Ohne Freiwilligenarbeit hätte es in der Vergangenheit in Flawil zum Beispiel keine Anlässe im «Kulturpunkt», keinen attraktiven Ferienplausch, kein «Sommer im Feld» und nur eine minimale Betreuung von Asylsuchenden sowie Flüchtlingen gegeben. Es würde aber auch das Integrationsprojekt «Buntruum» nicht geben. Entstanden ist das Projekt Ende Dezember 2016 als ein geselliges Angebot für Neuangekommene während der Weihnachtsferienzeit. Die Organisatoren stammen aus der freiwilligen Begleitgruppe für geflüchtete Menschen. «Für Flüchtlingsfamilien einen Ort zu schaffen, wo sie sich wohlfühlen, aber auch unbeschwert Kontakte knüpfen können, war die Grundidee der Initiantinnen Sabrina Wallier und Maria Hudnut», berichtet die Gemeinde Flawil in einer Medienmitteilung. Bereits der erste «Buntruum»-Anlass im «Kulturpunkt» sei ein grosser Erfolg gewesen, dass die Fortsetzung des Integrationsprojekts nur logisch war. In den Jahren 2017 und 2018 fand dann jeden letzten Sonntag im Monat ein Treffen im «Kulturpunkt» als «Buntruum» statt.

Gestartet wurde das Projekt zwar mit geflüchteten Familien. Doch die Idee des «Buntruums» war, einen Begegnungsraum für alle Menschen zu schaffen: Egal ob Schweizerin oder Schweizer, ob eingewandert oder geflüchtet, ob alt oder jung. Mit dem «Buntruum» ist laut der Gemeinde ein sozialer Raum für Begegnungen auf Augenhöhe und Vernetzungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen entstanden. «Bei jedem Anlass fanden immer wieder verschiedene, auch spontane Aktionen statt», sagt Maria Hudnut. Die Aktivitäten reichten vom spontanen Theaterspiel mit Hilarie Burke über eine eritreische Kaffeezeremonie und eine Clown-Show bis hin zu einer Djembesession mit Ananda Geissberger. Bei jedem Anlass wurden zudem auch Ideen für weitere Projekte angesprochen. Daraus entstanden sind zum Beispiel das «Buntruum»-Nähen und Schwimmkurse für Kinder und Frauen.

Viele Projekte sind entstanden

Das Integrationsprojekt «Buntruum» hat sich in den vergangenen Jahren auch gewandelt. Sabrina Wallier musste sich von der aktiven Leitung zurückziehen. Dafür ist jetzt Urs Isenring aktiver dabei. Die zu Beginn jeweils monatlich stattfindenden Anlässe beschränken sich mittlerweile nur noch auf etwa vier gesellige Treffen im Jahr. «Es sind dafür viele andere Projekte entstanden», betont die Gemeinde. Die Aktivitäten im Jahr 2019 reichten von Ferienaktivitäten für Kinder (Schlittschuhlaufen Schwimmen, Kinonachmittag im Kulturpunkt), der Teilnahme am Spendenlauf für die Kinderkrebshilfe Schweiz, einem Velosicherheitskurs, dem Mitmachen beim «Sommer im Feld» bis hin zur Deutschkonversations- und Aufgabenhilfe für Erwachsene. In diesem Jahr wird der Fokus auf folgende Aktivitäten gesetzt: Ferienaktivitäten für Kinder, die Nachhilfe und Leseförderung für «Buntruum»-Kinder, Mutter-Kleinkind-Treff mit Daniela Morgante, Schwimmkurs, Velosicherheitskurs für Kinder sowie auf die Fitness-Angebote für Männer und Frauen. «Allerdings hat das Coronavirus auch die 'Buntruum'-Aktivitäten zum Stillstand gebracht», sagt die Gemeinde. Der Kontakt mit den Familien sei aber nicht abgebrochen worden, da Maria Hudnut und Urs Isenring auch in dieser Zeit im Einsatz waren. 

Unterstützung von allen Seiten der Gemeinde

«Integration ist ein gegenseitiger Prozess und die 'Buntruum'-Anlässe zeigen, dass weiterhin ein grosses Bedürfnis für ein solches Angebot besteht», weiss die Gemeinde Flawil. Das Projekt sehe sich nicht als Konkurrenz, sondern vielmehr als Ergänzung zu den bereits bestehenden Angeboten wie beispielsweise den «B'treff». «Zudem begrüssen es Maria Hudnut und Urs Isenring ausserordentlich, dass die Gemeinde Flawil eine Fachstelle Integration und Frühe Förderung geschaffen hat», heisst es in der Medienmitteilung weiter. Überhaupt vergessen sie all jene Personen nicht, die zum Erfolg beigetragen haben: Die vielen Teilnehmer, die unentgeltlich einander gegenseitig unterstützen und die Aktivitäten und Anlässe beleben. Die Gemeinde Flawil und den Kanton St.Gallen, die das Integrationsprojekt in den vergangenen drei Jahren mit einer Anschubfinanzierung unterstützt haben. Den «Kulturpunkt» und die Spielgruppe «Bitzgi-Meise», die mit ihren Räumlichkeiten und der grossen Leidenschaft für ein friedliches Miteinander die Grundidee des «Buntruums» unterstützen. Den Kulturverein Touch und die reformierte Kirchgemeinde.

«Der Gemeinderat erachtet das Integrationsprojekt 'Buntruum' Flawil nach wie vor als sinnvoll», heisst es in der Medienmitteilung weiter, «Vorbehältlich einer Zustimmung der Bürgerschaft zum Budget unterstützt er das Projekt auch im Jahr 2021». Wie bereits für das laufende Jahr sei im Budget 2021 ein Beitrag von 3000 Franken vorgesehen. Derweil sei der «Buntruum» im Begriff, sich weiter zu entwickeln: «Die Leitung wird das Projekt 'Buntruum' in diesem Jahr in einen Verein umwandeln.»

Freiwilligenarbeit sichtbar machen

«Der Gemeinderat schätzt die Freiwilligenarbeit», heisst es von Seiten der Gemeinde. In der vom Rat im ersten Halbjahr 2017 erarbeiteten Vision 2030 ist die Freiwilligenarbeit denn auch eines der Handlungsfelder. «So soll im Jahr 2030 die Freiwilligenarbeit immer noch ein wichtiger Pfeiler des Zusammenlebens sein sowie in der Öffentlichkeit wahrgenommen und geschätzt werden», heisst es weiter. Daraus abgeleitet wurde auch ein Legislaturziel für die Amtsdauer von 2017 bis 2020. So wird seit dem Jahr 2018 mindestens zwei Mal jährlich ein Beispiel aus der Freiwilligenarbeit gewürdigt und damit die Wertschätzung gegenüber den unentgeltlich geleisteten Einsätzen gesteigert werden. «Auch in diesem Jahr werden Personen, Gruppen oder Vereine porträtiert, die sich in Flawil in der Freiwilligenarbeit engagieren», verspricht die Gemeinde. (pd)