Die Strafe sei von der Vorinstanz zwar zu hoch angesetzt worden, halten die St. Galler Kantonsrichter im Urteilsdispositiv fest. Damit bestätigen sie im Grunde die Anklagepunkte der Staatsanwaltschaft sowie das Urteil des Kreisgerichts Toggenburg vom Mai letzten Jahres, womit ein heute 32-Jähriger zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 4.5 Jahren verurteilt worden war. Der Mann hat Schuld am Tod seines Bruders, den er im Oktober 2017 mit einem Küchenmesser derart verletzt hat, dass dieser Bruder an der Verletzung gestorben ist. Allerdings halten die Richter fest, dass die Vorinstanz, also das Kreisgericht Toggenburg, ein zu hartes Urteil gefällt habe. Oder wie es im Urteilsdispositiv vom Montagabend heisst: «Wie nicht nur die Verteidigung, sondern auch die Staatsanwaltschaft zu Recht festgehalten hat, ist die von der Vorinstanz ausgefällte Freiheitsstrafe von 4.5 Jahren angesichts der aussergewöhnlichen Umstände deutlich zu hoch.»

So heisst in der Begründung weiter, dass man es als erwiesen ansehe, dass der Verurteilte über Jahre hinweg von seinem Bruder sexuell missbraucht sowie tätlich angegangen worden war. Die Richter schenkten denn auch dem «überzeugenden psychiatrischen Gutachten» Glauben, welches dem Verurteilten eine «hochgradig eingeschränkte Steuerungsfähigkeit» attestiert. Diese Feststellung «muss bei der Strafzumessung deutlich stärker berücksichtigt werden», heisst es im Dispositiv weiter. Zudem sind die St. Galler Kantonsrichter davon überzeugt, dass er den Tod des Bruder zwar in Kauf genommen, aber eben nicht gewollt hätte. Dies sei auch in der «aufrichtigen Reue» zu spüren. So hat das Kantonsgericht denn das Strafmass reduziert und zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt, wovon zehn Monate zu vollziehen seien, das heisst, dass er für die Dauer von zehn Monaten hinter Gitter muss. Die restlichen 20 Monate wird der Vollzug aufgeschoben, und zwar mit einer Probezeit von zwei Jahren.

Was ist eigentlich ein Urteilsdispositiv?

Das Urteilsdispositiv ist noch nicht das rechtsgültige Urteil. Der Schuldspruch und die verhängte Strafe sind zwar darin enthalten, das eigentliche Urteil wird aber erst dann rechtskräftig, wenn auf den «Rechtsmittel» verzichtet wird, wenn also beispielsweise innert einer bestimmten Frist keine Einsprache erhoben wird.

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So hat hallowil.ch bisher berichtet (18.8.21)

Am Gericht: Richter wollen Fall angemessen beraten – Urteil ausstehend

Ein heute 32-Jähriger soll im Oktober 2017 seinen Bruder «eventualvorsätzlich getötet» haben. Jedenfalls, wenn es nach dem Kreisgericht Toggenburg geht: Es hat ihn im letzten Jahr schuldig gesprochen und zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 4.5 Jahren verurteilt. Dagegen hat der Mann nun Berufung eingelegt. Die Urteilsverkündung steht noch aus und soll in den nächsten Tagen schriftlich erfolgen.

Die St. Galler Kantonsrichter haben sich heute mit der Berufung in einem wohl nicht ganz alltäglichen Fall auseinandersetzen müssen. Es geht um einen Mann, der seinen älteren Bruder mit einem Küchenmesser getötet haben soll – getötet hat. Unbestritten ist nämlich die Tatsache, dass sein Bruder wegen ihm zu Tode gekommen ist. Der Mann bestreitet aber, dabei mit Vorsatz gehandelt zu haben. So verweist auch die Verteidigung auf ein psychiatrisches Gutachten, das ihm eine verminderte Steuerungsfähigkeit attestiert. Er sei nicht in der Lage gewesen, seine «hochgradig aufgeladene Affektspannung zu kontrollieren».

