«Die Anlage war für mich am Anfang befremdend und ich hatte kühle Gefühle», sagte Künstler Christoph Rütimann bei der feierlichen Einweihung von Kunst am Bau am Mittwochabend. Schnell sei er dann aber fasziniert gewesen vom langen Handlauf, der auf der Plattform zwischen dem Hallenbad und der Eishalle verläuft. Beim genauen Betrachten der Anlage hat er im Sportpark eine «Geheimstruktur» gefunden, die an die Öffentlichkeit gehöre. Filmsequenzen mit Handläufen gewähren nun teilweise noch nie gesehen Einblicke in Architekturelemente, Energiekreisläufe oder auch Sportbewegungen. Gezeigt werden diese in Filmen, die in einer Endlosschlaufe während der Öffnungszeiten des Sportparks laufen – und zwar auf zwei Bildschirmen an jedem Ende des langen Handlaufs. Diese leuchten je nach Tages- oder Nachtzeit heller oder weniger hell.

Somit hat das Bergholz doch noch Kunst am Bau, wenn auch mit deutlicher Verspätung. Der zuständige Wiler Stadtrat Daniel Stutz sprach deshalb bei der Einweihung von «Nach-Kunst-am-Bau». Die Vorgeschichte ist facetten- und emotionsreich. Bei Neubauten von öffentlichen Gebäuden ist es üblich, dass ein Prozent der Bausumme in Kunst am Bau investiert wird. Bei der Planung des Sportpark Bergholz wurde aber darauf verzichtet, weil man Angst hatte, das Projekt könnte zu teuer und vom Volk abgelehnt werden. Bei einem Investitionsvolumen von rund 60 Millionen Franken ging es immerhin um eine Kunst-Summe von 600'000 Franken. Gekauft hat die Stadt dafür das Kunstwerk «Die Schwimmerin» des Wiler Künstlers Renato Müller. Seit der Bergholz-Einweihung empfängt sie die Gäste im Hallenbad. Kunst am Bau ist dies aber explizit nicht.

Projekt von Ohm 41 nicht berücksichtigt

Für Kunst am Bau wurde vom Stadtparlament nachträglich ein Betrag von 150'000 Franken gesprochen – und zwar hinsichtlich des Jahres 2015. In einer ersten Runde gab es in der Folge 56 Eingaben von Künstlern aus der Schweiz und dem Ausland. Der Zuschlag ging nicht an Kunstschaffende aus der Region, obwohl auch das Wiler Künstlerkollektiv Ohm 41 ein Projekt eingegeben hatte. Dass ein Auswärtiger berücksichtigt wurde, hatte die Gemüter zwischenzeitlich erhitzt.

Mit Christoph Rütimann hat allerdings kein unbeschriebenes Blatt das Rennen gemacht. Der Künstler mit Jahrgang 1955 ist schon mehrfach für sein Schaffen ausgezeichnet worden. Er vertrat 1993 an der Biennale in Venedig die Schweiz mit einer spektakulären Installation. Sein Arbeitsspektrum ist breit und reicht von Klang-, Text-, Foto- und Videoaufnahmen bis hin zu klassischen Ausdrucksmitteln wie Zeichnung, Malerei und Skulptur. Seine Werke sind in verschiedenen Schweizer und europäischen Museen und an unterschiedlichen Bauten zu sehen, zum Beispiel auch in Frauenfeld.

Auch für Werbung in eigener Sache

Somit gibt es auf der Plattform zwischen Hallenbad und Eishalle also zwei neue Bildschirme. Möglicherweise werden sie künftig nicht nur für die Videoclips von Kunst am Bau gebraucht, sondern auch für Hinweise auf Veranstaltungen im Bergholz. Die Kunst-Clips würden dann jeweils für einige Sekunden unterbrochen, um den Veranstaltungshinweis zu setzen.

Doch ist der Künstler Christoph Rütimann damit einverstanden? Ja. Er war es gar, der die Idee eingebracht hat. Denn Teil der Aktion sei auch, den Sportpark Bergholz mit Leben zu erfüllen. Und das könne besser funktionieren, wenn Leute über die Aktivitäten informiert werden. Möglich ist zudem, dass weitere Bildsequenzen dazukommen. Noch fehlen nämlich Impressionen vom Fussballstadion.