Die Idee für ein Sommerfest kam auf bei einem Besuch des Mobilen Freiluftparlaments im Lindenhofquartier. Das Projekt «Mobile» möchte von einer künstlerischen Perspektive die Bedürfnisse und Wünsche der Bewohner*innen für die Stadtplanung einfangen. So möchten Anna Graber und Annina Massaux künstlerische und sozialwissenschaftliche Zugänge zur Gestaltung von Stadtleben und Stadtraum verbinden. Ziel ist es vor allem in kulturell durchmischten Quartieren das Zusammenleben zu reflektieren und Potenziale zu entwickeln. Die beiden haben deshalb mit den Bewohner*innen der Reuttistrasse zusammen gemalt, gebastelt, Wünsche aufgeschrieben und Bedürfnisse im Gespräch eingefangen. Dadurch bekommen auch Menschen eine Stimme, die vielleicht noch kein Stimmrecht in der Stadt haben oder sich nicht gut in Wort und Schrift ausdrücken können.


Berührendes Nebenprojekt des Freiluftparlaments

Ein Nebenprojekt des «Mobile» ist das Händewaschen. Annina hatte die Idee während Corona. Durch die Isolation gab es für einige Menschen nur noch wenig Möglichkeiten für Berührungen. Damit dennoch eine Berührung stattfinden konnte, fing Annina an, anderen die Hände zu waschen. Obwohl sie einige Fragen bereit hat, fangen die Menschen meist von selbst an zu erzählen, was sie berührt. Meistens hört sie einfach zu und nimmt die Gespräche auf. Diese Aufnahmen möchte sie gerne zu einem Podcast verarbeiten, entweder einfach als Erinnerung für die Bewohner*innen der Reuttistrasse oder zum Veröffentlichen.


Aktive Organisation der Quartierbewohner*innen

Als nach dem letzten Besuch des Freiluftparlaments im Quartiertreff der Wunsch nach einem Sommerfest an der Reuttistrasse aufkam, schlossen sich einige Bewohner*innen zusammen. Eine Kerngruppe hat gemeinsam aktiv das Fest organisiert zusammen mit Alfred Ryf und Julia Bürgi vom Quartiertreff. Selma Fazilju und Ganimete Osmani haben sich ums Essen gekümmert, während Marijana Dzidzic und Emmanuele Sila sich um die Kinderbeschäftigungen kümmerten, wie Büchsenwerfen und zusammen malen.


Gemütliches und bereicherndes Zusammensein

Das Ziel des Sommerfests war sich kennenzulernen, ins Gespräch zu kommen, Bedürfnisse und Wünsche zu äussern und zu sammeln und einfach beisammen zu sein. Über Kuchen und Wassermelone wurde sich über Vorstellungen und Wünsche im Quartier ausgetauscht. Einer dieser Wünsche sind bessere Möglichkeiten für die Kinder zum Spielen, zum Beispiel durch die Umgestaltung der Spielplätze. Fröhlich und unbeschwert plauderten die Quartierbewohner*innen miteinander, bastelten ihr Wunschquartier und schauten sich Werner Warths Ausstellung zur Geschichte der Reuttistrasse an.


Geschichtliche Ausstellung über die Reuttistrasse

Die Ausstellung des Stadtarchivars Werner Warth, der selbst in der Reuttistrasse wohnt, war eines der Highlights des Nachmittages. Er hat verschiedenste Dokumente und Bilder zusammengetragen, um die Geschichte der Reuttistrasse und des Lindenhofquartiers darzustellen. Einst der Galgenplatz wurde der Ort der Reuttistrasse zum Schiessstand und entwickelte sich weiter zum Stadtteil mit der höchsten Einwohnerdichte.


Nächstes Sommerfest schon in Planung

Als Erinnerung an das Sommerfest soll das Bushaltestellenhäuschen künstlerisch gestaltet werden. Ein nächstes Sommerfest ist von der Kerngruppe schon in Planung. Ob die Mitarbeitenden vom Quartiertreff wieder bei der Organisierung helfen, ist noch nicht klar. Klar für sie ist aber, dass sie mit ihren vielfältigen Angeboten mehr ins Quartier rausgehen wollen. Es soll mehr aktive Quartierarbeit stattfinden. Das Sommerfest war ein erster solcher Anlass.