Provokationen und Rüstmesser

Passiert ist es im Oktober 2017: Im Elternhaus in Bazenheid seien die beiden Brüder aufeinandergetroffen und regelrecht aufeinander geprallt. Dabei habe sich der Angeklagte «eines Rüstmessers behändigt», wie es in der Anklageschrift heisst, womit er schliesslich die Schlagader am Kopf des Bruders verletzt habe. Dieser sei später an dieser Verletzung verblutet. Unmittelbar vor dem Aufeinandertreffen im Elternhaus sei es am Telefon zu gegenseitigen Provokationen gekommen. Und noch viel früher und über eine lange Zeit hinweg habe der ältere Bruder den Angeklagten regelmässig sexuell missbraucht und Tätlichkeiten gegen ihn ausgeübt. Vor bald vier Jahren ist die Geschichte dann eskaliert, dabei ist der ältere Bruder zu Tode gekommen. Das Kreisgericht Toggenburg hat den heute 32-Jährigen dafür im Mai letzten Jahres zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 4.5 Jahren verurteilt. Das war eine deutlich schärfere Strafe als die von der Staatsanwaltschaft geforderte: 32 Monate Freiheitsentzug, wovon 12 Monate zu vollziehen und die restlichen 20 unter einer Probezeit von zwei Jahren aufzuschieben seien.

«Lebenslanges Gefängnis»

Die Vorwürfe und Vorkommnisse bestreitet der Mann also nicht. Aber er beteuert wie schon vor den Richtern der ersten Instanz heute auch vor den Kantonsrichtern, dass er das niemals gewollt habe, es habe keinen Vorsatz gegeben. Sein Bruder sei tot, und zwar wegen ihm. Immer wieder unterbrechen leise Schluchzer sein Sprechen. Er müsse in «einem lebenslangen Gefängnis» leben. Mit Therapiesitzungen versuche er heute denn auch, die Geschehnisse zu verarbeiten, stabil zu bleiben und die Suizidgedanken in den Griff zu bekommen. Mit seiner Berufung fordert der 32-Jährige einen Freispruch von Schuld und Strafe.

Nicht alltäglich dürfte für die St. Galler Kantonsrichter auch sein, dass die Staatsanwaltschaft das Urteil der Vorinstanz als zu hart empfindet. Der Staatsanwalt stellt allerdings klar: «Ich übernehme hier nicht die Verteidigung des Angeklagten.» Dennoch könne er sich der Verteidigung in einigen Punkten anschliessen, etwa darin, dass er das Strafmass als zu hoch empfände. Es sei ein «aussergewöhnlicher Fall», bei dem die Strafzumessung dem Gericht obliege, die Staatsanwaltschaft halte indes an den Anträgen aus der erstinstanzlichen Verhandlung fest und bleibt bei einer Freiheitsstrafe von 32 Monaten, wovon 20 bedingt auszusprechen seien. Die Kantonsrichter ihrerseits wollen den Fall ausführlich besprechen und haben sich zur Beratung und Urteilsfindung zurückgezogen. Das Urteil wird in den kommenden Tagen erwartet.

Das letzte Wort

In derlei Verhandlungen haben die Protagonisten in der Regel das letzte Wort, so sie es denn ergreifen mögen. Der Angeklagte will. Und so erhebt er sich, hält eine Mappe in den zitternden Händen, liest mit brüchiger Stimme seine Entschuldigung vor und bittet Angehörige und Freunde um Verzeihung. Er versuche, jeden Tag zu verstehen, in Worte zu fassen, was geschehen sei. Er ringe mit sich selbst, «mein grosser Bruder ist tot und ich wünsche mir jeden Tag, dass es andersherum gewesen wäre.» (jme)

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So hat hallowil.ch bisher berichtet (18.8.21)

Eventualvorsatz: Verurteilter legt Berufung ein und fordert Freispruch

Im Mai letzten Jahres hat das Kreisgericht Toggenburg einen Man der eventualvorsätzlichen Tötung seines Bruders schuldig gesprochen und zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 4.5 Jahren verurteilt. Nun hat der Mann Berufung eingelegt und fordert heute am Kantonsgericht St. Gallen seinen Freispruch. hallowil.ch bleibt dran.

«Nie im Leben» habe er gewollt, dass sein Bruder wegen ihm tot sei. Das beteuerte der Mann bereits an der Verhandlung vom Mai 2020. Damals hatte er sich vor dem Kreisgericht Toggenburg wegen des Vorwurfs der vorsätzlichen Tötung vor den Richtern verantworten müssen. Diese hatten ihn nach einer intensiven Verhandlung der «eventualvorsätzlichen Tötung» schuldig gesprochen und zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 4.5 Jahren verurteilt.

