Das war nicht nur für die Eltern, die mit ihren Kindern den Uzwiler Spielplatz an der Birkenstrasse besuchen, eine unschöne Überraschung – sondern auch für die Gemeinde. Praktisch die ganze Fläche ist mit Schadstoffen belastet (siehe Beitrag mit Interview und Video-Kommentar unten). Auch die oberste Bodenschicht. Deswegen ist seither die ganze Fläche abgesperrt. Im Nachgang hat der Kanton für die Fläche Nutzungsbeschränkungen erlassen. «Die Gemeinde muss beispielsweise dafür sorgen, dass sich Kinder unter sechs Jahren nicht mehr als 50 Mal pro Jahr auf der Spielweise aufhalten», heisst es in der aktuellen «Uzwiler Blatt»-Ausgabe. Und: Zusammen mit den Fachleuten sei man sich einig, dass diese Einschränkung juristisch korrekt sei – in der Paxis aber nicht vernünftig umsetzbar. «Entsprechend bleibt die Fläche abgesperrt, bis sie saniert ist», heisst es weiter.

Kein beweisbarer Verursacher

Das war nicht nur für die Eltern, die mit ihren Kindern den Uzwiler Spielplatz an der Birkenstrasse besuchen, eine unschöne Überraschung – sondern auch für die Gemeinde. Praktisch die ganze Fläche ist mit Schadstoffen belastet (siehe Beitrag mit Interview und Video-Kommentar unten). Auch die oberste Bodenschicht. Deswegen ist seither die ganze Fläche abgesperrt. Im Nachgang hat der Kanton für die Fläche Nutzungsbeschränkungen erlassen. «Die Gemeinde muss beispielsweise dafür sorgen, dass sich Kinder unter sechs Jahren nicht mehr als 50 Mal pro Jahr auf der Spielweise aufhalten», heisst es in der aktuellen «Uzwiler Blatt»-Ausgabe. Und: Zusammen mit den Fachleuten sei man sich einig, dass diese Einschränkung juristisch korrekt sei – in der Paxis aber nicht vernünftig umsetzbar. «Entsprechend bleibt die Fläche abgesperrt, bis sie saniert ist», heisst es weiter.

Kein beweisbarer Verursacher

Die Dorfkorporation Uzwil erwarb das Grundstück mit Weiher und Spielwiese im Jahr 1933. Im Rahmen von Notstandsarbeiten in der Wirtschaftskrise liess sie den Weiher in den Jahren 1933/1934 zuschütten. Die Weiher entlang der Uze, welche einst zur Energieerzeugung dienten, wurden damals als stinkende Kloaken, als unschön und hygienisch nicht einwandfrei wahrgenommen, ihre Beseitigung entsprechend breit getragen. Die Dämme des Schiffliweihers genügten weitgehend, um ihn zuzuschütten. Lediglich 200 Kubikmeter Material fehlten. «Stand heute wird vermutet, dass so die problematischen Belastungen in den Untergrund des Areals gelangten», so die Gemeinde im «Uzwiler Blatt». Woher die fehlenden 200 Kubikmeter und damit auch die Belastungen stammten, gehe aus den Archiven leider nicht rechtlich hieb- und stichfest hervor. «Entsprechend können die Kosten auch niemandem abgewälzt werden», erklärt die Gemeinde. 

Klärung des Schadbildes

Immerhin erklärt die historische Aufarbeitung das angetroffene Schadbild: Im Jahr 1940 wurde das unlängst aufgefüllte Areal umgebrochen, es entstanden 45 Pflanzgärten, um in der schwierigen Kriegszeit Gemüse anzubauen. Bald zeigte sich, dass der Boden in Teilen des Areals dazu schlecht geeignet war. Und Teile des Areals waren bei Regenwetter schnell sumpfig. Internierte hoben darauf den Boden dort aus und bauten in neu auf. 1949 wichen die Pflanzgärten wieder einer Spielwiese. Um das Gelände neu zu gestalten, wurde Material zugeführt und eingearbeitet. All diese Eingriffe durchmischten den Boden im Areal. Und verteilten so auch die Schadstoffe.

Fertig im September 2022

«Die Spiel- und Parkfläche an der Birkenstrasse gewinnt gerade im Kontext zunehmender Dichte im Zentrum an Bedeutung», erklärt die Gemeinde weiter. Durch die Schadstoffbelastung habe sich ihre Erneuerung verzögert, sie sei mit zusätzlichen Fragestellungen angereichert worden. Und die Schadstoffentsorgung werde das Vorhaben verteuern, weil die oberste Bodenschicht flächig abgetragen, vorschriftsgemäss entsorgt und durch sauberes Material ersetzt werden müsse. «Bis im Frühsommer dauern nun noch die Arbeiten an Projekt und Kostenvoranschlag», steht im «Uzwiler Blatt». Nach Angaben der Gemeinde ist vorgesehen, dass der Bürgerversammlung im November der Baukredit unterbreitet wird. «Anschliessend gehts an die Ausführungsplanung und es braucht ein Baubewilligungsverfahren. Läuft alles rund, kann im September 2021 mit den Arbeiten begonnen werden», informiert die Gemeinde. Diese Arbeiten dauern dann bis Juni 2022. Anschliessend müsse die Natur arbeiten, so dass die neugeschaffenen Flächen im September 2022 freigegeben werden können. (pd)

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Dieser Uzwiler Spielplatz ist stark belastet (13.12.2019):

Früher war ein Teil des Areals ein Weiher. Er diente der Stromgewinnung. In den 1930er- und 1940er-Jahren wurde er zugeschüttet. In den Kriegszeiten wurden auf dem Areal offenbar Kartoffeln angebaut und der Boden bearbeitet. Seit 1974 gehört das Gebiet der Gemeinde Uzwil. Damals wurden die Dorfkorporationen aufgelöst und ihre Aufgaben – und auch ihr Grundeigentum - der Gemeinde übertragen. „Hinweise auf Schadstoffe im Boden gab es nicht“, schreibt die Gemeinde Uzwil in einer Mitteilung.

