61,1 Millionen Franken hoch sind die Kosten für den Bau des Sportpark Bergholz. Dies hat die Stadt unlängst kommuniziert. Der Betrag ist höher als erwartet. Im damaligen Wahlkampf des Jahres 2010 war alles dafür getan worden, dass die 60-Millionen-Grenze nicht überstiegen wird. Jene Summe war als Kostendach und auch als politischer Kompromiss erachtet worden. «Um diese Summe nicht zu überschreiten, wurde der FC Wil einseitig von der Stadt dazu gezwungen, rund 2,5 Millionen Franken an Eigenleistung beizusteuern», sagt FC-Wil-Präsident Maurice Weber rückblickend. Diese Zahl setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Knapp 1,5 Millionen für den Ausbau des Stadions, also die Errichtung von Buvetten, Sektor-Abgrenzungen, Sicherheitseinrichtungen, Drehkreuzen, sowie den Ausbau der Garderoben, Material- und Infrastruktureräume und der Geschäftsstelle. «Es sind alles Dinge, die für ein Challenge League- taugliches Stadion benötigt und vorgeschrieben werden», sagt Weber. Zudem muss ein Betrag von 1,1 Millionen Franken als Beteiligung am Grundausbau Stadion über 30 Jahre zurückbezahlt werden.

Darum kann man beim FC Wil nicht verstehen, dass nun ein Baukosten-Abschluss von über 61 Millionen Franken präsentiert wurde. «Diese Summe ist ein Hohn. Die 2,5 Millionen Franken, die der FC Wil aus der eigenen Tasche in das städtische Stadion investieren musste, werden nicht erwähnt. Zudem werden immer wieder externe Berater herangezogen beim Departement Bau, Umwelt und Verkehr», sagt Weber. Dass es bei der Implenia während der Bauphase gleich acht Wechsel in der Projektleitung gegeben hat, müsse die Stadt laut Weber nicht interessieren. Er sagt: «Wenn stringent gearbeitet worden wäre und man alles im Griff gehabt hätte, dürften wegen der personellen Wechsel keine Mehrkosten für die Stadt und somit den Steuerzahler entstehen.» Aus Webers Sicht müssten diese 2,5 Millionen Franken an Eigenleistung noch zur Gesamtsumme addiert werden, womit der Sportpark Bergholz in Tat und Wahrheit 63,6 Millionen Franken gekostet hätte.

«Licht unsachgemäss zwischengelagert und installiert»

Dass bis heute noch Mängel am Fussballstadion bestehen, stösst beim FC Wil sauer auf. Es geht unter anderem um die Lichtanlage. «Vor dem Bau haben wir der Stadt eine Anlage übergeben, die 750 Lux Lichtstärke produziert hat. Wegen unsachgemässer Zwischenlagerung und Wiederaufbau produziert die gleiche Anlage nun nicht einmal mehr 500 Lux», sagt Weber. Dies ist seit sieben Jahren ein Problem bei der jährlichen Lizenzierung durch die Swiss Football League (SFL). 500 Lux sind gefordert, damit die TV-Übertragungen in gewünschter Qualität produziert werden können. Für den Fussballklub gab es deswegen auch schon eine Busse von 4000 Franken. Dass er diese selbst zahlen musste und sich die Stadt nicht daran beteiligt hat, sorgt beim FC Wil ebenfalls für Unverständnis.

Mittlerweile plant die Stadt Wil eine neue Lichtanlage. Der Totalunternehmer Implenia, welcher den neuen Sportpark Bergholz geplant und gebaut hat, muss finanziell nicht dafür geradestehen. Auch das sorgt für Unverständnis. «Irgendwo muss es eine Lücke im Totalunternehmer-Vertrag haben. Denn der Auftrag der Implenia war klar, ein Challenge League taugliches Stadion zu bauen. Dies ist nicht erfolgt», sagt Weber. Bei der Stadt argumentiert man, die Licht-Anforderungen der Swiss Football League hätten sich während der Bauphase verändert. «Stimmt nicht», sagt Weber. «Es waren schon zuvor 500 Lux in der Challenge League gefordert.»

Werbebanden zu nahe am Feld

Ebenfalls für rote Köpfe sorgt die Spielfeldgrösse. Im sogenannten Stadion-Katalog der SFL des Jahres 2008 war diese mit 76x114 Meter als Mindestanforderung drin. Als Empfehlung für internationale Spiele war das Mass von 80x120m genannt. Dies ist nötig, damit zum Beispiel Nachwuchs-Länderspiele der Schweizer U-National-Mannschaften in Wil ausgetragen werden könnten. Im angepassten Stadionkatalog des Jahres 2012 – also vor Baubeginn – waren dann bereits 80x120 Meter vorgegeben. «Wir haben die Stadt in der Planungsphase wiederholt auf diese Empfehlungen aufmerksam gemacht. Doch man hat nicht auf uns gehört», sagt Weber. Dies hat unter anderem zur Folge, dass der minimale Sicherheitsabstand von drei Metern zwischen Seitenauslinie und Werbebande nicht eingehalten werden kann. Die Werbebanden stehen also zu nahe am Spielfeld. Es hat zu wenig Platz für Kameras und Ballkinder. Dies ist ein weiterer Grund, warum der FC Wil bei der jährlichen Lizenzierung jeweils nur eine provisorische Bewilligung erhält.

Dass es rund sieben Jahre gedauert hat, bis die Bauabrechnung vorgelegt wurde, kann Weber ebenfalls nicht verstehen. Er ist Inhaber eines Wiler Ingenieur- und Architekturbüros im Bereich Industriebau und hat schon viele Projekte geplant und umgesetzt. Darunter sind auch zahlreiche Grossprojekte mit ähnlichen Investitionssummen. «Ich habe noch nie gesehen, dass eine Abrechnung so viel Zeit braucht. Für gewöhnlich liegt sie nach einem halben oder dreiviertel Jahr vor. In der Privatwirtschaft ginge so etwas nicht.»