Dagegen wehrt sich der Mann nun mit einer Berufung. Die Verhandlung findet heute am Kantonsgericht St. Gallen statt. hallowil.ch wird an dieser Stelle über die Verhandlung berichten. (jme)

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So hat hallowil.ch bisher berichtet (28.5.20)

Eventualvorsatz: 4,5 Jahre unbedingt und Therapie für Täter aus Bazenheid

Die Toggenburger Kreisrichter haben ihr Urteil gesprochen: Es war eine eventualvorsätzliche Tötung. Der Mann, der im Oktober 2017 seinen Bruder mit einem Messer getötet hat, muss deshalb für 4,5 Jahre ins Gefängnis und sich einer ambulanten Therapie unterziehen. 

Dass er sich ein Rüstmesser holte, war schon zu Beginn der Verhandlung vom Donnerstag unbestritten. Dass er damit seinem Bruder eine tödliche Verletzung beigebracht hatte, auch. Geklärt werden sollte, wie viel Vorsatz und Schuld resp. Schuldfähigkeit hinter der Tat stecken. So verwies die Verteidigung auf das forensisch-psychiatrische Gutachten, das dem Angeklagten eine «hochgradige Einschränkung der Steuerungsfähigkeit» sowie «eine schwere Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit» attestiert. Die Verteidigung plädierte denn auch auf Freispruch, die Staatsanwaltschaft hingegen forderte eine Freiheitsstrafe von 32 Monaten. «Unabhängig davon, was jetzt kommt, bin ich bestraft», sagte der Angeklagte am Ende der Verhandlung und vor der Urteilsverkündung. Und dass es ihm leid tue, dass er es «nie im Leben» gewollt habe und es noch immer surreal sei, dass ein Bruder wegen ihm tot sei.

Tötung ist ein Kapitaldelikt

Die Richter am Kreisgericht Toggenburg haben ihr Urteil am Donnerstagabend gesprochen: Der Mann habe sich der «eventualvorsätzlichen Tötung» schuldig gemacht. Dafür verhängen die Richter ein Strafmass von 4,5 Jahren und eine ambulante Therapie. Auch muss der Verurteilte Genugtuungen an die Hinterbliebenen leisten und die Verfahrenskosten übernehmen, so es seine finanziellen Möglichkeiten zulassen.

«Es ist ein Kapitalverbrechen», hielt der vorsitzende Richter in der mündlichen Urteilsbegründung fest. Auch sei dem Verurteilten im forensisch-psychiatrischen Gutachten zwar eine massive Einschränkung der Steuerungsfähigkeit attestiert worden, aber eben keine Hundertprozentige. Sobald man ein Messer gegen jemanden einsetze, nehme man in Kauf, dass dieser Einsatz tödlich ende. Die Richter würden dabei aber anerkennen, dass der Verurteilte nicht mit direktem Vorsatz gehandelt habe, aber er habe eine schwere Folge in Kauf genommen. Mit den 4.5 Jahren unbedingt ist das verhängte Strafmass deutlich höher als das von der Staatsanwaltschaft geforderte. Das sei so, weil man sich an der Gesetzgebung orientiert habe und diese sähe für eine solche Tat ein Strafmass von fünf bis 20 Jahren vor. Der Verurteilte scheint mit dem Urteil nicht gerechnet zu haben, er wirkt niedergeschlagen, den Tränen nahe. Seine Lebensgefährtin, die der Verhandlung beigewohnt hatte, weint. (jme)

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So hat hallowil.ch vor der Urteilsverkündung berichtet (28.5.20)

Wird er verurteilt? Seit heute Donnerstagmorgen muss sich ein 31-Jähriger vor dem Kreisgericht Toggenburg verantworten. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft soll der Beschuldigte seinen Bruder vorsätzlich getötet haben. Nach einem langen Verhandlungstag haben sich die Richter vom Kreisgericht Toggenburg am späten Nachmittag zur Besprechung zurückgezogen. Ob das Urteil heute noch verkündet werden kann, wird am frühen Abend bekannt gegeben. hallowil.ch bleibt dran.

