Hallowil: Luc Kauf, Sie sind mittlerweile ein halbes Jahr im Amt als Präsident des Stadtparlaments, wie lautet Ihre Zwischenbilanz?

Luc Kauf: Für mich ist die Zwischenbilanz durchwegs positiv. Einziger Wermutstropfen ist die Absage von zwei Sitzungen mangels verhandlungsreifer Geschäfte. Die Sitzungsleitung sowie auch Führung des Präsidiums empfinde ich als abwechslungsreich und äusserst spannend.

Hallowil: Was waren bisher Ihre erfreulichen Erfahrungen, welche waren schwierig?

Luc Kauf: Erfreulich sind neben den reibungslosen Abläufen der Parlamentssitzungen der verstärkte Einblick in die Schnittstelle Exekutive / Legislative. Dieser Einblick schärft insbesondere das Bewusstsein für die „Sorgen und Sörgeli“ des Stadtrats, aber auch für die Bedürfnisse des Parlamentes. Als schwierig empfinde ich die schon erwähnte Tatsache der Absagen von Parlamentssitzungen. Erwähnen muss ich hier auch die immer stärker ins Spiel kommende juristische Komponente. Dies verunsichert uns als Milizpolitikerinnen und -politiker und hat auch einen negativen Einfluss auf eine möglichst zeitnahe Abwicklung der Geschäfte.

Hallowil: Welche neuen Erfahrungen konnten Sie ausserhalb des Parlamentsbetriebs sammeln?

Luc Kauf: Die vielen ausserparlamentarischen Anlässe und die dabei geknüpften Kontakte und interessanten Gespräche und Diskussionen sind inspirierend und spannend. Ich habe schon viele Highlights erlebt, hervorheben möchte ich aber doch das Mittagessen am Gümpelimittwoch im Kapuzinerkloster. Auch dass ich auf der Strasse und in Geschäften von fremden Leuten auf mein Amt angesprochen werde, ist eine neue Erfahrung für mich.


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Als Parlamentspräsident auch sportlich unterwegs: Luc Kauf wird am "Frrauenfelder" mitlaufen. 

Hallowil: Als Präsident müssen Sie bei den Debatten selber bei den Meinungsäusserungen Enthaltsamkeit üben, wie schwer oder wie leicht fällt Ihnen dies?

Luc Kauf: Meine Meinung kann ich ja nach wie vor in der Fraktion einbringen und dort fühle ich mich bestens vertreten, wenn es um das Debattieren im Parlament geht. Kurzum, ich kann sehr gut damit leben, eine etwas andere und mehr auch vermittelnde Rolle einzunehmen.

Hallowil: Sie sind der Repräsentant des Stadtparlaments, wie gehen Sie diese Aufgabe an?

Luc Kauf: In dem ich auf interessierte Leute zugehe und versuche - ohne hoffentlich aufdringlich zu wirken - ins Gespräch zu kommen und die Handlungsweise des Parlamentes zu erklären. Ich bin überzeugt, dass in Wil dank des Parlamentes eine offenere und tolerantere Diskussionskultur herrscht wie zum Beispiel in Gemeinden ohne Parlament. Dies versuche ich auch zu übermitteln.

Hallowil: Wie beurteilen Sie insgesamt als langjährig aktiver Politiker das Verhältnis zwischen Bevölkerung und Stadtparlament, gelingt der Brückenschlag von beiden Seiten oder besteht Handlungsbedarf?

Luc Kauf: Das Parlament ist in der Stadt gut etabliert. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist aus meiner Sicht gegeben. Das Parlament gibt auch kleineren Parteien die Möglichkeit, mitzugestalten und in ihnen wichtigen politischen Handlungsfeldern mitzuwirken. Dies wäre ohne Parlament nicht möglich. Handlungsbedarf hätte man immer. Kontinuierlichere Kommunikation und Aufklärungsarbeit würde das Interesse der breiten Bevölkerung noch verbessern. Und die Alters- und Genderstruktur des Parlamentes müsste sich noch etwas verschieben, damit sich auch alle Bevölkerungskreise im Parlament ausreichend vertreten fühlen.


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Das Stadtparlament tagt in der Wiler Tonhalle. 

Hallowil: Sie betreiben in Ihrer Freizeit gerne Sport, wie viel Zeit bleibt Ihnen im Moment dazu, müssen Sie zurückstecken?

Luc Kauf: Mein sportliches Ziel in diesem Jahr ist es, als erster amtierender Parlamentspräsident den Frauenfelder nicht von der „Ehrentribüne“ aus zu erleben, sondern die ganze Marathondistanz selber in einer akzeptablen Zeit zu laufen, ohne Uniform und Gewehr. Im Moment weise ich noch einen kleinen Trainingsrückstand auf. Ich hoffe aber immer noch, diesen aufzuholen, damit ich nicht auf die Halbdistanz ausweichen muss. Dies würde mich in meiner Ehre schon ein wenig kratzen….

Hallowil: Haben Sie Wünsche ans Parlament und an die Bevölkerung?

Luc Kauf: Die Effizienz im Parlament, insbesondere in der Vorberatung der Geschäfte, lässt im Moment (leicht) zu wünschen übrig. Hier appelliere ich an die Parlamentarierinnen und Parlamentarier, die Prioritäten wieder stärker für das Parlament zu setzen. Mein Wunsch an die Bevölkerung ist, auch in Zukunft aktiv für eine attraktive Stadt mit einer hohen Lebensqualität mitzuwirken.

Hallowil: Haben Sie sich für Ihre Amtszeit einen Vorsatz gefasst oder ein Motto festgelegt?

Luc Kauf: Hier zitiere ich aus einem Interview von Anfang Jahr: „locker und speditiv“

Hallowil: Welches ist Ihre Motivation, sich politisch zu engagieren?

Luc Kauf: Die Motivation liegt einerseits darin, meine persönliche Meinung und meine Lebenseinstellung einzusetzen für eine lebenswertere Stadt. Andererseits gibt mir die Politik die Möglichkeit, viele Leute kennen zu lernen und mich mit Ihnen auszutauschen. Ohne diesen Austausch liefe man die Gefahr, nur unter seines gleichen zu sein und meinungsmässig einzurosten. Diese Meinungsvielfalt über den engeren Bekanntenkreis hinaus finde ich bereichernd und wertvoll.