«Die rote und weisse Linie, Fleisch und Milch also, gehören zusammen. Das vergessen auch manche Vegetarier», lachte Eric Meili vom FiBL am Dienstagvormittag. Der gut gelaunte Agrar-Diplomingenieur stellte auf dem Hof der Familie Rutz in Mosnang ein Projekt vor, das unter anderem genau diese Zusammengehörigkeit im Blickfeld hat: Als letzter der Schweizer Grossverteiler lanciert Aldi Suisse in Zusammenarbeit mit dem Forschunngsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) eine eigene Frischfleisch-Biolinie Diese Bio-Produkte basieren auf männlichen Milchrasse-Kälbern, also denjenigen Kälbern, die für die Milchwirtschaft unnütz sind, aber aufgrund der hohen Anforderungen an ein Bio-Label geboren werden müssen. «Die Kälber sind also quasi ein Nebenprodukt, damit wir Milch trinken können», erklärte Meili. Bei der Ausarbeitung des neuen Bio-Labels für Aldi rückte er diese entsprechend ins Zentrum. «Auch diese Kälbli sollen in Würde leben dürfen.»

Weniger Antibiotika durch längeres Säugen

Schon seit über 20 Jahren arbeitet Eric Meili für das FiBL an Bio-Projekten, seit 2018 ist dieses Weidemastprojekt in Arbeit. Mit dem Aldi-Label wolle er weiter gehen, als er es bei Migros und Co. getan habe. Um als Aldi Bio Weide Rind verkauft werden zu dürfen, müssen die Kälber mindestens 150 Tage lang auf dem Geburtshof abgetränkt worden sein. In der Branche seien Zeiträume bis runter zu 21 Tagen üblich. Meili verspricht sich vom längeren Säugen einen stark reduzierten Antibiotika-Bedarf. Die Schweizer Landwirtschaft würde heute jährlich 56 Tonnen Antibiotika einsetzen, ein Viertel davon für Kälber. Werden Kälber aber länger gesäugt, seien sie robuster und weniger anfällig für Krankheiten. Antibiotika sind also seltener oder gar nicht mehr nötig. «Das ist einmalig in der Schweiz», freute sich Meili.

Thomas Eberle von Aldi bezeichnete das Projekt als Herzensangelegenheit. «Wir erschlagen damit aus Nachhaltigkeitssicht gleich mehrere Punkte.» Der reduzierte Antibiotika-Einsatz sei nur einer davon. Besonders sei eben auch, dass sich das Label bewusst auf Milchrasse-Kälber konzentriere. Mit dem Weidemastprojekt können die Tiere im Biokanal verbleiben, oder ganz praktisch gesagt: Diese Kälber dürfen auf Bio-Bauernhöfen leben, wo sie heute nur selten anzutreffen sind. Als Futter diene ausschliesslich Gras, im Winter Heu oder Silo-Gras, die Fütterung von Soja oder Mais sei ausdrücklich verboten. Damit reduziere sich auch der oft monierte ökologische Fussabdruck und verbessere sich die CO2-Bilanz der Fleischwirtschaft.

Fleisch für aktuell 46 Filialen

Seit letzter Woche vertreibt Aldi die neuen Frischfleischprodukte in 46 Filialen in der ganzen Schweiz, in der hallowil.ch-Region jedoch wird es noch dauern, bis das volle Sortiment verfügbar ist. Bio-Hackfleisch und Bio-Aktionen finden sich bereits heute in allen Aldi-Filialen. Man habe sich bei der ersten Auswahl an der bestehenden Affinität der Kundschaft zu Bio-Produkten orientiert, so Eberle. Geplant sei, dass schliesslich alle 209 Filialen diese Produkte führen. Aber man wolle sich Zeit lassen und nur so viele Tiere schlachten, wie für den Bedarf nötig seien. «Wir wollen kein Foodwaste produzieren», betonte er.

Aktuell werden um die zehnn Tiere pro Woche geschlachtet. Zur Zeit machen wie Familie Rutz rund 70 Produzenten mit. Falls die neue Produktlinie seine Käuferschaft findet, brauche man noch deutlich mehr Betriebe. Eric Meili erläuterte die Vorteile, die das Projekt Milchbauern bietet. So bestehe etwa keine Preisbindung, was zu stabilen Preisen übers ganze Jahr führe, und übergewichtige Tiere fallen nicht aus dem Programm, womit keine überraschenden Verluste für den Betrieb entstehen.