Der Weiler Burgau war für die Regierungsdelegation mit Regierungsrat Martin Klöti und die Denkmalpflege der zweite Besichtigungsort, um sich über Ortsprägungen aus denkmalpflegerischer Sicht ein Bild zu machen. Dass Burgau in früherer Zeit starke Autonomie übte, zeigt sich im noch gut erhaltenen früheren Rathaus. Die Information über den Weiler Burgau führte Matthias Wehrlin, selber in Burgau wohnhaft und aktuell für die Gemeinde als Ortsplaner tätig.Denkmalpfleger Michael Niedermann betonte eingangs die national anerkannte Bedeutung des Ortes. Burgau zeige sich wie Werdenberg im mittelalterlichen Charakter. Seiner Ansicht nach ist es ein Ort, der für sich spricht. Mit Matthias Wehrlin hat Burgau einen Kenner der Szene im Einsatz, was die Erhaltung des geschichtlichen Charakters betrifft. Als Orts- und Stadtplaner war Wehrlin schon in der Stadt Bern, aktuell auch in Rorschach unterwegs. Gefreut habe es ihn, als die Gemeinde Flawil ihn für die Ortsplanung von Burgau angefragt habe.

Starker Auftritt um 1850
An Hand einer historischen Karte aus dem Jahr 1850 zeigte Matthias Wehrlin die Entwicklung des Ortes auf. Wie sich auch am ehemaligen Rathausgebäude zeige, habe Burgau in früheren Zeiten überaus autonom gelebt. Alles hatten die Bewohner selber erarbeitet. Schule, Strassen Wasser, Felder über 1,5 km2. Nach dem Verlust der Schule, heute keine Landwirte mehr, sei die Wasserkorporation einzig übrig geblieben.

Nach Wehrlin hat das bauhistorische Interesse an Burgau erst im 20. Jahrhundert eingesetzt. Der erste eigentliche Ortsplan sei erst im 2002 entstanden, was auch den Anfang der Erneuerung bei den historischen Gebäuden auslöste, eine dringende Notwendigkeit. Im 2004 seien dann die „Spielregeln“ mit der Gemeinde definiert worden. Die Denkmalpflege sei darin als Zuckerbrot, aber auch mit harter Hand aufgetreten. Störungen bei der Entwicklung habe die nahe Kiesausbeutung ergeben, die Rekultivierung sei bis heute nicht abgeschlossen. Ein Overkill wäre es nach Wehrlin für Oberglatt, wenn der angedachte Plan für eine Muldenkipperanlage auf halbem Weg zwischen den historisch verbundenen Orten umgesetzt würde. 

Erstrebte Entwicklung
Nachdem er als Ortsplaner seitens der Gemeinde eingesetzt sei, setze er ganz auf den historischen Erhalt in allen Teilen. So ist vorgesehen auch schmale Strassen mit knapp 3 Meter Breite unbedingt zu belassen, um die Massstäblichkeit des geschützten Ortes zu wahren. Nur an Durchgangsstrassen müsse der Verkehr laufen können. Hohen Stellenwert messen die Bewohner nach Wehrlin ihren Hauseingängen und Vorplätzen bei, was die Bedeutung für „Mein Haus“ einnehme.

In Prüfung ist die Erneuerung der örtlichen Beleuchtung. Er setze sich für eine einfache LED-Beleuchtung ein, für Kitschiges habe er nichts übrig. Falls es doch noch Kandelaber brauche, könnten diese auch in Holzausführung erstellt werden.

Nach Matthias Wehrlin ist eine gelungene Ortserneuerung in Sicht. Die rund 100 Bewohner des Weilers schätzten die Wohnqualität. Die Einwohnerzahl sei nicht etwa rückläufig, vielmehr meldeten sich neue Interessenten, welche die Qualität der Idylle von Burgau erkennen und geniessen wollten.