Artenschutz nannte man es früher. Biodiversität heisst es heute. So oder so: Es ist ein brisantes und dringliches Thema, das gerade heute Beachtung verdient. Biodiversität ist nichts anderes als der Schutz einzelner Tier- und Pflanzenarten. Und: Es umfasst die unterschiedlichsten Lebensräume. Die dadurch entstandene Vielfalt schenkt damit saubere Luft und Wasser.

Den Themen Naturgarten und Biodiversität schafft heuer die Ausstellung «Art Garden», zu sehen an der Oberen Bahnhofstrasse in Wil, einen grossen Platz. So hält Markus Allemann, Betriebsinhaber der Allemann Naturgärten GmbH , am Abend einen Vortrag. Das Referat soll erklären, welche Chancen ein Lebensraum im Garten bietet. «Wir müssen der Natur etwas zurückgeben», fordert Allemann gleich zu Beginn seiner rund eineinhalb stündigen Präsentation. Das seien ihr die Menschen schuldig. Werde doch der Siedlungsraum immer grösser. «Ausserdem dürfen wir nicht vergessen, dass die Grünfläche hinter dem Haus, auf dem Dach eines Wohnblocks oder auf dem Balkon der Lebensraum sowohl für Mensch als auch Tier und Pflanze ist», sagt Allemann weiter. In diesem Falle dürfe man Schönheit und Nutzen nicht voneinander trennen. 

Die Armut im reichen Land

Fakt ist: Die Biodiversität verarmt immer mehr – und das weltweit. In der Schweiz ist der Zustand der Biodiversität unbefriedigend. «Die Hälfte der Lebensräume und ein Drittel der Arten sind bedroht. Mit dem Rückgang der Artenvielfalt ist auch genetische Vielfalt verloren gegangen», heisst es in einem Beitrag des Bundesamtes für Umwelt (Bafu). Und das, obwohl die reiche Schweiz mit Hilfe ihrer Topographie, den Höhenunterschieden und die klimatischen Gegensätze eine grosse biologische Vielfalt beherbergt. Nach Angaben des Bafu konnte der Verlust an Lebensräumen und Artenvielfalt nich gestoppt werden. 

Während seines Vortrags schenkt Allemann den rund ein Dutzend Zuhörern jeweils einen Stein. «Ein Stein – das ist der Anfang eines Naturgarten. Stellen Sie diesen bei sich zu Hause in den Garten oder auf den Balkon.» Dann erklärt der erfahrene Gartengestalter und -bauer, womit man Lebensraum schaffen kann. Beispielsweise mit Wiesen. «Da rede ich nicht von den auf den Millimeter genau geschnittenen Rasen», so Allemann. Sondern? In einen Naturgarten gehören Trockenwiesen, Blumenrasen oder auch Magerwiesen. Beim Bau einer Mauer muss vor allem ohne Bindemittel und Beton gearbeitet werden. «Wir bauen vor allem Trockenmauern», erzählt Allemann. Das sei ein uraltes aber für Tiere anziehendes Handwerk. Besonders wichtig ist auch der Wasserbau. «Wasser ist das Lebenselixier schlechthin.» In jedem Naturgarten, in dem ein Wassergraben, Regenwassertank oder ein Schwimmteich steht, kommen die Tiere wie von alleine. «Und das in kürzester Zeit», weiss Allemann. Mit all den Beispielen will der Gärtner zeigen, dass mit wild gebauten Grünflächen mehr als ein Drittel aller einheimischen Pflanzen- und Tierarten ein neues Zuhause finden könnten. 

 
Markus Allemann, Betriebsleiter Allemann Naturgärten GmbH, im Video-Interview. 

Siedlungsbau trägt auch dazu bei 

Schuld für das Verschwinden von bedeutenden Lebensräumen für Tiere sowie Pflanzen ist nicht zuletzt der voranschreitende Siedlungsbau. Vor wenigen Jahrzehnten hiess es noch, dass Bauen eine Umweltzerstörung ist. In den vergangenen Jahren ist viel passiert: Man baut nachhaltiger und versucht die Nutzflächen besser zu nutzen. Ganze Gebäudekomplexe werden mit Hilfe von Minergie-Standards gebaut. 

Mit dem Bau eines Naturgartens ist es aber nicht getan. «Ein Naturgarten bedeutet nicht, dass man alles wild wachsen lassen kann und weniger Arbeit als mit einem konventionellen Garten», sagt Allemann während der Diskussionsrunde. Man müsse den neu gewonnen Naturgarten pflegen, aber nicht zu sehr in den Zyklus der Natur eingreifen. Etwas liegt dem Gärtner besonders am Herzen: «Wenn Sie schon einen Naturgarten wollen, dann achten Sie darauf, dass bestehende Materialien wiederverwertet werden und neue Materialien aus der Region kommen.» So spare man sich weite Transportwege, die unnötig die Umwelt belasten würden.