In Uzwil betreibt Bühler eine Vielzahl von Application & Training Centern, in denen das Unternehmen mit seinen Kundinnen und Kunden neue Prozesse und Rezepte für Endprodukte entwickelt und testet: zur Vermahlung von Getreide und Kakao, etwa zur Herstellung von Pasta, Zerealien, Schokolade, Futter und Fleisch-Ersatzprodukten aus Hülsenfrüchten. Dazu kommen eine Versuchsbäckerei und eine Schulmühle. Aus all diesen Anlagen fallen jährlich rund 550 Tonnen Biomasse an. Diese Biomasse, zum Beispiel Reisspelzen oder Kakaoschalen, wollen Bühler und das Partnerunternehmen Vyncke jetzt zur CO₂-neutralen Energiegewinnung nutzen. Vyncke ist auf die Umwandlung von Biomasse und Industrieabfällen in saubere Energie spezialisiert und seit vergangenem Jahr strategischer Partner von Bühler. Da Biomasse – anders als fossile Brennstoffe wie Kohle oder Öl – das gespeicherte CO₂ ohnehin bei Verrottung oder Zerfall freigeben würde, ist die thermische Verwertung als CO₂-neutral anerkannt. Die Anlage, die jetzt projektiert wird und 2023 in Betrieb gehen soll, wird am Standort Uzwil zu einem Eckpfeiler der Heizenergie werden und so zur deutlichen Verringerung des CO₂-Fussabdrucks beitragen. Zusammen mit anderen Massnahmen, die am Standort bereits umgesetzt wurden – etwa die Umstellung auf Holzpellets – verringert diese Testanlage die CO₂-Emissionen für Heizenergie um über 60 Prozent (Referenzjahr 2015).

Nebenströme optimal nutzen

Weltweit fallen in der Nahrungsmittelproduktion etwa von Weizen, Reis, Soja, Mais oder Kakao über eine Milliarde Tonnen an Nebenströmen an. In vielen Fällen werden diese als Bestandteil von Tierfutter verwendet oder als Energiequelle genutzt; ein Teil verrottet ungenutzt oder muss zur Verwertung um den halben Erdball transportiert werden. «Wie diese Nebenströme am sinnvollsten verwendet werden können, muss in jedem Einzelfall analysiert und bestimmt werden», sagt Wick. «Klar ist aber, dass die Energieerzeugung aus Biomasse als integrierter Bestandteil der Prozesslösungen für Nahrungsmittel nicht systematisch entwickelt ist und daher sowohl betriebswirtschaftlich als auch unter Aspekten der Nachhaltigkeit ein enorm hohes Potenzial hat», sagt Wick. Dieses wollen die Partner Vyncke und Bühler erschliessen.

Wissenschaftlich begleitet

Um die Erkenntnisse der Testanlage zu objektivieren, wird das Projekt wissenschaftlich von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA begleitet. Untersucht wird unter anderem, ob die Kesselasche weiterverwendet werden kann. Je nach Produkt, das verbrannt wird, könnte die Asche eine gute Grundlage für Dünger sein oder in Baustoffherstellung genutzt werden. «Je vollständiger wir die Inhaltsstoffe der Nebenströme nutzen können, desto mehr kommen wir zu einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft mit weniger Abfällen und optimaler Energieausbeute», sagt Wick.