Industrielles Erbe

Verschiedentlich stösst man in Uzwil bei Bauvorhaben auf frühindustrielle Spuren – ist doch die Gemeinde an der Uze seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Industriestandort. Die Schadstoffe gelangten in einer Zeit in den Boden, als Bodenschutz und Entsorgung nach heutigen Massstäben noch keine Themen waren. Deshalb untersucht die Gemeinde bei verschiedenen eigenen Bauvorhaben standardmässig den Untergrund. So auch den Untergrund des Spielplatzes an der Birkenstrasse.

Erste Untersuchungen im September zeigten örtlich starke Belastungen des Bodens, vor allem im Bereich des ehemaligen Weihers. Schadstoffe wie Chrom und Antimon schlummern im Boden. Die Schadstoffe müssen vor rund 80 Jahren in den Boden gelangt sein. „Bisher gab es keine Hinweise darauf. Das Areal war entsprechend auch nicht im Kataster der belasteten Standorte erfasst“, schreibt die Gemeinde.

Im Video: "Wenn man 100 Mal Erde isst, ist man stark belastet"

 

Starke Belastung, aber keine direkte Gefahr

Aufgrund der Untersuchungsergebnisse nahm der Kanton die ehemalige Weiherfläche am 7. November provisorisch in den Kataster der belasteten Standorte auf, der definitive Eintrag ist für Ende Dezember vorgesehen. Fachleute sehen die Sache so: Es geht keine direkte Gefahr von den im Untergrund vorhandenen Schadstoffen aus. Es sind auch keine schädlichen oder lästigen Einwirkungen zu erwarten und weitere Massnahmen sind erst bei einem Bauvorhaben oder einer Nutzungsänderung nötig. Allfälliges bei der Erneuerung des Spielplatzes anfallendes Aushubmaterial muss gesetzeskonform entsorgt werden.

Wegen der hohen Belastungen im Untergrund und der Nutzung des Areals als Spielfläche für Kinder liess die Gemeinde zusätzlich die obersten Bodenschichten beproben. In einem ersten Schritt die obersten 15 Zentimeter, in einem zweiten Schritt die obersten fünf Zentimeter. Gerade die obersten fünf Zentimeter sind bei Flächen entscheidend, auf denen sich Kinder aufhalten. Beim Spielen nehmen sie manchmal Erde und damit auch Schadstoffe in den Mund. Die Probe-Ergebnisse liegen nun vor. Sie zeigen auf dem gesamten Areal unerwartet hohe Belastungen mit Chrom, Antimon und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Die Proben waren Grundlage, damit der Kanton eine Gefährdungsabschätzung vornehmen kann. Die Gemeinde hat den Spielplatz anfangs dieser Woche gesperrt und umzäunt. Was das für die Kinder, welche auf dem Spielplatz gespielt haben, bedeutet, erfahren Sie im obigen Video-Interview mit dem Uzwiler Veraltungsleiter Thomas Stricker.

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Am Montag wurde der Spielplatz an der Birkenstrasse umzäunt. (Bild: gk)


So geht es nun weiter

Mit der sofortigen Absperrung des Areals soll verhindert werden, dass sich Menschen und insbesondere Kleinkinder weiterhin einem Risiko aussetzen können. Eine brach liegende Fläche mitten im Zentrumsgebiet ist aber für die Gemeinde ein Dorn im Auge. In der nächsten Zeit gehts darum, im Dialog mit den Fachstellen des Kantons und dem beigezogenen Geologen zu beurteilen, wie es weitergeht. Es dürfte darauf hinauslaufen, dass im Rahmen der geplanten Erneuerung der Fläche zuerst die obersten rund 50 Zentimeter des gesamten Areals abgetragen, entsorgt und durch sauberen Boden ersetzt werden. Das wird kosten. Und es stellen sich viele Fragen. Etwa nach dem Verursacher und möglichen Mitfinanzierungen. Antworten gibt es noch nicht.

Klar ist, dass der Spielplatz ohnehin aufgewertet worden wäre. Denn im November 2018 gab die Bürgerschaft grünes Licht, die Erneuerung des Spielplatzes an der Birkenstrasse zu projektieren. An der Bürgerversammlung in knapp einem Jahr will sich der Gemeinderat den Kredit für die Sanierung geben lassen. Es soll eine Art Begegnungslandschaft entstehen. Die Ausführung dürfte im Jahr 2021 stattfinden. Bis dahin hat Uzwil nun einen eingezäunten und stark belasteten Spielplatz an der Birkenstrase. (gk/sdu)

Das meint hallowil.ch

 
"An einem neuralgischen Ort wie einem Kinderspielplatz hätte man früher hinschauen sollen", sagt hallowil.ch-Chefredaktor Simon Dudle in seinem Kommentar.