Zum dritten Mal liess die Katholische Pfarr- und Kirchgemeinde Wil die Erinnerung an den Heiligen Martin von Tours als Laternenspaziergang aufleben. Norbert Schalk, Leiter des Dienstbereiches Jugendbildung, zeigte sich hoch erfreut über das grosse Interesse an einem alten christlichen Brauchtum.Mit dem St. Martinstag wird an die Grablegung des Bischofs Martin von Tours am 11. November 397 erinnert. Der ehemalige römische Soldat, der sich später taufen liess und sich dem Christentum zuwandte, hatte sich bei seinem Wirken in Frankreich für mehr Gerechtigkeit eingesetzt und ist heute Namenspatron unzähliger Kirchen.

Auftakt in der Stadtkirche
Der Abend begann um 17.30 Uhr in der Stadtkirche St. Nikolaus. Cäcilia Koller erzählte die Geschichte des grossen Wohltäters, der gerade in der heutigen Zeit des wachsenden Egoismus ein grosse Vorbild ist. Auch wenn seit seiner Geburt 1700 Jahre verstrichen sind, ist die Geschichte des Heiligen aktueller denn je. Gemäss Legende soll er als Offizier seinen Mantel mit einem frierenden Bettler geteilt haben.

Teilen aktueller denn je
Norbert Schalk, der als Leiter des Dienstbereichs Jugendbildung erstmals für die Organisation zuständig war, stellte die Frage, ob es uns auch heute noch gelinge, uneigennützig und ohne Gegenleistung zu teilen. Teilen sei heute wichtiger denn je.

Nach zweimaligem Singen des St. Martinliedes unter den Gitarrenklängen von Carmen Baier und Denyse Lehner verliess die erwartungsfrohe Schar die Stadtkirche mit den mitgebrachten oder von Helferinnen vorbereiteten Laternen. Draussen wartete bereits Marlies Künzle als Reiterin und Darstellerin des Heiligen Martin im historischen Kostüm und mit Helm auf den Abmarsch.

Vom Soldaten zum Mönch
Auf dem Weg durch die Altstadt zur Kirche St. Peter wurden kurze Szenen aus dem Leben des Heiligen dargestellt. Erste Station des Umzugs war der Platz vor dem Baronenhaus, wo die wohl eindrücklichste Erinnerung an Martin gespielt wurde. Eines Tages, an einem kalten Winterabend, war er von einem Bettler um eine Gabe gebeten worden. Da Martin selbst nichts mehr hatte, stieg er von seinem Pferd und teilte seinen Mantel mit dem Schwert, nahm eine Hälfte für sich selbst und gab die andere dem vom Erfrierungstod bedrohten Bettler. Dieses Erlebnis veranlasste ihn dazu, den Soldatenberuf aufzugeben und sich fortan nach dem Vorbild der Jünger als Mönch auf den Spuren von Jesus zu bewegen.

Nach einigen Liedern zogen die Kinder, welche mit ihren Laternen Licht in den düsteren Abend brachten, zum Bärenplatz und schliesslich über die Obere Bahnhofstrasse zum Platz vor der Kirche St. Peter, wo der St. Martins-Lichterumzug mit einer weiteren Szene aus dem Leben des Heiligen Martin, zwei Liedern und dem von Norbert Schalk erteilten Segen endete.

Auf die Kindergärtler und Unterstufenschüler sowie deren Begleitpersonen warteten nun vor dem katholischen Pfarreizentrum warme Getränke und Zuckerbretzeln. Das lodernde Feuer brachte zusätzlich Wärme in einen besinnlichen Anlass, der in Zukunft zu einem festen Bestandteil des Wiler Brauchtums werden soll.

Neuauflage am 11. November 2018
Mit dem Hinweis, dass der vierte Laternenspaziergang im kommenden Jahr auf Sonntag, 11. November, angesetzt sei, entliess Norbert Schalk die Kinder mit ihren Begleitpersonen in die feuchtkalte Novembernacht.