1977 wurde das neue Schulhaus mit einem grossen Fest eingeweiht. Nun erinnerte das Schulhausteam zusammen mit dem Elternrat Bichwil mit einem ganz speziellen Konzert an diese Tatsache. Alle Kinder aus Bichwil und Niederglatt, vom kleinen Kindergarten bis zur sechsten Primarklasse, standen dabei erst einmal im Mittelpunkt. Später trat als Höhepunkt der Feier der bekannte Liedermacher Linard Bardill, zusammen mit Kollege Bruno Brandenberger am Bass auf. Die ganze Turnhalle vibrierte vor lauter Leben und lautstarker Vorfreude. Auch aus Oberuzwil hatten sich unzählige Gäste eingefunden.Festfreudiges Bichwil
Erst gerade, nämlich 2015, feierte Bichwil 1150 Jahre seit seiner ersten urkundlichen Erwähnung, und zwar mit unzähligen schönen Festivitäten. Schule, Vereine und beide Kirchgemeinden hatten dafür ganz unterschiedliche Anlässe organisiert, welche eine breite Aufmerksamkeit erreichten. Für die Kinder war bestimmt die Woche mit dem Zirkus Bengalo DER Höhepunkt, konnten sie damals doch völlig neue Talente entdecken und viele von ihnen diese als Artisten einem grossen Publikum vorführen.

Etwas aus der Geschichte der Schule Bichwil
Fast 50 Jahre sind vergangen, seit in Bichwil die konfessionellen Schulen abgeschafft worden sind. 1968 wurde schliesslich ein Zweckverband zum Bau einer Turnhalle gegründet, 1969 die Schulen verschmolzen. Die Turnhalle stand 1971 bereits auf dem Feld an der Kreienbergstrasse, damals noch ganz einsam. Bis zum Bau des neuen Schulhauses dauerte es noch sechs Jahre. Es gibt verschiedene Familien, aus denen bereits die dritte Generation in Bichwil zur Schule geht.

Seit vierzig Jahren können Bichwiler Buben und Mädchen – seit 2013 auch Kinder aus Niederglatt – nun also schon im „neuen“ Schulhaus Wichtiges für ihr weiteres Leben lernen. Aus diesem Grund luden Elternrat und Schule Bichwil alle Schulfreunde zu einem kleinen Fest ein. Das Elternrats-Team hatte den Anlass auf die Beine gestellt. Mehr als 550 Stühle und Bänke standen bereit. In der Turnhalle summte es denn auch schon vor Beginn wie in einem riesigen Bienenstock.

Ganze Generationenketten an Bichwils Schule
Elternratspräsident Lorenz Moser, selber in diesem Schulhaus zur Schule gegangen, moderierte den Abend mit humorvollen Worten. Mosers Vater Kurt hatte noch im katholischen Schulhaus, dem heutigen Pfarreiheim, Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt. Heute gehen hier seine Enkel in den Kindergarten und in die Schule. Und der Urbichwiler Alex Lenz kann sich noch gut an die Einweihung des neuen Schulhauses erinnern, welche 1977 mit einem grandiosen zweitätigen Fest begangen wurde. Mit Leiterwägeli habe man all die Schiefertafeln und sonstiges Material aus den ehemaligen Schulhäusern ins brandneue Schulhaus gezügelt und sich je nach Befindlichkeit mehr oder weniger auf das Lernen im neuen Schulhaus gefreut.

Riesiger Schülerchor
„Mitenand goht’s besser“ sangen die Kinder als Erstes aus voller Kehle, sehr wohltönend und textsicher, und zwar auch die Kleinsten. Dabei wurden sie effektvoll begleitet von Schulleiterin Corinne Hörler, welche auch den ganzen Text gut sichtbar vorsprach. In der kurzen Zeit seit den Sommerferien hatten die Schülerinnen und Schüler diese Lieder einstudiert, eine tolle Leistung. Natürlich wurden sie für ihre Darbietung auch mit einem tosenden Applaus der begeisterten Eltern, Grosseltern oder andern an der Schule Interessierten belohnt. Beim Abgang von der Bühne sorgten Kindergärtnerinnen und Lehrkräfte sorgfältig dafür, dass keines im Gewühl von der Treppe stürzte.

