Es war das gebotene Programm als Ganzes, was das Publikum am diesjährigen Hofnarrenball der FGW (Fastnachtsgesellschaft Wil) im Wiler Stadtsaal in Stimmung hielt und für beste Unterhaltung sorgte. Dafür sorgten auch regionale Grössen wie Roberto Martinez aus Zuzwil, der als Inder verkleidet die Gäste begrüsste. Der amtierende Hofnarr Andy Zehnder nahm in seinem Jahresbericht Politisches aus dem vergangenen Jahr auf die Schippe, um dann mit Christoph Blocher, gespielt von Komiker Patric Schäfler über sein früheres Blatt, die Wiler Nachrichten, zu diskutieren. Als Pöstler verkleidet hielt Gaby Flammer die Laudatio zur Ernennung des Hofnarr 2018, Walter Dönni.Der Wiler Fastnachtsgesellschaft gelang auch zur 29. Auflage des Hofnarrenball vor vollem Haus das Programm ablaufen zu lassen. Kostümiert heisst am Hofnarrenball nicht einfach etwas Schminke auftragen oder ein Auftritt wie zu Grossvaters oder Grossmutters Zeiten. Ideenreiche und bunte Kostüme prägten auch in diesem Jahr die Auftritte der Gäste, einer Modeschau gleich zeigen sich immer noch schönere Kostüme. Der vorausgehende Apéro bot beste Gelegenheiten sich unter den Gästen in Szene zu setzen. Interessant ist die Tatsache, dass Kostümiert an keine Altersgrenze gebunden ist. In diesem dürfte die jüngere Generation die Mehrheit gebildet zu haben. Ballstimmung war bald einmal angesagt mit Top-Musik der Band „Premium Style“. Das best mundende Ballmenu rundete den unterhaltsamen Ballabend ab.

Wil mit indischer Prägung?
Den ersten Akzent zum Programmauftakt boten sechs FGW Mitglieder aus dem Neunerrat gleich selber, indem sie dem Publikum einen Männerstrip zu präsentieren gedachten. Bereits als erste Hüllen fielen, durften sie beim Publikum ersten Applaus ernten. Noch in Hemd und Hose gekleidet, liessen sie nächste Stripschritte erwarten, was sich dann aber nicht erfüllen sollte. Ballchef Guido Kohler auf Nachfrage: „Weiter gehen wir vielleicht nächstes Jahr mit Damen“.

Dass Wil sehr viel mit indischer Prägung zu tun hat, darauf ging Moderator Roberto Martinez, selber in indischer Kluft erscheinend, in seiner Begrüssung ein. Wil sei bekanntlich indernational bekannt, es gebe in Wil sogar einen Inderdiscount. Für indische Verhältnisse spreche auch die Tatsache, dass in Wil Indercity-Züge Halt machten. Indien finde sich auch andernorts in der Schweiz wie etwa in „Inderlaken“. Für beste Pointen sorgte Roberto in der Fortsetzung, als er mit den Texten der eingeblendeten Werber das Abendprogramm zusammenreimte.

Brillante Comedy mit Peter Löhmann
Dem Komiker deutsch-schweizerischer Herkunft gelang es vorzüglich, das Publikum von der ersten Minute an in Stimmung zu bringen. Aus seinem Programm stellte er seine turbulente Kindheit in den wilden 80er-Jahren vor, wie er sie nannte. Ausführlich stellte er die dannzumal übliche Leckmuschel vor, wie man diese bis aufs Blut auf der Zunge genossen habe. Mit Zaubereien konnte er ebenso verblüffen, wie er einer Dame die angebotene 10er-Note angeblich in Stücke riss, um dann wieder eine ganze Note zurück zu geben.

Politisch gefärbte Bütte des Hofnarr
Nicht ganz so viele Lacher erreichte die nachfolgende Bütte des amtierenden Hofnarr Andreas Zehnder. Von Beginn weg war seine Bütte politisch gefärbt. Zu den attraktiven Einlagen gehörte sicher die Vorstellung des Auftritts von Ständerätin Karin Keller-Sutter am WEF, wie sie Donald Trump die Hand schütteln durfte. Was in Deutschland die GroKo, hätten wir in Wil mit der Schwanen-Mafia der CVP neben den Farbigen von SVP, FDP, SP und Grünen. Eine Reihe Politthemen aus dem Parlament liess er anschliessend folgen. (siehe Bild)

Seinem früheren Leibblatt, den Wiler Nachrichten, ermöglichte er einen buchstäblichen Werbeblog. In der Person des Komikers Patric Schäfler liess er im zweiten Block Christoph Blocher, den neuen Besitzer des Wiler Nachrichten auftreten. Blocher wies zuerst mögliche Abbaupläne unter seiner Führung zurück. Zwar etwas langatmig wirkend, erhielt das Publikum einzelne Seiten aus den Wiler Nachrichten vorgestellt. Blocher bestätigte, dass alle Themen in seinem Blatt einen Platz bekämen. Dazu gehörten neben aktuellen Tagesthemen auch Horoskop und erotische Inserate wie Tai-Massagen, bekanntlich seien diese Menschen auch schaffige Leute. Den Schlussapplaus hatte Zehnder auf sicher.

Der neue Hofnarr ein Kulturmensch durch und durch
Wohl eine Kollegin hatte der zukünftige Hofnarr für die Laudatio zu seiner Ernennung angeheuert. Die Zuzwilerin Gaby Flammer begann mit einer Reihe Leserbriefe, was die Leute vom neuen Hofnarr erwarten. Dazu liess sie auch regionale Grössen zu Wort kommen. Auf die Person des neuen Hofnarr eingehend liess sie das Publikum noch länger im Ungewissen raten. Als dann Tourist-Info am Bahnhof unter anderem Thema war, wurde es immer klarer wer es wohl sein könnte. Dass er ein Kulturmensch erster Güte sei, bestätigte die Person von Walter Dönni, Präsident der Bühne 70 und aktiver Theaterspieler.

Der Auserwählte Walter Dönni gab sich überaus erfreut über seine Ernennung. Er könne schon heute versprechen, dass er in einem Jahr eine kulturbetonte Bütte halten werde. Er zeigte Respekt, der Würde des Amtes in allen Teilen genügen zu wollen.

Nach feinsten Genüssen des Ballmenus aus der Stadtsaal-Küche fand anschliessend das Dessert-Buffet Eröffnung. Damit war das offizielle Ballprogramm zu Ende, nicht aber der Ballabend. Die Ballbar lud zu einem Umtrunk und Kontakten mit Bekannten ein. Auf der Saalbühne waren die Tanzfreudigen zu weiteren Tänzen eingeladen.