In den Schweizer Städten finden man viele alte und neue Brunnen, zum Beispiel die elf historischen Brunnen in Solothurn, in Bern plätschern gegen einhundert Wasserspender, in der Stadt Luzern gar über 200. In St. Gallen gibt es einen  Brunnen-Spaziergang vom Spisertor bis zum Bundesverwaltungsgericht, und Bischofszell pflegt den Brauch der Osterbrunnen. Weltbekannt sind: in Rom der Trevi-Brunnen, in Bern der Kindlifresser-Brunnen, in Brüssel den Manneken Pis, in London der Eros-Brunnen am Piccadylli Circus und so weiter. Während den Ferien erfahren Sie bei hallowil.ch einiges über Brunnen allgemein und in der Region. 

Brunnenvielfalt
Bekannt in unserer Region ist vor allem der Zieh- und Quellbrunnen. Ein artesischer Brunnen (benannt nach Artesien in Frankreich) ist ein Brunnen in einer Senke unterhalb des Grundwasserspiegels, in dem Wasser unter Überdruck steht. Dieses hydraulische Potenzial ist so hoch, dass das Wasser von selbst, das heisst ohne Pumpen, bis zur Erdoberfläche oder höher aufsteigt. Eine besondere Brunnenform stellen Qanate dar, bei denen es sich um unterirdisch verlaufende horizontale Wassersammelstollen mit oft hunderten vertikalen Zugangsschächten handelt; sie dienen überwiegend der Bewässerung kilometerweit entfernter Felder. Die Stufenbrunnen sind eine Augenweide. Ein besonders reizvolles Objekt befindet sich im Garten des Schlosses Linderhof in den Ammergauer Alpen, Lieblingswohnsitz des Bayrischen Märchenkönigs Ludwig, der auch Neuschwanstein erbaut hat. 

Geheimnisvolle Geschichten um den Pankratiusbrunnen
Wil ist «brunnenreich», über zwanzig der zum Teil wunderschön gestalteten Brunnen – ob alt oder neu – ziehen die Blicke der Menschen auf sich. Und - wer freut sich nicht, unterwegs bei grosser Hitze einen Schluck Brunnenwasser zu geniessen. Der prächtige Stadtbrunnen auf dem Hofplatz ist der älteste steinerne Brunnen der Stadt und trägt die Jahrzahl 1843. Erstmals taucht er in den Ratsprotokollen im Jahr 1596 auf. Seine vier Röhren sprudeln aus Bärenrachen das klare Wasser in das achteckige Becken. «Ihr Sprudeln ist wie ein nie unterbrochenes trauliches Plaudern von alten und neuen Dingen, die da im Umkreise vor sich gegangen» schreibt der ehemalige Asylpfarrer H.H. Karl Steiger. Die wappengezierte Steinsäule trägt das machtvolle Standbild des einen Stadtpatrons Sankt Pankratius. Er war ein römischer Märtyrer der frühen christlichen Kirche. Der Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Der alles Beherrschende" – und so steht er auch auf dem Sockel. Die leiblichen Überreste des Heiligen, in glänzende Silberrüstung gekleidet, gehören zum reichen Schatz der Stadtkirche St. Nikolaus. 

Tratsch und Klatsch
Pfarrer Steiger: «Was wüsste der gute alte Brunnen und sein Heiliger nicht alles zu erzählen. Ehrbare Bürgersfrauen, fröhliche Töchter und Mägde trugen das kühle Nass nach Hause, nicht bevor sie Neuigkeiten ausgetauscht hatten. Was die Männer in Zunft- und Schützenstuben beim Kühlen Trank erfuhren, erfasste die holde Weiblichkeit am Stadtbrunnen. Allerdings – hätte St. Pankratius eine lebendige Zunge im Munde gehabt, hätte er wohl gar oft den herzutretenden Zungenfertigen als Willkomm und Mahnung das Apostelwort zurufen mögen: «In allem aber wahret die Liebe!» Es gibt interessante und geheimnisvolle Geschichten rund um den Pankratiusbrunnen unter www.wilnet.ch

Salat im Brunnen frischgehalten
Ruedi Schär, Träger des Kulturpreises der Stadt, kennt Wil wohl wie seine eigene Hosentasche und weiss viel Spannendes und Lustiges zu erzählten, ihm zuzuhören ist ein echter Genuss. Brunnen faszinieren ihn heute ebenso wie in der Jugendzeit. Hier Kindheitserinnerungen: «Für uns Kinder war der Brunnen ein begehrter Spielplatz, vor allem die vier Röhren, anspritzen war gross geschrieben. Hielt man dann eine, zwei oder auch mal drei zu – wurde der Druck auf der letzten sehr gross und die dort stehenden Kollegen zur Gaudi aller «pflutschnass». Aber auch andere profitierten vom kühlen Nass. Der Gemüsehändler Paul Rütsche zum Beispiel legte seine Salat nachts in den Brunnen und konnte sie anderntags topfrisch anbieten. Eugen Steinlin, Fischer im Stadtweier, wässerte seinen Fang jeweils im Pankratiusbrunnen – heute unvorstellbar.