Ansprache von Schulpräsident Roland Waltert
Schulpräsident Roland Waltert erzählte zwischen den zwei fetzigen Liedern des riesigen Schülerchors in kurzen Worten ein paar bedenkenswerte Müsterli aus früheren Zeiten. Zuerst gab er jedoch seiner Freude Ausdruck, dass schon Eltern oder gar Grosseltern der heutigen Bichwiler Schulkinder vor Ort zur Schule gegangen seien, vielleicht heute gar im Saal sitzen würden. Den Kindern erzählte er, dass 1977, zur Zeit des Schulhausneubaus, noch lange nicht in jedem Haus ein Telefon gehangen habe, und vor allem natürlich keines, welches man in den Hosensack stecken könne. Damals ging man auch noch am Samstagmorgen in die Schule, da war nichts mit Ausschlafen...

Zu jener Zeit hatten auch alle umliegenden Länder noch ihre eigene Währung, was den Kindern im Mathematikunterricht oft Kopfzerbrechen bereitet habe, wenn sie beispielsweise Lire in Franken umrechnen sollten, oder Pesetas in D-Mark… Und – man stelle sich das einmal vor - noch hätte nicht in jeder Familie jedes Mitglied ein eigenes Zahnbürstchen gehabt…

Ein wenig Mathematik
Fast 1000 Buben und Mädchen haben in diesen vierzig Jahren die sechste Klasse in Bichwil abgeschlossen und sind danach an die Oberstufe ins „ferne“ Oberuzwil gegangen. Und Waltert rechnete vor: Alle Schülerinnen und Schüler turnten während dieser vierzig Jahre zusammen ungefähr 448‘000 Stunden lang, eine schier unvorstellbar lange Zeitdauer.

„Alle ziehen am gleichen Strick“
Schulleiterin Corinne Hörler hatte an diesem Abend ganz unterschiedliche Funktionen. Einerseits begleitete sie den grossen Schülerchor gekonnt am Keyboard, andrerseits war sie als Ansprechperson für die Öffentlichkeit tätig. Ihre Ansprache war ein Aufruf und ein Bekenntnis zu einem gemeinsamen Tun an der Schule. Sie erklärte allen Anwesenden, dass man an der Schule Bichwil „am gleichen Strick“ ziehe. So ein Strick müsse dick und stark sein, damit sich alle daran halten könnten. Davon handelte auch eines der beiden Lieder, welche die Kinder auf der Bühne gekonnt darbrachten.

Grosser Dank
Corinne Hörler bedankte sich beim Elternrat, welcher spontan beschlossen habe, der Schule ein Geburtstagsfest für 40 Jahre Schulhaus Bichwil zu schenken. Er hatte denn auch alles bis ins Detail organisiert. Sie bedankte sich aber auch bei den Sponsoren, denn ohne finanzielle Hilfe von aussen könnte ein so grosser Anlass heute nicht mehr auf die Beine gestellt werden. Die Gemeinde Oberuzwil und die „Stiftung Dorfleben Bichwil“ – aus der Auflösung der Dorfkorporation Bichwil entstanden – unterstützten das Vorhaben grosszügig, was mit einem riesigen Applaus verdankt wurde.

Dann gab sie die Bühne frei für den sehnlichst erwarteten Stargast des Abends, Linard Bardill, nicht ohne vorher noch zu erwähnen, wie oft sie dessen Kinderlieder mit ihren eigenen Kindern schon angehört und gesungen hätte.

Linard Bardill und Bruno Brandenberger
Und endlich trat, heiss ersehnt, der in vielen Kinderzimmern heissgeliebte Bündner Barde Linard Bardill auf, zusammen mit Kollege Bruno Brandenberger am Kontrabass. Wer kennt ihn nicht, den Barden aus dem Bünderland, der so viel zu erzählen weiss. Und wenn er selber etwas nicht wissen sollte, so weiss es zumindest „mini Geiss“, wie er in einem seiner Hits singt. Da haben sie zwei Männer gefunden, die sich das Kind im Manne bewahrt haben. Lustige Streitereien zwischen den Beiden fanden bei den Kindern grossen Anklang. Und so ein Kontrabass eignet sich ja auch wunderbar zur Untermalung eines Disputs. Kinder lieben auch leicht unanständige Passagen. In manchen Aussagen und Liedern kamen denn auch solche vor und wurden sofort mit verschämtem Gekicher pariert.

