Eigentlich finden die Bettwiesner Gemeindeversammlungen im Untergeschoss des Kindergartens statt. Vorgestern aber versammelt sich der 63-köpfige Souverän in der Turnhalle. «Im UG des Kindergartens hätten bloss 50 Stimmberechtigte Einlass erhalten», sagt Gemeindepräsident Patrick Marcolin eingangs der Versammlung. Zudem erinnert er sich, dass es genau 729 Tage her ist, seit der letzten physisch abgehaltenen Versammlung. Zeit also, wieder von Angesicht zu Angesicht über die Traktanden zu empfinden. Bei einer Einwohnerzahl von aktuell 1240, sind deren 783 Stimmberechtigt, wie angetönt, sind 63 von ihnen mit einer grünen Stimmkarte live dabei und entscheiden, bei zwei Enthaltungen, einstimmig, dass der Steuerfuss der Politischen Gemeinde von 49 auf 47 Steuerprozent gesenkt wird. Ebenso einstimmig – bei einer offenen Abstimmung – wird das Einbürgerungsgesuch einer deutschen Staatsangehörigen genehmigt. Spannend wäre es hierbei sicher zu wissen, wie das Resultat ausgesehen hätte, wenn, wie es noch vor wenigen Jahren der Fall war, wenn diese Abstimmung geheim gefällt worden wäre. Die Antragstellerin hat sich dieses hervorragende Resultat sicherlich verdient. So stellte sie sich, trotz grosser Nervosität, ans Mikrophon und erklärte ihre Ansichten betreffend Schweizer Bürgerrecht.


Die Krux mit der Kanalisation

Der Gemeinderat beantragt den Stimmberechtigten einen Investitionskredit für die Erweiterung der Kanalisation (Haupt- und Bahnhofstrasse), der Erneuerung von Wasser- und Elektrizitätsleitungen (Bahnhofstrasse) und für den Strassenbau inklusiver Verkehrsberuhigung (Bahnhofstrasse), zu sprechen. Gerechnet wird hierfür mit Kosten von 2,7 Millionen Franken. Nach einigen Wortmeldungen und einer Anpassung im Antrag des Gemeinderates betreffend Strassenbreite der Bahnhofstrasse, wird dieser Kredit mit grossem Mehr gutgeheissen. Auch das Budget 2022 wird nach kurzer Diskussion abgesegnet. Worin das Anliegen eines Votanten, in welchem er einen Budgetposten um rund 40'000 Franken erhöhen will, ebenfalls Zustimmung erhielt. Mehr Geld für die genauere Begutachtung der Altlasten in gewissen Bodenarealen war dahingehend sein Ziel. Zudem soll die Gründung einer Kommission, die sich damit langfristig beschäftigen soll, aufgegleist werden.

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Nach 90 Minuten hatte Bettwiesens Gemeindepräsident Patrick Marcolin die Traktanden allesamt erfolgreich abgehandelt. Links, Gemeindeschreiberin Corinne Oertig.

Und zum Schluss noch dies; ein Antrag ausserhalb der traktandierten Liste fand keine Mehrheit. Darin wollten zwei Stimmbürger den Bettwiesner Austritt vom Label Energiestadt erreichen. Ihre Begründungen wie, die Kosten hierfür seien nicht gerechtfertigt, oder das Ganze sei nur eine Alibiübung, finden keinen Anklang. Somit wird sich die Gemeinde weiterhin für das Label einsetzen und, wenn möglich, beim nächsten Audit besser abschneiden.