In den letzten Wochen wurde die Kehrseite des Elementes erschreckend klar: Das lebensnotwendige Wasser kann auch zur bedrohlichen Naturgewalt werden. In unserer Region ist zwar viel Niederschlag gefallen, zu Überschwemmungen ist es aber glücklicherweise nicht gekommen. Aber der Witterungsverlauf hat auch darauf aufmerksam gemacht, dass jederzeit genügend frisches, klares, gesundes Trinkwasser zur Verfügung zu haben, keine Selbstverständlichkeit ist.

In einem Brunnen wird die Bedeutung des Wassers symbolhaft fassbar. Der klare Strahl fliesst unaufhörlich und vermittelt ein Gefühl der Sicherheit. Der Brunnen wird deshalb auch häufig als literarisches und künstlerisches Motiv verwendet. Ursprünglich wurde das Wort auch für eine freifliessende und ebenso für eine eingefasste Quelle verwendet. In einem Wasserreservoir gibt es Brunnenstuben. An die Oberfläche trat und tritt das Wasser in Zieh-, Spring- oder Röhrenbrunnen.

Gesellschaftlicher Wandel

Früher musste man täglich frisches Wasser am Brunnen holen. Am Brunnen wurden Tiere getränkt. Es gab Brunnen mit mehreren Becken, wo die Frauen die Wäsche wuschen. Brunnen waren gesellschaftliche Treffpunkte. Hier wurden auch Neuigkeiten erzählt. Ihre ursprüngliche Bedeutung haben die Brunnen nach und nach verloren, als fliessendes Wasser in die Häuser geleitet wurde. Ihre Funktion weitgehend beibehalten haben Brunnen bei Bauernhöfen als Viehtränke oder zum Reinigen sowie bei Gärten und Friedhöfen zum Giessen von Blumen.

Dass es heute nicht weniger, sondern eher mehr Brunnen gibt, liegt wohl daran, dass sich Menschen an fliessendem Wasser freuen und dies beispielsweise in einem Brunnen sichtbar machen. «Panta rhei» - «alles fliesst» erkannten schon die Griechen und brachten damit zum Ausdruck, dass nicht nur das Wasser, sondern alles in unaufhörlicher Bewegung ist. Wer heute im Brunnen mehr den Symbolcharakter als den ursprünglichen Nutzen zum Ausdruck bringen will, gestaltet den Brunnen nicht mehr nur nach praktischen Überlegungen, sondern strebt eine ästhetisch-künstlerische Gestaltung bis hin zu Wasserspielen an.

Die Illustrationen im Beitrag beschränken sich auf einige fast schon historische und ein paar neuere Brunnen in den Gemeinden Uzwil und Zuzwil.