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Die Braugerste gedeiht vor den Toren von Wil. 

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Der  Hof der Familie Rickenmann im Bronschhofer Ortsteil Trungen 

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Der Betrieb umfasst auch einen Hofladen. 

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Das Oldtimer-Fahrzeug ist ein Blickfang und an verschiedenen Veranstaltungen in der Region zu sehen. 

Marcel Rickenmann beginnt am Tisch in der Küche seines Bauernhauses zu schmunzeln, wenn er nach den Freuden in seiner Tätigkeit als Landwirt gefragt wird. “Ab und zu kommen Schulklassen zu Besuch, die das Leben auf dem Bauernhof kennenlernen wollen. Dann stelle ich ihnen eine Kuh vor und frage sie, ob sie wohl Toni oder eher Susi heisst?“ Das grosse Rätselraten bei den Unterstufenschülern beginnt.

  • Erzeuger und Konsumenten

Später schauen sie zu, wie er die Saugglocken der Melkmaschine angesetzt. Danach dürfen sie selber das Melken ausprobieren. Dies beeindruckt die Schüler. Viele erleben so zu ersten Mal unmittelbar, woher ihre Frühstücksmilch stammt.

Dass sich die Kinder von der Landwirtschaft und den Tieren auf dem Hof faszinieren lassen, gefällt dem Meisterlandwirt. Ihm ist es wichtig, den Kontakt zwischen Produzenten und Konsumenten zu pflegen; aus Primarschülern werden eines Tages Kunden von landwirtschaftlichen Erzeugnissen. „Es gibt ein gutes Gefühl, zu spüren, dass die Leute unserer Arbeit und unseren Produkten eine gewisse Wertschätzung entgegenbringen.“

Frühe Erfahrung mit der Landwirtschaft

Der 46-Jährige ist auf dem Bauernhof seiner Eltern in Trungen und unweit von Dreibrunnen aufgewachsen, den er heute selber mit seiner Familie bewirtschaftet. „Früher war hier ein reines Bauerndorf, wir Kinder haben untereinander gefachsimpelt. Es gab mir einen gewissen Stolz, wenn ich selber mähen, pflügen oder eine andere Arbeit ausführen durfte.“

Dass er eines Tages den Hof von seinen Eltern übernehmen würde, war eine einigermassen natürliche Entwicklung, die er nie bereut hat. Seine Eltern wohnen im Haus nebenan und helfen im Alltag mit.

Wenig Verständnis für Natur

Wie Marcel Rickenmann feststellt, ist mittlerweile einerseits die Stadt näher an die Landwirtschaftszone gerückt, gleichzeitig ist die Distanz zur Arbeit der Bauern gewachsen. “Wenn wir die Kühe über die Strasse auf die Weide treiben, fehlt heute vielen Autofahrern das Verständnis, dass sie sich einige Augenblicke gedulden müssen. Früher hatten viele Menschen Verwandte in der Landwirtschaft und waren so mit ihr vertraut. Heute sind sie über einen Kuhfladen auf der Strasse entsetzt. „Das ist halt die Natur“, fügt er an.

Preisdruck

Angesprochen auf die häufigen Schlagzeilen und Kontroversen um die Höhe des Milchpreises entgegnet der Vater dreier Kinder: “Ich glaube nicht, dass es den Konsumenten eine Rolle spielen würde, ob sie ein paar Rappen mehr für einen Liter bezahlen.“ Es seien viel mehr die Einkäufer der Firmen, die um jeden Rappen feilschen.“ Zum Teil sei die diesbezügliche Entwicklung existenzbedrohend.

Blumensträusse und Christbäume

Doch sein Hof sei ein „Gemischtwarenladen“, damit ist die Milch nicht seine einzige Einnahmequelle. Auf den Feldern gedeiht etwa Raps, Futtermais und Weizen. Und auch etwas Obstbau betreibt er. Seit einigen Jahren hat sich sozusagen ein neues Geschäftsfeld eröffnet: Als gelernte Floristin bindet Angela Rickenmann für den Muttertag sowie für andere Anlässe Blumensträusse, die an einem Stand an der Strasse in Selbstbedienung angeboten werden.

„In der Regel legen die Passanten den entsprechenden Betrag ins Kässeli. Ab und zu hat es mal ein schwarzes Schäfchen dabei“, kommentiert sie einigermassen gelassen. Mit der Zeit kam zusätzlich der Christbaumverkauf hinzu. Alles zusammen ergibt mittlerweile einen willkommenen Zusatzbeitrag ans Betriebsergebnis.

Eine spezielle Ackerfrucht  

Auch wenn Marcel Rickenmann seinen Hof als einen „typischen Bauernhof von mittlerer Grösse in Mittelland“ umschreibt, zeichnet ihn eine Besonderheit aus: Er baut auf Pachtland zwischen Wil und Münchwilen Braugerste an.

Zum Jubiläum der urkundlichen Ersterwähnung von Wil, Rickenbach, Weieren und Züberwangen kreierten einige Idealisten ein eigenes Bier. Nachdem 1982 in Wil die Hofbrauerei als letzte Bierproduzentin, von ehemals vieren, ihren Betrieb einstellte, sollte die lange Tradition mit Thurbobräu wiederbelebt werden. Es könne nicht sein, dass Wil ohne eigenes Bier sei.

Gebraut wird es in der Sonnenbräu-Brauerei in Rebstein, der Hopfen stammt aus Stammheim. Im Laufe der Jahre kam zum Bier Single Malt sowie Whisky hinzu, der in Niederbüren gebrannt wird.

Qualität muss stimmen

Marcel Rickenmann hat den Braugersten-Anbau von seinem ehemaligen Lehrmeister Ruedi Rhyner übernommen, der damals Betriebsleiter der Landwirtschaft der Psychiatrischen Klinik Wil war. Mit einer Portion Schalk erzählt er: „Ich bat ihn, mir in der ersten Zeit mit Rat und Tat beizustehen, damit die Wiler nicht nur Sirup trinken müssen.“ Längst ist der Übergang gelungen, dies zeigen die kontinuierlich steigenden Absatzzahlen des Biers und der beiden Spirituosen.