Seit dem 1. Januar ist es Velofahrern theoretisch erlaubt, bei entsprechender Signalisation am Rotlicht rechts abzubiegen. Doch die Ostschweizer Velofahrer müssen sich in Geduld üben, wie der VCS St.Gallen-Appenzell in einer Mitteilung moniert. Denn damit das Abbiegen bei Rot auch tatsächlich erlaubt ist, müssen entsprechende Schilder – gelbes Velo auf schwarzem Grund – montiert werden. Was in der Stadt St.Gallen diese Woche geschehen ist, dauert auf dem restlichen Kantonsgebiet bis in den Sommer, wie eine entsprechende Anfrage ergeben hat. Auch in Wil.

Und das auch nur dann, wenn keine baulichen Massnahmen notwendig sind. Doch warum eigentlich? Schliesslich gilt das Gesetz ja seit Januar. 

Die Antwort aus dem Baudepartement klingt nach Ausrede: «Für den Einführungszeitpunkt wurde bewusst nicht die dunkle Jahreszeit im Winter gewählt. Im Sommer sind auch während der Stosszeiten bessere Lichtverhältnisse vorhanden. Dies trägt dazu bei, die neue Verkehrsregel möglichst sicher einzuführen.» Ruedi Blumer, VCS-Co-Präsident der Sektion SGAP, ärgert sich: «Diese Antwort ist unbrauchbar und zeugt von einer Geringschätzung gegenüber den Velofahrenden.» 

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Rechtsabbiegen für Fahrradfahrer erlaubt.

Stimmt: Zu den Stosszeiten ist es bereits jetzt hell und schliesslich sollte eine Überprüfung einer Kreuzung nicht allzu viel Zeit in Anspruch nehmen. Blumer zeigt Verständnis: «Wenn bauliche Massnahmen nötig sind, dann ist es ja nachvollziehbar, dass es etwas länger dauert. Wenn aber nur Täfeli montiert werden müssen, dann gibt es keinen Grund, warum man diese nicht innerhalb weniger Tage anbringen kann.» Für ihn politisiert der Kanton an der Realität vorbei. Der Velofahrboom ist nachhaltig; viele sind aufs E-Bike umgestiegen und nutzen dieses auch im Winter und zudem seien die Kreuzungen ja auch beleuchtet und nicht stockdunkel. Er nennt das Beispiel die Stadt Zürich: «Mitte Januar waren da auf Kreuzungen ohne nötige bauliche Massnahmen bereits 80 entsprechende Tafeln montiert worden.»

Von Eile keine Spur

Auf wie vielen und welchen Wiler Strassen Velofahrer künftig bei Rot rechts abbiegen dürfen, ist noch nicht einmal klar. Diese Überprüfung daure bis in den Sommer, heisst es aus dem kantonalen Baudepartement. Auf Wiler Stadtgebiet überprüft der Kanton insgesamt neun Knoten (23 Ampeln). Wie viele der Ampeln letztendlich mit einem Schild ausgestatten werden können, werde die Analyse zeigen.

In den Zuständigkeitsbereich der Stadt Wil fällt nur ein Knoten; derjenige an den Gemeindestrassen Glärnisch-/Buchenstrasse. Auch hier fand bislang noch keine entsprechende Überprüfung statt, wie es aus dem Stadthaus heisst.

Den Velofahrern bleibt vorerst nur eins: Bei Rot warten.

Da dürfte sich der eine oder andere nicht ganz ernst genommen fühlen und seinen Kopf mit Unverständnis schütteln. Schliesslich war Velofahren noch nie so beliebt wie 2020, wie es in einer Mitteilung vom 9. März aus demselben kantonalen Baudepartement hiess: 2020 hat der Veloverkehr im ganzen Kanton stark zugenommen. Alle kantonalen Velozählstellen verbuchten Rekordwerte, auch diejenige beim Kolumbansteg in Flawil, wie hallowil.ch berichtete.