Was war passiert?

Am Mittag des 16. Oktober 2017 traf der Angeklagte offenbar in guter Stimmung im Elternhaus in Bazenheid ein. Dort habe er sich mit dem jüngeren Bruder zum Gamen in dessen Zimmer zurückgezogen. Der Vater habe dann Schreie aus dem Zimmer vernommen und nachgesehen. Es habe sich herausgestellt, dass der Angeklagte mit dem älteren Bruder telefoniert habe, der später der Stichverletzung erlag. Dabei sei eine Geldforderung zur Sprache gekommen, die der Angeklagte gegenüber diesem Bruder geltend machte. Das Gespräch sei eskaliert, man habe sich gegenseitig provoziert. Dies bestätigen sowohl der jüngere Bruder, der mit dem Angeklagten am Gamen war, als auch der beste Freund des später Getöteten, der bei diesem zu Besuch war. Der Beschuldigte habe den älteren Bruder mehrfach aufgefordert, zum Elternhaus zu kommen, was dieser dann auch getan hatte. In der Zwischenzeit sei es dem Vater und dem anwesenden Bruder gelungen, den Angeklagten kurzfristig zu beruhigen. Warum es zum zweiten Telefonat zwischen den Beschuldigten und dem später Getöteten gekommen ist, konnte im Verlauf der Verhandlung nicht vollständig geklärt werden. Dass es dieses zweite Gespräch gab und dass der Beschuldigte daraufhin ein Rüstmesser aus der Küche holte, ist jedoch von den Parteien unbestritten.

Als der ältere Bruder beim Elternhaus eintraf, versuchten der Vater und der andere Bruder die beiden Streitenden davon abzuhalten, aufeinander zu treffen. Das Zuhalten der Türe habe nicht funktioniert, auch, weil der Angeklagte die Tür von innen aufgezogen habe. Daraufhin sei der Bruder «wie eine Dampfwalze» ins Haus gestürzt, so habe es die Mutter bei der Einvernahme zu Protokoll gegeben. Im Elternhaus seien die beiden Brüder buchstäblich aufeinander geprallt und zu Boden gefallen. Der Angeklagte sei unter dem körperlich überlegenen Bruder gelegen, der ihn zu schlagen versucht habe. Als dann das Blut des Älteren auf das Gesicht des Angeklagten getropft habe, habe der Ältere gerufen: «Friss mein Blut!» Daraufhin sei er zu einer nahegelegenen Arztpraxis gelaufen, dort habe man ihn notfallmässig versorgt. Trotz des Aufgebots von Ambulanz und Rega ist der Bruder noch auf dem Weg ins Spital verstorben. Bis hierhin sind sich die Parteien weitestgehend einig.

Wirklich schwierig wird es dann aber bei der Vorgeschichte der Brüder: Sie hätten immer ein gutes Verhältnis gehabt, «ich habe ihn geliebt, ich liebe ihn immer noch», so der Angeklagte zu Beginn der Verhandlung. Aber er sei vom Bruder regelmässig und über Jahre hinweg missbraucht worden. Der Missbrauch sei körperlicher und sexueller Natur gewesen. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung gehen davon aus, dass diese Missbräuche stattgefunden hätten. Nur: In welchem Masse sind diese Missbräuche für die Schuldfähigkeit des Angeklagten wichtig? Dies und die damit einhergehende Frage nach der Schuldfähigkeit des Angeklagten stand denn auch im Zentrum der heutigen Verhandlung am Kreisgericht Toggenburg. Vor der Tat sei der psychisch schon seit Jahren angeschlagene 31-Jährige sehr labil gewesen und von quälenden Erinnerungen heimgesucht worden, die auch mit dem Missbrauch zu tun gehabt hätten. War der psychische Zustand des Angeklagten so angegriffen, dass er seine Tat nicht steuern konnte? Der Beschuldigte sagt, er wisse nicht mehr, warum er das Rüstmesser geholt und die Tür geöffnet habe. Er sagt von sich auch, er sei Pazifist und halte nichts von Gewalt, nie habe er gewollt, dass so etwas passiert. So sei er auch aus Respekt vor den Hinterbliebenen nach der Tat weit weggezogen. Der Angeklagte sagt aber auch, dass er glaube, dass jeder Mensch provoziert werden könne, egal wie die Einstellung sei.

