Er will jenen Menschen eine Stimme geben, die in der Politik oftmals keine haben. Nämlich jenen mit Migrationshintergrund – unabhängig welcher Herkunft. Mit diesem An- und Vorsatz stieg Arber Bullakaj in einen Nationalratswahlkampf, den er als «lebendig bezeichnet» und der ihm viel Medienpräsenz brachte. Selbst das Schweizer Fernsehen berichtete in einer Reportage ausführlich über jenen Mann, welcher der erste Nationalrat mit kosovarischen Wurzeln werden wollte.

Dass der Wiler auf der SP-Liste gegen die beiden bisherigen, Barbara Gysi und Claudia Friedl, nicht ankommen würde, war abzusehen. Fast 9000 Stimmen fehlten schliesslich. Da die Partei auch ein gutes Stück davon entfernt war, einen dritten Sitz dazuzugewinnen, ist Bullakaj nun erster Ersatz-Nationalrat der SP. Geht da irgendwann ein Türchen auf? Immerhin sind Gysi und Friedl einst auch nachgerutscht. Doch die Chancen scheinen dieses Mal nicht allzu gross zu sein, dass eine der beiden Frauen während der Legislatur 2020-2024 zurücktritt. Es gibt höchstens das Szenario, dass Ständerat Paul Rechsteiner nicht die vollen vier Jahre macht, dieser durch eine SP-Nationalrätin ersetzt wird und so ein Sitz im Nationalrat frei wird. «Zuerst müssen wir Paul Rechsteiner im zweiten Wahlgang wieder in den Ständerat bringen», sagt Bullakaj diplomatisch.

Mehr Stimmen als die Fraktionspräsidentinnen

So scheint Bundesbern für den Wiler derzeit weit weg zu sein. Ist die Schweiz im Jahr 2019 noch nicht reif für einen Nationalrat mit Migrationshintergrund? «Doch. Die Schweiz ist bereit. Ich habe sehr viel Zuspruch erfahren. Allerdings weht momentan politisch ein anderer Wind und die SP hat zu viele Stimmen verloren», sagt Bullakaj. Ein Blick auf das Resultat zeigt: Der Wiler hat zum Beispiel rund 3500 Stimmen mehr gemacht als der Wiler Stadtrat Dario Sulzer und auch einige mehr als die beiden Co-Fraktions-Präsidentinnen Bettina Surber und Laura Bucher. Aber eben: Der SP fehlte in dieser Wahl die grüne Note.

Da Aufgeben in Bullakajs Leben grundsätzlich ein Fremdwort ist, ist der Weg bereits neu gezeichnet. Nun müsse es halt die «Ochsentour» sein, wie Bullakaj sagt. Der Begriff beschreibt einen eher zähen Verlauf einer Politkariere. Der SP-Politiker meint mit Ochsentour den St. Galler Kantonsrat. Seine Partei präsentiert schon diese Woche die Nominationen für die Wahl im kommenden Frühjahr. Peter Hartmann aus Flawil wird als «Bisheriger» nicht mehr antreten, womit der Weg in die Pfalz für den Wiler geebnet sein könnte.

Er will nicht mehr auffallen

Denn Für Bullakaj ist klar: Mit seiner Mission steht er noch am Anfang. «Erst wenn ich mit meinem Wahlkampf und meinen Themen irgendwann nicht mehr auffalle und ich nicht mehr als Pionier gelte, dann sind wir am Ziel. Ich würde mir deshalb wünschen, dass ich nicht der einzige bin, der das Thema Migrationshintergrund aufnimmt.»