Mit einfach gehaltener Bautechnik gelang dem Wiler Architekturbüro Fent Solare Architektur mit Partner Lucido Solar AG in der Überbauung „Zentrum Tobel“ eine nachhaltige Wohnkultur, welche den Energieverbrauch pro Person auf 2000 Watt zu senken vermag. 2000W kann man mit dem Wohnen allein zwar nicht erreichen. Dazu braucht es auch die Einflussnahme der Bewohner auf die Form der Mobilität, dem Einkaufsverhalten etc. Mitte Dezember konnte das Büro Fent Solare Architektur aus einer Auswahl von 15 Projekten in der engeren Auswahl den 1. Preis, dotiert mit 12'000 Euro, entgegennehmen. Es war die Einfachheit der Bauweise mit herkömmlicher („bereits bekannter“) Technologie für die Lösung der zukünftigen Herausforderungen, welche die Jury überzeugte.Beim Büro Fent ist die Überbauung „Zentrum Tobel“ bereits das zweite grosse städtebauliche Projekt (nach dem Hofberg, Wil), welches einen Beitrag zur Energiewende leisten will. Bei diesem zweiten Projekt stellten sich die Planer der Herausforderung, den Energieverbrauch von durchschnittlich 6'500 Watt auf 2000 Watt zu senken. Dabei sollten für die Bewohner keine Komforteinbussen entstehen, sowie mit den Ressourcen wie Bauland, bestehenden Strukturen, Materialien und Energie möglichst schonend umgegangen werden. Beim Projekt „Zentrum Tobel“ wird das Wohnen dadurch gar noch günstiger.

Gezielte Massnahmen für mehr Lebensqualität
Verschiedene Puzzleteile sorgen im Ganzen fu¨r umfassende Lebensqualita¨t: Fla¨chensparende, praktische Grundrisse, die Nebenkosten um einen Drittel reduziert, CO2- neutraler Strom aus der eigenen Solaranlage - und in den Wohnungen zirkuliert sonnengewa¨rmte, frische Luft auf natu¨rliche Weise anstelle einer herkömmlichen Komfortlüftung. Leben im Zentrum Tobel bietet echte Lebensqualita¨t mit Mehrwert. Nachhaltiger Wohnraum mit minimalstem Kosten-Mehraufwand gegenu¨ber herkömmlichen Bauten

Die besonderen Wohnungen erfüllen schon jetzt eine Vielzahl von Standards, die in Zukunft verpflichtend gelten. Die Wohnanlage produziert mehr Energie, als sie benötigt. Dieser Strom reicht aus, um in Zukunft neben dem Wohnen auch die gesamte Mobilität der Bewohner anzutreiben.

Modulare Komponenten
Die Gebäude des „Zentrum Tobel“ nutzen die anfallende Sonnenenergie an Fassaden für die Frischluftvorwärmung. Auf den Dächern wird rund die doppelte Menge Betriebs-Energie in Form von Solarstrom produziert. Bei der Gebäudetechnik wurden Produkte aus modularen Komponenten mit besonders kleinen Unterhaltsaufwand eingesetzt. Durch die konzeptionelle Teilung in ein EWS-System (Erdsonden Wärmepumpen) für die Heizleistung und eine LW-WP (Luft-Wärmepumpe) für die Aufbereitung des Hygienewassers können die Geräte klein dimensioniert werden, womit sich deren Effizienz erhöht und das System weniger anfällig ist.

Die Überbauung ist als Gesamtenergiekonzept ausgelegt. Verschieden ausgerichtete Dächer und ein, im Detail noch zu erstellendes, Tagstrom-Nutzungsprofil optimieren den Eigenverbrauch und brechen die Produktionsspitzen. Bereits realisiert wurde, dass der Wärmestrom tagsüber produziert (Solarstromnutzung) und in Schichtspeicher und der Gebäudekonstruktion gespeichert wird. Der im Projekt integrierte Dorfmarkt ist als hoher Verbraucher von Tagstrom ins Konzept integriert.

Die Bewohner bilden eine Solarstrom-Gemeinschaft und werden dadurch sozial in das Thema Produktion / Verbrauch eingebunden. Nach der Analyse des Benutzerverhaltens soll mit finanziellen Vorzugspreisen die Tagstromnutzung gefördert werden.

Thermoaktive Fassadenhinterlüftung
Solino® ist das System für die solare Frischluft-Vorwärmung durch einen Hybrid-Solarkollektor und Verwertung der Abluftenergie zur Aufbereitung des Hygiene- und Heizwassers. Es basiert auf der thermoaktiven, hinterlüfteten Solarfassade Lucido® aPlus. Durch Solino® werden im Vergleich deutlich weniger Materialien/Ressourcen eingesetzt. Die massgeblichen Lebenszykluskosten zeigen, dass gegenüber Fensterlüftung mehr als 25% und gegenüber Zu- und Abluftanlagen mit Wärmerückgewinnung sogar 40-50% der Kosten eingespart werden.

Solarstromüberschuss für eCar-Sharing
Die PV-Anlagen auf den Dächern liefern den Strom für die Wärmepumpen, sowie die anderen Haustechnikkomponenten und den gesamten Bedarf an Haushaltstrom. Der beträchtliche Überschuss von 121‘500 kWh erlaubt den Betrieb eines eCar-Sharings und deckt die gesamte, zukünftig benötigte Energie für die eMobiltät der Bewohner.

Würdigung der IBK Bodenseekonferenz
Das vom Kanton Thurgau nominierte Projekt für eine Eingabe bei der IBK erhielt seitens der Jury eine herausragende Würdigung wie folgt:
Das Projekt „PlusEnergieÜberbauung Zentrum Tobel“ zeigt sich als schlichter Wohnungsbau mit vorbildlicher Umsetzung der zentralen Leitideen Energieeffizienz und Produktion erneuerbarer Energie. Jeder technische Ansatz ist logisch, minimiert bezüglich seines Aufwandes und maximiert bezüglich seines Ertrages. Dies führt zu einem vorbildlichen Projekt der 2.000 Watt-Gesellschaft.

Das Projekt zeigt mit einfachen Mitteln auf, dass die technischen Herausforderungen der nächsten Generation mit bereits bekannter Technologie gemeistert werden können. Auch der E-Mobilität wird durch die ausreichende Solarstromproduktion Rechnung getragen und teils im partizipativen Prinzip den Bewohnern einfach zugänglich gemacht.

Die städtebauliche Verdichtung mit architektonisch angemessenen Mitteln ist vorbildlich und beweist eine schonende Nutzung der knappen Ressource Bauland. Diese Zentrumsbildung generiert einen Dorfplatz, welcher in selbstverständlicher Art und Weise die Gesellschaft in dieses nachhaltige Projekt mit einbezieht. Das Projekt ist ein Leuchtturm der Nachhaltigkeit.

IBK-Preis 2017
Der 1.Preis IBK-Preis für Nachhaltigkeit geht an das ökologisch innovative Wohn- und Lebensraum-Projekt „Zentrum Tobel“ von FENT SOLARE ARCHITEKTUR und LUCIDO SOLAR AG gemeinsam mit ihren Projekt-Partnern: Gemeinde Tobel, Roland Kuttruff, Norbert Burri, Bruno Züger und Baukonsortium Käsereistrasse; Jürg Schneebeli und Giuseppe Fent.