AGV-Präsident Markus Fust begrüsste im Konferenzsaal von Cicor eine Vielzahl Unternehmer aus der Region Wil und dem Hinterthurgau. Mit dem Besuch von Cicor, dem Digital-Produktehersteller, finde das Thema Digitalisierung passende Betonung. Markus Fust: «Digitalisierung betrifft uns alle, ob wir wollen oder nicht».

Weiter thematisierte Fust das Entwicklungsprojekt ESP Wil-West, wo es um die Ansiedlung von 2000 bis 3000 Arbeitsplätze geht. Der AGV Vorstand stehe geschlossen dahinter, nicht zuletzt auch deshalb, die Abwanderung von Unternehmen zu verhindern. Hinzu komme, dass mit dem A1-Anschluss und weiteren Massnahmen eine Verkehrsentlastung für die Stadt realisiert werde. Zum Gelingen bedarf es nach Fust dem Eingehen von Kompromissen und dem Einstehen für das Projekt.

Cicor, Arbeitsplatz für 180 Mitarbeitende

Management Direktor Erich Künzle wies zur Vorstellung des Unternehmens darauf hin, dass sie in Bronschhofen mit um 180 Mitarbeitenden aktuell um 220 Mio. Umsatz erreichten, Tendenz steigend. Mit dem Umzug vor zwei Jahren von der Industriestrasse in das Gebiet Gebenloh verfügten sie über beste Produktionsstätten. Sie gehörten zwar zur Cicor-Gruppe, das Unternehmen laufe noch immer unter Swisstronics Manufacturing. In den Niederlassungen von Cicor weltweit arbeiteten um 2'000 Personen.

Bei der Produktepalette seien 40% für die Industrie, 25% Medizin, 13% Uhren und Konsum. 25% der Produkte bleiben in der Schweiz, 45% gehen in Länder der EU, 22% nach Asien und 10% in die USA. 35% der Produkte werden in der Schweiz hergestellt.


Digitalisierung fordert Miniaturisierung

Die Geschichte der späteren Swisstronics begann im Jahr 1994 mit der Produktion in Bronschhofen. Im Jahr 2000 seien 500'000 ISDN-Telefongeräte hergestellt worden. Die Übernahme durch Cicor hat im Jahr 2005 stattgefunden. Im kommenden Jahr (2019) wird im Betrieb Bronschhofen das Cicor Labor Printed eröffnet. Dabei geht es um Anwendung einer neuen Technik, dem Auftragen von Leiterbahnen auf Leiterplatinen. Cicor zeichne sich darin aus, den Kunden von der Planung bis zum Lebensende des Produktes zu begleiten. Dank breit abgestützten Testeinrichtungen erreicht das Unternehmen eine 98-prozentige Funktionssicherheit bis zur Auslieferung der Geräte.

Zu den Produkten wies Künzle im zweiten Teil darauf hin, dass gerade für Grossserien die Auslagerung nach Asien sich verstärke. In allen Bereichen werde immer mehr automatisiert. Die laufende Digitalisierungswelle mit steigenden Anwendungsbereichen fordere eine Miniaturisierung der Baugrösse bei den Geräten. Das Auto von heute ist nach Künzle vollgepackt mit Digitalisierung. Ein Tritel-Telefon von Flims war mit 70 Komponenten bestückt. Dem stehe ein heutiges Smartphone mit 1'300 Komponenten gegenüber. Hinzu komme, dass das Tritel nur für den Schweizer Markt galt, das Smartphone weltweit in gleicher Ausführung Anwendung finde. Die laufende Entwicklung fordere, mehr Jugendliche für den Beruf des Elektronikers zu begeistern, was sie kürzlich mit einem Jugendtag angestossen hätten, schloss Künzle seine Ausführungen.


Die Entwicklungszyklen im Finanzbereich

Beat Bollinger, Bankleiter der Raiffeisenbank Wil, erhielt Gelegenheit, sich zur aktuellen Finanzentwicklung zu äussern. Bollinger verwies nach einem Rückblick auf letzte Jahrhunderte auf den aktuellen Konjunkturzyklus. Bei der Geldpolitik laufe seit dem Jahr 2005 ein steter Ausbau der Geldmenge, man könne von einer Geldschwemme reden. Innert 10 Jahren habe eine Steigerung um das Vierfache stattgefunden. Dies führe zu sinkenden Zinsen bei Staatsanleihen und steigenden Erträgen bei Aktien, die Börse entkopple sich vom Unternehmensgewinn.

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Als Kurve stellte Bollinger den Verlauf von Finanzkrisen vor mit den emotionalen Auswirkungen bei Anlegern.

