Gemessen an den personell und finanziell knapp bemessenen Ressourcen bezeichnete Teamleiter Moritz Waldschock den dritten Platz als "sensationelles Ergebnis". An der Präsentation im Bühler Customer Center berichtete er zusammen mit weiteren Mitgliedern des Teams über die Erfahrungen. Ausserdem zeigten und erklärten sie das für Südafrika vollständig neu gebaute und im Dezember in die Schweiz zurückgekehrte Solarmobil. Unmissverständlich wurde auch der Wunsch geäussert, in diesem Jahr an der Weltmeisterschaft in Australien teilzunehmen. Dazu fehlen vorläufig noch finanzielle Zusicherungen.

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150 Kilogramm schwer und maximal 120 Stundenkilometer schnell: Das Solarmobil in Südafrika unterwegs.


Moderne Materialien

Dass die Firma Bühler wieder zu den Hauptsponsoren gehören wird, versteht sich. Welche Bedeutung sie den Solarpionieren beimisst, brachte CEO Stefan Scheiber deutlich zum Ausdruck. Zum einen habe dies einen geschäftlichen Hintergrund. Noch zu wenig bekannt sei, dass Bühler nicht mehr ausschliesslich Hersteller von Maschinen im Nahrungsmittelbereich sei. Die Abteilung «Advanced Materials» (frei übersetzt fortschrittliche Materialien) stelle heute einen Kernbereich dar und sei über 700 Millionen Franken gross.

Diese Division sei ein innovativer Zulieferer für die Automobilindustrie. Dazu gehöre der Bereich Druckgusstechnologie für Teile in Leichtbauweise. Klarer Weltmarktführer sei Bühler in der Beschichtung von kritischen Elementen wie beispielsweise den Lampenreflektoren. In den vergangenen paar Jahren sei man überdies in der Entwicklung von Batterien erfolgreich tätig. Damit habe das Thema moderne, innovative Antriebstechnik für Bühler an Bedeutung gewonnen.

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Bühler-CEO Stefan Scheiber lobte das Team für seinen innovativen und gleichzeitig freiwilligen Einsatz.


Bühler-Kultur und Spirit

Ebenso hoch wie den geschäftlichen Bereich, die Ausrichtung auf die Zukunft (Mobility of the future), stufe er aber die Tatsache ein, dass die Leistung des Solarteams die Kultur und den Spirit von Bühler wiederspiegle. Stefan Scheiber strich hervor, dass der ganze Einsatz der Solar Energy Racers auf freiwilliger Basis erfolgt sei. Als Motivatoren nannte er Innovation, Teamgeist, Leidenschaft und auch das Zusammenwirken von Alt und Jung. Das Sahnehäubchen sei die Tatsache, dass das Team damit den starken dritten Platz erobert und den Preis als bester Newcomer gewonnen habe.


Neues Solarmobil

Moritz Waldschock, Automationsingenieur und Teamleiter der Solar Energy Racers, zeichnete in der Folge das Abenteuer Südafrika im Überblick nach. In acht Renntagen war die Strecke von Pretoria bis Cape Town zurückzulegen. Es war ein neues Solarmobil konstruiert worden. Hatte die Solarfläche beim früheren Fahrzeug sechs Quadratmeter betragen, so musste sie nach neuem Reglement auf vier Quadratmeter verkleinert werden. Die 5-Kilowatt-Batterie durfte nur am Anfang einmal an der Steckdose aufgeladen werden. Der Rest musste mit Sonnenenergie bewältigt werden. Jeden Morgen wurde um halb acht Uhr gestartet, um 17 Uhr musste das Ziel erreicht sein. Sozusagen als Begleitschutz fuhr dem Solarmobil ein Auto voraus, eines hinterher. Die erreichte Höchstgeschwindigkeit war 120 Stundenkilometer.


Turbulentes Renngeschehen

Selina Wenk beschrieb ihre Eindrücke als Fahrerin. Sie ist als Kauffrau zum Team gestossen und hat anfänglich administrative Arbeiten erledigt. Schliesslich aber hat sie drei Wochen Ferien für den Einsatz in Südafrika eingesetzt. Beim achttägigen Wettbewerb fuhr sie das nur 150 Kilogramm schwere Fahrzeug. «Das war schon sehr verschieden vom Steuern eines Personenwagens», erinnert sie sich. «Die Stabilität war gering. Bei Seitenwind musste die Geschwindigkeit verringert werden, um nicht über den Strassenrand oder auf die Gegenfahrbahn abgedrängt zu werden. Einmal hat mir ein Sturmwind das Dach über dem Kopf 15 Meter weit weggeweht. Damit war ein Weiterfahren nicht mehr möglich und wir mussten Hilfe anfordern.»

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Ein grosses Ziel: Die Teilnahme an der WM in Australien von 13. - 20. Oktober 2019


Weltmeisterschaft als Ziel

Das Team hat ein Zitat von Nelson Mandela auf das Auto geschrieben: «A winner is a dreamer who never gives up». Und nach diesem Motto verhält sich das Team auch. Es träumt von der Teilnahme an der diesjährigen Weltmeisterschaft in Australien. Mit den 40 weltbesten Teams möchte man durch die 3000 Kilometer des Outbacks fahren und sich dabei wieder in den vorderen Rängen platzieren. Das Fahrzeug dazu ist vorhanden. Was noch fehlt ist die Zusicherung von Sponsorenbeiträgen.