Was Bischofszell während der Rosenwoche an musikalischen Genüssen bietet, ist umwerfend. Da könnte man für zehn Franken Eintritt über zwanzig Konzerte geniessen – wo findet man das sonst noch. All dies dank der grosszügigen Sponsoren aus Stadt und Region. Ihnen allen gebührt an dieser Stelle ein ganz herzliches «Dankeschön». Sie tragen damit viel zum ausgezeichneten Ruf der Rosenwoche bei. Ein Querschnitt sei hier aufgezeichnet (siehe auch «Eine Stunde Powermusik»).

Brodway-Klänge im Dixiestil
Das Duo Spirit lockte Dixiefans vor die Rathausbühne. Während der Kindheit spielte bei Vater Agim die Musik eine grosse Rolle, inspiriert von Beatles und Rolling Stones, Jimmy Hendrix usw. Schon mit 14 Jahren hatte er seine eigene Band – und die Musik liess ihn bis heute nicht mehr los. Sohn Dini wuchs quasi mit der Gitarre auf und hatte in seinem Vater ein grosses Vorbild, er ist sehr gut ausgebildet. Seit dem Sommer 2013 besucht er die Jazz/Pop.rock Akademie in Winterthur, denn Musik ist seine Leidenschaft. Die Dixie-Fans in Bischofszell freuten sich an den Songs von Frank Sinatra, Glenn Miller, Stevie Wonder und anderen und sangen, summten oder rockten begeistert mit bei Hits wie New york - New york, You are the sunshine of my life, The girl from ipanemea, Englishman, Mayway usw. Bei nicht angefressenen Dixie-Liebhabern kamen Erinnerungen an die Jugendzeit auf.

Wiener Charme in Bischofszell
Mit einem glanzvollen Auftritt verwöhnten die Schweizer Sopranistin Regula Rosin, Ensemblemitglied des Wiener Volkstheaters und der in Minnesota USA geborene Tenor John Uhlenhopp die Gäste in der vollbesetzten Stiftskirche St. Pelagius. Begleitung am Flügel und Moderation lag einmal mehr bei Daniel Moos. Das Sponsoring hat der Presseverein Frauenfeld in verdankenswerter Weise übernommen, was ihnen Aurelio Wettstein sehr herzlich verdankte. Die beiden Stars verwöhnten mit einem wunderschönen Operettenprogramm, zogen schalkhaft, temperament- und hingebungsvoll durch die Operettenwelt, wobei auch der schauspielerische Effekt nicht fehlte. Man fühlte sich versetzt in eine der grossen Bühnen der Welt. Highlights aus «Madame Pompadour, Zigeunerbaron, im weissen Rössl, Czadasfürstin, Zarewitsch, Wiener Blut, Vogelhändler, Fledermaus, Feuerwerk, Giudita, lustige Witwe und Land des Lächelns. Bei «Zarewitsch» begleitete sich John Uhlenhopp auf der Mandoline sehr beeindruckend. Man spürte einmal mehr, Operetten sind unsterblich, haben immer wieder Platz auf den Bühnen und Musiksäälen der Welt – sogar wenn das ein neugotisches Gotteshaus ist, das ins 6. oder 7. Jahrhundert zurückgeht. Die Akteure wurden mehrfach ausgezeichnet, treten seit 10 Jahren gemeinsam auf und sind «auf der ganzen Welt zuhause».

Streichmusik vom Feinsten
Selbst wenn jemand mit dem Instrument Geige nicht viel anfangen kann, das Konzert vom Feitagnachmittag in der Stadtkirche St. Pelagius hätte ihn gefangen genommen – es war ein Highligt von A bis Z. Nicht Sonaten oder Suiten hat das Duo geboten, sondern beliebte und bekannte Melodien, und das auf höchstem Nieveau. Es ist unglaublich, dass man so auf Violine und Cello spielen kann, ein Genuss vom ersten bis zum letzten Ton. Der Bogen tanzte, hüpfte oder strich über die Saiten, zauberte herrliche Klänge hervor. Schwungvoll, fröhlich, tänzerisch oder melancholisch sangen und jauchzten die beiden Streichinstrumente Melodien von «Liebesfreud» und «Liebesleid» von Fritz Kreisler über «Ungarische Tänze» von Johannes Brahms, «Cinema Paradiso» von Ennio Morricone bis zum «Czardas» von Vitorio Monti. Ein überaus spannendes und unterhaltsames Programm begeisterte total. Sie spielten sich in die Herzen der Zuhörenden, und die Stunde war allzu schnell vorbei. Beide Akteure spielten auf wertvollen Instrumenten aus dem 18. Jahrhundert. Ob zu zweit, ob allein oder mit Klavierbegleitung – die Darbietungen waren Spitzenklasse, die beiden Solisten faszinierend. Die sensible Geigerin Barbara Ciannamea ist Stradivaripreisträgerin. Geboren wurde sie in Locarno. Mit sechs Jahren begann sie Geige zu spielen, und ihr grosses Talent wurde sofort erkannt. Der Schweizer Claude Hauri ist ein sehr gefragter Solist. Besonders widmet er sich auch dem zeitgenössischen Repertoire. Als Cellist beim "Trio des Alpes", konzertiert er weltweit. Die beiden haben zusammen an dreizehn internationalen Wettbewerben den ersten Preis gewonnen – und dann kamen sie ins kleine Städtchen Bischofszell!

Anekdoten 
Nicht zu vergessen, was der Pianist, Dirigent und Produzent Daniel Moos leistete. Seine Begleitung war phänomenal, einfühlsam, prägnant. Er schreibt auf seiner Homepage: «Horizonte reichen weit über die Musik hinaus. Sie verbinden Kulturen, Menschen, Ideen, Gäste, Künstler, Kunden und Freunde gleichsam. Sie sollen uns Weitblicke eröffnen, Träume in Sichtweite bringen, Emotionen und Erlebnisse generieren, - wenn möglich – einmalige». Zudem scheint er ein unerschöpfliches Repertoire an Anekdoten und kleinen, amüsanten Geschichten über Komponisten und Musiker zu besitzen. Während der drei Konzerte in Bischofszell gab er einige zum Besten, und das gefiel dem Publikum.
Noch bis Ende September geht der Rosensommer mit vielen Leckerbissen weiter. Infos unter www.bischofszell.ch oder stadt@bischofszell.ch