Die Wirtschaft erlebt nach Bollinger aktuell die zweitlängste Wachstumsphase, aktuell 111 Monate. Die Frage stelle sich: «Wie lange noch?». 2019 erwartet Bollinger ein Absenken der expansiven Geldpolitik, was in nächsten Jahren zu steigenden Zinsen führen werde. Jedenfalls seien die Banken mit laufender Beobachtung dabei.

6. Jahr mit Auszeichnung Top Lehrling

Es war an Barbara Nadler die Auszeichnung der gewählten Toplehrlinge vorzunehmen. Mit der bereits sechsten Auflage wolle der AGV den Stellenwert des Handwerksberufes betonen, um nicht einen Akademisierungswahn aufkommen zu lassen. Schulen und Eltern seien gefordert, die sich anbietenden Aufstiegs-Chancen bei Handwerksberufen zu betonen.

43 KandidatInnen hatten sich mit Bestnoten 5,0 und höher für die Auszeichnung angemeldet. Erstmals wurden drei Top Lehrlinge, Andreas Schneider, Dario Näf und Lori Grosso per Auslosung speziell mit Reisegutscheinen von 100 bis 300 Franken belohnt. Die Note 5,7 erreichten Patrick Runge, KV bei Pfaff Fertiggaragen; Lia Cailleret, Kat. Gesundheit, Gesundheitszentrum santémed.

Acht Kategoriensieger erhielten Auszeichnungen. Kat. Industrie: Timo Gämperle, Polymechaniker mit Note 5,0; Kat. Bau: Thomas Zwick, Maurer EFZ mit Note 5,3; Kat. Gesundheit: Lia Cailleret, Medizinische Praxisassistentin, Note 5,7; Kat. Detailhandel: Viviane Schönenberger, Detailhandelsfachfrau, Note 5,3; Kat. KV ohne BMS: Patrick Runge, Kaufmann EFZ, Note 5,7; Kat KV mit BMS: Ariane Stillhard, Kauffrau EFZ, Note 5,2; Kat. Gewerbe: Céline Zwick, Gestalterin Werbetechnik, Note 5,4; Kat. Technik: Markus Schibli, Informatiker EFZ, Note 55.

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Digitalisierung sorgt für einschneidende Veränderungen

Das abschliessende Referat von Nationalrat Marcel Dobler, aktuell Präsident von ITC Switzerland, galt dem Aufzeigen kommender Veränderungen mit dem flächendeckenden Einzug der Digitalisierung auf allen Ebenen. Dobler wies darauf hin, dass sein Berufswunsch Informatiker zu seiner Jugendzeit nicht erfüllbar war, es gab ihn gar nicht. Er lernte Elektroniker. Dobler durchlief die ganze handwerkliche Laufbahn bis zum Unternehmer im Elektronikbereich. Zur laufenden sportlichen Laufbahn kam später die Politische dazu, heute mit Schwerpunkt Sicherheitskommission im Nationalrat.

Die Digitalisierung hat nach Dobler bei der jungen Generation wohl nahezu 100% Potential erreicht, auf Bahnhöfen sehe man kaum mehr Leute ohne Natel in Händen. Steigerungspotential gebe es bei der älteren und älter werdenden Generation. Dobler betonte, dass mit Digitalisierung auch Stärkung des Wohlstandes bedeute, was in der aktuellen niedrigen Arbeitslosenzahl bestätigt sei. Die Digitalisierung werde es in Bundesbern allerdings noch schwer haben, weil die Departemente noch stark im Silo-Denken verharrten und nicht übergreifend agierten. Auch hätten die Parlamentarier ob dem hohen Altersdurchschnitt eher wenig IT-Erfahrung.

Auswirkungen der Digitalisierung erkennbar

Nach Dobler ist die Schweiz ein optimaler Datenstandort, was zahlreiche Weltfirmen wie Google und andere nutzten. Mit dem Datenaustausch seien auch millionenschwere Datenaktivitäten verbunden, welche bisher keine Steuerabgaben bewirkten. Die EU sei in Vorbereitung einer Digital-Steuer, die Schweiz könnte folgen.

Die Digitalisierung geht nach Dobler auch unerwartete Wege, wenn man z.B. ein Bankkonto per Video-Gespräch eröffnen könne. Dobler startete einen parlamentarischen Vorstoss, um auch Medikamente per Videogespräch bestellen zu können, um damit die Rezeptpflicht für Onlinehandel nicht rezeptpflichtiger Medikamente aufheben zu können. Der Onlinehandel steigere sich laufend. Unterdessen kämen mehr Pakete vom Ausland in die Schweiz als umgekehrt. Fortschrittlich zeige sich der Kanton St. Gallen, bis 2025 alle Dokumente elektronisch abrufbar zu bieten und die elektronische Unterschrift als gültig zu erklären.

Mit abschliessenden Fragen seitens Markus Fust an die Adresse von Marcel Dobler schloss die breit angelegte Herbsttagung des AGV.