hingearbeitet. Dazu kommt es nun aber nicht, wie es in der Mitteilung weiter heisst: «Im Verlaufe des Prozesses haben sich zwei Kandidatinnen aus dem Rennen genommen. Es bleibt somit bei einem Einervorschlag.» Gut möglich, dass unter diesen beiden Nicht-Kandidaturen auch die Degersheimer Gemeindepräsidentin Monika Scherrer ist. Man hatte gemunkelt, auch sie zeige Interesse.

Entscheidung am Freitag

Doch für Hartmann ist der Weg in den Regierungsrat noch nicht geebnet. Denn die CVP Rheintal teilte am Sonntag mit, dass sie Thomas Ammann portiert. Der Nationalrat hatte am 20. Oktober aufgrund eines Sitzverlustes der CVP die Wiederwahl nach Bundesbern verpasst. Nun soll er also Regierungsrat werden, wenn es nach der CVP-Kreispartei Rheintal geht.

Die Entscheidung, wer von der CVP ins Regierungsratsrennen geschickt wird, fällt am kommenden Freitag an der Delegiertenversammlung in St. Gallen. Die Erneuerungswahl des Regierungsrates findet am 8. März 2020 statt. (pd/red)