Wilhelm Tell
Bardill ist aber auch in der Schweizer Geschichte zuhause. Mit „Jo, das isch d’Schwyz“ begann er in Bichwil seine Reise durch die Wilhelm-Tell-Geschichte. Augenblicklich hatte er die Kinder im Sack, alle machten begeistert mit, richtige Open-Air-Atmosphäre kam auf, welche immer wieder in tosendem Applaus endete. Doch Bardill hatte das Ganze jederzeit im Griff, schritt ein, wenn er kein Geklatsche haben wollte, leitete an, wenn es genau nach Regieanweisung gehen sollte oder hielt die Kinder gestenreich zu Zurückhaltung an…

Es ging da auch um Abgrenzung gegen ein bedrohliches Grossmaul namens Paul, um Träume, Ängste, Ausgrenzung und Trost– die ganze Palette der Gefühle, die ein Kind im Laufe des Grösserwerdens erleben kann. Zwischendrin bekamen bekannte Kinderlieder einen Platz und luden zum Mitsingen ein. Dazu verknüpften die Beiden kindliche Ängste und Erfahrungen auf geniale Weise mit der urschweizerischen Geschichte von Wilhelm Tell, welche den „Frauen und Mannen“ in der Schweiz allerdings erst durch einen Deutschen – Friedrich Schiller – richtig bewusst gemacht worden war. Und so werden ursprünglich nur mündlich überlieferte Geschichten irgendwann zu Geschichte… Ob unterdessen wohl an vielen Bichwiler Familientischen die Tell-Geschichte zum bestimmenden Gesprächsthema geworden ist?

Kinder auf der Bühne
In einem Kinderprogramm ist es unerlässlich, die Kinder immer wieder in die Handlung einzubeziehen. Bardill suchte sich denn auch in Bichwil aus unzähligen Freiwilligen einzelne Kinder aus, die auf der Bühne genau instruiert wurden, was ihre Rolle sei. Und so konnte es passieren, dass Wilhelm Tell ein Mädchen war, Sohn Walterli dagegen ein etwas dunkelhäutigerer Bub, alles gegen die Klischees, die man sich oft vorstellt. Und auch Gessler wurde in die Geschichte eingebaut, sogar der Apfelschuss. Da gab es manches zu lachen, wenn eine Szene erst einmal verpatzt wurde. In der Wiederholung klappte es aber meistens.

Einen richtigen Bösewicht als Gessler schien Bardill aber nicht zu finden, denn der dafür auserwählte Bub konnte sich immer wieder das Lachen kaum verkneifen. In Bichwil gibt es eben nur nette Kinder an der Schule.

Fulminanter Schluss
Am Ende des Konzertes rief Linard Bardill alle Singwilligen auf, zum Schlussbild auf die Bühne zu kommen. Fast alle Buben und Mädchen folgten diesem Aufruf und sangen nochmals mit Bardill „Jo, das isch d’Schwyz“ mit – voller Freude und Glück, selbst ein wenig Teil das Ganzen sein zu dürfen. Diesmal ging der Abgang von der Bühne allerdings weit weniger geordnet ab als zu Beginn des Abends. Viele hüpften einfach von der Bühne herunter, ohne Probleme, so wie Kinder das üblicherweise machen.

Auch dies gehört dazu…
Lehrerschaft und Elternrat versorgten daraufhin, unterstützt von grösseren Buben und Mädchen, all die vielen Stühle wieder, um die Turnhalle für weitere sportliche Aktivitäten bereitzumachen. Der gutbesuchte Anlass hatte dafür die nötige Energie gegeben. Die Gesellschaft ist auf freiwillige Helferinnen und Helfer im Hintergrund angewiesen, in Bichwil finden sich dafür immer Leute.


Primarschule Bichwil

Lorenz Moser ist unterdessen Präsident des Elternrates Bichwil

Elternmitwirkung Bichwil

Das Chilbi-Komitee lädt zum nächsten Grossanlass ein: Am 23./243 September findet die vielseitige Bichwiler Chilbi am gewohnten Ort statt.

Chilbi Bichwil

Linard Bardill –Homepage

Mit diesem Lied begann das Bichwiler Konzert.

2010 Linard Bardill – Jo, das isch d’Schwyz

2016 Jo, das isch d’Schwyz

Hintergründe zur Tell-Geschichte von Linard Bardill