Urteilsverkündung steht noch aus

Noch beraten die Richter. Der vorsitzenden Richter verweist am Ende der Verhandlung darauf, dass es viele Punkte zu besprechen gäbe und dass das Urteil nicht vor heute 18 Uhr zu erwarten sei, eher werde es später. (jme)

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Ein mutmasslicher Mörder aus Bazenheid steht vor Gericht (28.5.20)

Heute Donnerstag muss sich ein 31-jähriger Schweizer vor dem Kreisgericht Toggenburg verantworten. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft soll der Beschuldigte seinen Bruder vorsätzlich getötet haben. Wird er verurteilt? Hallowil.ch berichtet von der Verhandlung.

Dieser Fall hat es in sich: Ein 31-Jähriger Mann wird Ende Mai vor dem Toggenburger Kreisgericht stehen, weil er seinen Bruder vorsätzlich getötet haben soll. Die Straftat fand am 16. Oktober 2017 in Bazenheid statt. Während der Beschuldigte an diesem Tag mit einem seiner Brüder Computerspiele im Elternhaus spielte, kamen die beiden auf ein Thema zu sprechen, das zu einem tragischen Ende geführt haben soll: Ein anderer Bruder - das spätere Opfer - soll dem Beschuldigten 8000 Franken aus dem Verkauf des Elternhauses schulden. Im Gespräch erklärte der Bruder dem Beschuldigten, dass der andere Bruder das versprochene Geld nicht mehr hat. Daraufhin kam es zu einem Telefongespräch zwischen dem Beschuldigten und seinem späteren Opfer. Obwohl das Telefongespräch zuerst ruhig verlief, soll es zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen sein. 

Der Beschuldigte forderte seinen Bruder auf, zum Elternhaus nach Bazenheid zu kommen. Bevor sein Bruder dort eintraf, lief der Beschuldigte in die Küche und nahm ein «Rüstmesser mit einer spitzen, gewellten und etwa acht Zentimeter langen Klinge». Der Bruder und Vater des Beschuldigten konnten den Beschuldigen kaum bändigen. Auch das spätere Opfer liess sich kurz nach seinem Eintreffen vor der Haustüre nicht vertreiben. Als es zur körperlichen Auseinandersetzung kommt, soll der Beschuldigte seinen Bruder mit dem Messer am unteren Ohrmuschelansatz und die äussere Kopfschlagader getroffen haben. Als dann das Blut aus der Halswunde des Opfers auf das Gesicht des Beschuldigten floss, schrie das Opfer: «Friss mein Blut.»

Das Opfer verliess das Elternhaus umgehend mit der Stichwunde am Hals und rannte zur nahegelegenen Arztpraxis. Obwohl der Mann notfallmedizinisch versorgt wurde, verstarb er auf dem Weg ins St. Galler Kantonsspital als er mit dem Rettungshubschrauber dorthin geflogen wurde. Nach Angaben der rechtsmedizinischen Untersuchung starb das Opfer «an einem erheblichen Blutverlust.»

Vom Bruder sexuell missbraucht

Ein weiteres brisantes Detail wird in der Anklageschrift ebenfalls erwähnt: Der Beschuldigte wurde zwischen seinem 7. und 14. Lebensjahr von seinem Bruder regelmässig alle zwei Wochen sexuell missbraucht. Und bereits vor den sexuellen Übergriffen und bis zu seinem 16. Lebensjahr wurde der Beschuldigte mehrmals pro Woche ebenfalls von seinem Bruder misshandelt. 

Heute muss sich der Beschuldigte vor dem Kreisgericht Toggenburg in Lichtensteig verantworten. Die Staatsanwaltschaft fordert in der Anklage wegen vorsätzlicher Tötung eine Freiheitsstrafe von 32 Monaten. Weiter ist die Staatsanwaltschaft der Überzeugung, dass der Beschuldigte  «im Sinne einer vollzugsbegleitenden ambulanten Behandlung zur Aufnahme einer psychotherapeutischen Behandlung unter Aufsicht eines Psychiaters zu verpflichten ist». Bis zu einer allfälligen rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung. (red)